The Freemason’s Song.: Je t’appartiens – Let It Be Me

November 13, 2009
Hiramabiff Je t’appartiens [i.e.: I belong to The Great Architect of the Universe]

Hiram legend was not used when modern Freemasonry started in 1717.

By 1730 (just a few years later) it was the central part of the Masonic ritual. Today it remains the heart of the ritual. It is supposed to teach us Masonic lessons. But what are they?

Freemasonry (remember the period when the Hiram legend started, 1717-1730) teaches that each person is entitled to dignity and respect, freedom of thought and speech, not even our friends, or ourselves, should curtail this freedom. Hiramic legend could be about the universal struggle for freedom.

If so, what is this freedom?

Freedom of speech includes freedom of those who say things we hate, hurtful things that upset people. Otherwise, it is not real freedom.”

(Brother Paul Bessel – Presentation at Benjamin B. French Lodge No.15, F.A.A.M., Washington D.C., February 17, 1999)

LYRICS

Music: Gilbert BécaudWords: Pierre Delanoë, 1955

Comme l’argile
L’insecte fragile
L’esclave docile
Je t’appartiens

De tout mon être
Tu es le seul maître
Je dois me soumettre
Je t’appartiens

Si tu condamnes
Jetant mon âme
Au creux des flammes
Je n’y peux rien

Si tu condamnes
Si tu me damnes
Voici mon âme
Voici mes mains

Avec les peines
L’amour et la haine
Coulant dans mes veines
Je t’appartiens

Que puis-je faire
Pour te satisfaire
Patron de la terre
Sur mon chemin

Comme les anges
Chanter tes louanges
Mais je ne suis pas un ange
Tu le sais bien

Je ne suis qu’un homme
Rien qu’un pauvre homme
Je t’aime bien
Comme un copain

Souvent je pense
Que dans ton immense
Palais de silence
Tu dois être bien

Parfois je pense
Que dans ton immense
Palais de silence
On doit être bien


Alan Poseners Kolumne: Journalisteneitelkeit, Journalistenehrlichkeit

November 13, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag / HIRAM7 REVIEW

Zu den weniger erfreulichen Seiten des Journalismus in Deutschland gehört die Praxis, Interviews vom Interviewten autorisieren zu lassen. In der angelsächsischen Welt geht man erheblich lockerer damit um. Man vertraut dem Journalisten, das Gespräch richtig wiederzugeben.

Sicher, für die Autorisierung gibt es einen nachvollziehbaren Grund: anders als im Fernsehen oder im Radio wird das Interview im Print-Medium (und online, wie wir gleich sehen werden) nachträglich bearbeitet: gekürzt, sprachlich geglättet und so weiter. Da kann es vorkommen, dass der oder die Interviewte sich falsch dargestellt findet, indem etwa ein wichtiger Nebensatz weggekürzt wird.

Und: von einem autorisierten Interview kann man sich ja nicht nachträglich distanzieren, wie das zuweilen in den USA oder Großbritannien – mit Hinweis auf die Bearbeitung durch den Journalisten – geschieht. Immer wieder erleben wir jedoch, dass gerade PolitikerInnen (oder ihre Presseleute) bei der Autorisierung das Interview bis zur Unkenntlichkeit verändern. Eindeutige Aussagen werden zurückgenommen, Kontroverses oder Interna gestrichen.

Umso erstaunlicher ist das berüchtigte Sarrazin-Interview mit seiner Diffamierung der dummen Unterschicht und der nutzlosen Zuwanderer. Man muss sich vor Augen halten: das sind nicht „unbedachte“ Äußerungen. Das sind Aussagen, die vom Interviewten (und im Falle Sarrazins auch von seinem Vorgesetzten, dem heutigen Bundesbank- und wohl künftigen EZB-Chef Axel Weber) in Ruhe nach dem Interview gelesen und autorisiert wurden.

Aber das nur nebenbei. Gut: PolikerInnen wollen sich möglichst gut präsentieren; das ist nachvollziehbar. Neulich erlebte ich zum ersten Mal den Fall, dass ein Interview nachträglich geändert wurde, um den Interviewer besser aussehen zu lassen.

Es handelt sich um dieses Interview mit mir in Telepolis.

Man hätte immerhin darauf hinweisen sollen, finde ich, dass das Interview per E-Mail geführt wurde; aber das nur nebenbei.

Ich habe das Interview autorisiert (was tut man nicht alles, um PR für sein Buch zu machen) denke aber doch, dass das ursprüngliche Interview besser war: siehe vor allem Punkt 3:

1) Herr Posener, warum hassen Sie die Kirche?

Was für eine schwachsinnige Frage. Ich hasse die Kirche gar nicht. Ich stehe auf dem guten, alten preußischen Standpunkt, dass jeder nach seiner Façon selig werden soll – der Christ, der Muslim, der Jude, der Atheist. Wer mich in Ruhe lässt, den lasse ich in Ruhe.

2) Sie sind ja bekannt für Ihre Frontalangriffe. In Ihrem neuen Buch „Benedikts Kreuzzug. Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft“ greifen Sie den Papst an. Ist Papst Benedikt ein Gegner von Demokratie und Aufklärung? Woran machen Sie es fest? Was Frontalangriffe angeht, so sind sie wohl besser als Dolchstöße in den Rücken, meinen Sie nicht auch?

Ich greife den Papst an, weil er die Demokratie und plurale Gesellschaft angreift. Er diffamiert sie als “Diktatur des Relativismus” und fordert nicht nur das Recht, etwa die Homosexualität als “objektive Ordnungsstörung im Aufbau der menschlichen Existenz ” zu verurteilen, sondern eine Art Wächterrat, der die Entscheidungen des demokratischen Staates auf ihre Übereinstimmung mit der Moral überprüfen soll – eine Forderung, bei der er sich mit den Pius-Brüdern und den Teheraner Mullahs einig weiß. Ich greife den Papst an, weil er die Aufklärung angreift. Er sieht den “Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit”, wie es Kant formulierte, als Verfallserscheinung an und fordert die “Reinigung der Vernunft” durch den Glauben – was wiederum bedeutet: ich, Ratzinger, entscheide, was vernünftig ist und was nicht.

Um es klar zu sagen: ich habe nichts dagegen, wenn der Papst sagt: Homosexualität ist eine Sünde. Bitte sehr, das sollen die schwulen Katholiken, von denen es gerade in der Priesterschaft jede Menge gibt, mit ihm und ihrem Gewissen ausmachen. Das liegt auf der gleichen Linie wie das Verbot, Schweinefleisch zu essen bei Juden und Muslimen. So lange sie mir nicht verbieten, Schweinebraten und Schinken zu essen, ist es ihr Problem, wenn sie sich den Genuss entgehen lassen.

Wenn aber gesagt würde, Schweinefleisch zu essen sei eine “objektive Ordnungsstörung”, dann habe ich ein Problem. Ich habe nichts dagegen, wenn der Papst sagt, wir setzen den Glauben über die Vernunft. Bitte sehr, das sollen die mündigen Katholiken mit ihm und ihrem Gewissen ausmachen. Aber wenn er versucht, den Begriff Vernunft selbst so umzudeuten, dass er Glaube bedeutet, dann habe ich ein Problem.

3) Sie werfen Ihm in ihrem Buch vor, dass er von seinem Großonkel geprägt wurde, der antisemitische Hetzschriften verfasst habe. Wer war diese Person, und in wieweit war dieser ein Vorbild für den Theologen Ratzinger?

Sie haben mein Buch offenbar nicht gelesen. Ich werfe ihm mitnichten vor, dass er von seinem Großonkel Georg Ratzinger geprägt wurde. Das ist Unsinn. Ich sage auch nicht, dass der bayerische Nationalist und antisemitische Publizist Georg Ratzinger ein Vorbild für Joseph Ratzinger gewesen sei. Ich lehne die Sippenhaftung ab.

4) Die Aufhebung der Exkommunizierung der Pius-Brüder und des Holocaust-Leugners Williamson wurden in der Öffentlichkeit als eine Panne des Papstes dargestellt, der in diesem Fall einfach schlecht beraten gewesen sei. War das ein Versehen, oder steht dahinter eine bestimmte Haltung?

Der Versuch, die Affäre um Williamson und die Pius-Brüder als Panne abzutun, war ein dummer Schachzug der Benedikt-Verteidiger. Denn wenn der Papst nicht weiß, was er tut, ist er als Papst ungeeignet. Ratzinger weiß aber natürlich sehr genau, was er tut. Er war schon als Chef der Glaubenskongregation mit der Frage der Pius-Brüder befasst und kennt ihre Schriften. Um es deutlich zu sagen: die Pius-Bruderschaft ist keine konservative, sondern eine offen reaktionäre Vereinigung, die den kirchlichen Antijudaismus konserviert, die also mehr oder weniger institutionell antisemitisch ist.

Die Bruderschaft befürwortet eine Abschaffung des weltlichen Staats und ihre Ersetzung durch eine Theokratie ähnlich der im Iran, die Drogen, Prostitution, Pornographie, Blasphemie, Homosexualität und so weiter verbieten und die Todesstrafe wieder einführen würde. Das weiß Benedikt, und trotzdem betreibt er die Annäherung an diese Leute und kommt ihnen weit entgegen, zum Beispiel mit der Aufwertung der lateinischen Liturgie, deren Abschaffung durch das Zweite Vatikanische Konzil vordergründig zur Abspaltung der Pius-Brüder von der Kirche geführt hat. In Wirklichkeit jedoch passte den Pius-Brüdern die ganze Richtung des Konzils nicht. Und sie passt Benedikt auch nicht.

5) Von kirchlicher Seite wird Ihnen vorgeworfen, dass Sie einen „atheistischen Fundamentalismus“ vertreten würden, und somit jede andere Einstellung als böswillig hinstellen. Manfred Lütz sagt, dass der Papst ein „brillanter Intellektueller“ sei und den Islam herausfordere. Ist das ein persönlicher Kreuzzug von Ihnen gegen die Kirche? Auf was konkret stützen Sie ihre Analysen?

Ich bin zwar getaufter Anglikaner, zugleich aber Atheist, ja. Worin ein “atheistischer Fundamentalismus” bestehen soll, weiß ich nicht. Auf mich jedenfalls trifft diese Bezeichnung nicht zu. Ich stelle doch nicht jede andere Einstellung als böswillig hin, und wer mir das unterstellt, kennt mich nicht. Ich habe bekanntlich ein Buch über die Jungfrau Maria, die Mutter Jesu, geschrieben, das von allen Katholiken, die ich kenne, mein Freund Manfred Lütz eingeschlossen, gelobt wird – und in dem ich übrigens Joseph Ratzinger zustimmend zitiere. Ich habe nicht den geringsten Grund, einen “Kreuzzug gegen die Katholische Kirche” zu führen, was ohnehin ein Widerspruch in sich wäre, obwohl wir Anglikaner, wie Sie wissen, seit Heinrich VIII. unsere Probleme mit Rom gehabt haben. Hätten Sie jedoch mein Buch gelesen, und nicht nur die Rezensionen, würden Sie wissen, dass ich an keinem Punkt die Kirche als solche angreife. Meine Analyse der Ansichten und Absichten Benedikts stützt sich, das wüssten Sie, wenn Sie das Buch mit seinen 274 Anmerkungen auch nur angeschaut hätten, auf Reden, Schriften und Interviews von Joseph Ratzinger. Also auf öffentlich zugängliches Material.

6) Ist diese Feindschaft gegen die Moderne eine neuere Entwicklung unter Papst Benedikt, oder war diese auch unter Papst Johannes Paul II. Vorhanden?

Johannes Paul II. war – im Gegensatz zu Benedikt XVI. – ein großer Mann. Er gehört, zusammen mit seinem Landsmann Lech Walesa, mit Ronald Reagan, Maggie Thatcher und – vor allem – Michail Gorbatschow, zu den Persönlichkeiten, die das reaktionäre System des Kommunismus zu Fall gebracht haben. Aber für den polnischen Papst war das westliche System nur das kleinere Übel. Von Wojtila sagte man, er wolle zwei Revolutionen rückgängig machen – die russische und die französische. Dabei war er jedoch, vielleicht wegen seiner Erfahrungen mit dem Kommunismus, nicht so radikal wie Ratzinger, den er allerdings gefördert hat. Johannes Paul II. hat Galileo Galilei rehabilitiert und den Darwinismus anerkannt. Benedikt hat den Prozess der Inquisition gegen Galileo verteidigt und propagiert die unwissenschaftliche Lehre des “Intelligent Design” gegen den Darwinismus.

In einer Zeit, die ohnehin von Wissenschaftsskepsis und Halbwissen geprägt ist, bedeutet Benedikts Abkehr von der Vernunft eine Katastrophe.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Did You Ask A Good Question Today?

November 8, 2009

Judaism is a religion of questions.

Rabbi Sacks

by Sir Jonathan Sacks, Chief Rabbi of the United Hebrew Congregations of the Commonwealth

Isidore Isaac Rabi, winner of a Nobel Prize for physics, was once asked why he became a scientist. He replied: “My mother made me a scientist without ever knowing it. Every other child would come back from school and be asked, ‘What did you learn today?’ But my mother used to say, ‘Izzy, did you ask a good question today?’ That made the difference. Asking good questions made me into a scientist.”

Judaism is a religion of questions. The greatest prophets asked questions of God. The Book of Job, the most searching of all explorations of human suffering, is a book of questions asked by man, to which God replies with a string of questions of His own.

The earliest sermons usually began with a question asked of the rabbi by a member of the congregation. Most famously, the Passover Seder begins with four questions asked by the youngest child.

So I can identify with Rabi’s childhood memories. When I left university and went to Israel to study in a rabbinical seminary, I was stunned by the sheer intensity with which the students grappled with texts. Once in a while the teacher’s face would light up at a comment from the class. “Du fregst a gutte kashe,” he would say (you raise a good objection). This was his highest form of praise.

Rabbi Dr. Abraham Twerski tells of how, when he was young, his instructor would relish challenges to his arguments. In his broken English he would say: “You right! You a hundred prozent right! Now I show you where you wrong.”

Religious faith has suffered hugely in the modern world by being cast as naive, blind, unquestioning.

The scientist asks, the believer just believes. Critical inquiry, so the stereotype runs, is what makes the difference between the pursuit of knowledge and the certainties of faith. One who believes in the fundamentals of a creed is derided as a fundamentalist. The word fundamentalist itself comes to mean a simplistic approach to complex issues. Religious belief is often seen as the suspension of critical intelligence.

As Wilson Mizner once put it: “I respect faith. But doubt is what gets you an education.” To me, this is a caricature of faith, not faith itself.

Questions testify to faith – the universe is not impervious to our understanding, life is not chance.

What is the asking of a question if not itself a profound expression of faith in the intelligibility of the universe and the meaningfulness of human life? To ask is to believe that somewhere there is an answer. The fact that throughout history people have devoted their lives to extending the frontiers of knowledge is a moving demonstration of the restlessness of the human spirit and its constant desire to transcend, to climb. Far from faith excluding questions, questions testify to faith – that the world is not random, the universe is not impervious to our understanding, life is not chance.

That, I suspect, is why Judaism encourages questions. On the phrase: “Let us make man in Our image, according to Our likeness,” Rashi, the 11th-century biblical commentator, says: “This means, with the power to understand and to discern.”

Critical intelligence is the gift God gave humanity. To use it in the cause of human dignity and insight is one of the great ways of serving God. When faith suppresses questions, it dies. When it accepts superficial answers, it withers.

Faith is not opposed to doubt. What it is opposed to is the shallow certainty that what we understand is all there is.

Reprinted with kindly permission of Aish HaTorah International.


Amerika auf Abwegen. Obamas Dialogpolitik mit dem iranischen Regime

November 7, 2009

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

“Warum besteht Amerika darauf, das Spiel der Iraner zu spielen?”, fragte kürzlich eine Schlagzeile der israelischen Tageszeitung The Jerusalem Post.

Mein heute veröffentlichter Beitrag untersucht den Kurswechsel im Weißen Haus und versucht, die oben gestellte Frage ansatzweise zu beantworten.

Der Artikel basiert auf einem Vortrag, den ich am 4. November 2009 auf Einladung von Stop the Bomb in Wien hielt. Ein Journalist der österreichischen Presseagentur APA war anwesend und veröffentlichte die nachfolgende Kurzform meines Vortrags und Artikels.

Ich heiße Ihre Kritik wie immer willkommen und wünsche noch ein gutes Wochenende.

Dr. Matthias Küntzel

***

Bei den jüngsten Irangesprächen in Genf und Wien waren es nicht die Winkelzüge der Iraner, die Erstaunen auslösten, sondern die Politik der USA.

Während früher Washington den Druck auf Iran zu erhöhen suchten und Europa auf die Bremse trat, ist es heute Obama, der auf die Bremse tritt, während Frankreich und Großbritannien auf Sanktionen pochen. Während George W. Bush den Islamismus in Iran anprangerte, schmeichelt sich sein Nachfolger mit Komplimenten und Verharmlosungen ein. Während es früher die Europäer waren, die ihre Misserfolge im “Dialog” als Erfolge präsentierten, übernimmt heute Washington diesen Part.

Das Schlüsseldatum der alten amerikanischen Iranpolitik ist der 23. Dezember 2006. An diesem Tag hatten die USA nicht nur erreicht, dass der Sicherheitsrat die Mullahs einstimmig aufforderte, unverzüglich alle Arbeiten an der Urananreicherung und den Plutoniumprojekten einzustellen. Gleichzeitig wurden zur Durchsetzung dieser Forderungen Sanktionen gegen Iran verhängt. Diese Sanktionen verbieten bis heute jeden Nuklearhandel mit Iran. Ihre materielle Reichweite war und ist begrenzt – doch wiegt ihr juristisches Gewicht bis heute schwer. Einstimmig stufte damals der Sicherheitsrat die Atompolitik Irans in Resolution 1737 als eine Bedrohung des internationalen Friedens ein.

Erstmals wurde für den Fall, dass Teheran den UN-Aufforderungen nicht nachkommt, mit einer Druckerhöhung nach Artikel 41, Absatz VII der UN-Charta gedroht. Artikel 41 listet auf, wie ein Staat nicht-militärische genötigt werden kann, UN-Beschlüsse zu befolgen: Durch die teilweise oder vollständige Einstellung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen, durch Blockierung aller Verkehrsverbindungen, durch Unterbrechung des Post- und Funkverkehrs.

Das Schlüsseldatum der neuen amerikanischen Iranpolitik ist der 11. September 2009. An diesem Tag willigten die USA in Irangespräche ein, bei denen die iranische Urananreicherung in Natanz und die neu entdeckte Geheimanlage in Qum ausdrücklich nicht auf der Tagesordnung standen. Gespräche zu Bedingungen, die allein von Teheran diktiert wurden – dies allein kam einer Missachtung der Beschlüsse des Sicherheitsrats gleich.

Obamas zweites Zugeständnis betraf den Skandal der neu entdeckten und tief unter einem Berg versteckten Urananreicherungsanlage von Qum – eine im Bau befindliche Anlage, die für militärische Zwecke ausgelegt ist und dem iranischen Verteidigungsministerium untersteht. Um so bemerkenswerter, dass die „Fünf plus Eins“-Mächte bislang darauf verzichteten, den hierfür zuständigen Sicherheitsrat einzuschalten. Mehr noch: Von keiner Seite wurde bislang die Forderung nach Abbruch aller Arbeiten an dieser Anlage laut. Stattdessen forderte man „kämpferisch“ vom Regime, was dieses nach der Enthüllung des Geheimprojekts von sich aus angeboten hatte: Kontrollen durch die IAEA. Auch auf diese Weise wurde die Sicherheitsratsresolution 1737 konterkariert.

Drittens aber ist sich Obama nicht zu schade, Iran eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet eben jener Urananreicherung vorzuschlagen, die nach dem Willen der Weltgemeinschaft suspendiert werden soll.

Hintergrund ist ein kleiner Forschungsreaktor an der Teheraner Universität, der mit zu 19,75 Prozent angereichertem Uran betrieben wird. Ab 20 Prozent wird Uran als waffenfähig eingestuft.

Im Juni 2009 richtete Irans Regierung eine Anfrage an die UN-Atombehörde IAEA: Man wolle mit deren Hilfe das angereicherte Uran für die angeblich notwendig gewordene Neubeladung des Forschungsreaktors importieren. Natürlich konnte die Wiener Agentur dieser Forderung nicht nachkommen, hat doch der Sicherheitsrat die Verschickung jeglichen Nuklearmaterials nach Iran untersagt. Die Lage war und ist juristisch somit klar: Erst dann, wenn Iran keine Bedrohung für den Weltfrieden mehr darstellt, erst dann, wenn es seine Urananreicherung suspendiert hat, erst dann kann es auch wieder in den Genuss nuklearer Hilfsleistungen kommen.

Für Obama scheint dieser juristische Sachverhalt nicht zu existieren. Er strebt nach einer erfolgreichen Einigung mit dem Regime und sieht in dessen Uran-Begehren eine Chance. Der Deal, den Washington entworfen und anschließend seinen „Fünf & Eins“-Partnern vorgelegt hat, sieht folgendes vor: Die USA und die Weltgemeinschaft erklären die iranische Urananreicherung implizit für rechtmäßig. Sie garantieren, dass Iran das hochangereicherte Uran für seinen Forschungsreaktor erhält. Im Gegenzug muss sich Iran von 75 Prozent seiner heutigen schwach angereicherten Uranbestände, ca. 1,2 Tonnen, trennen, da das höher angereicherte Uran in Russland aus eben diesen Beständen gefertigt werden und anschließend Iran zurückgegeben werden soll.

Auf dieses Abkommen könnte Teheran eingehen, ohne viel zu verlieren, sind doch die Mullahs in der Lage, jene 1,2 Tonnen angereicherten Urans in weniger als einem Jahr neu zu produzieren. Im Weißen Haus wird dies nicht bestritten. Dort verteidigt man den Deal mit dem Hinweis, dass der Export des angereicherten Urans das Regime für einige Monate davon abhielte, die Bombe zu bauen. Man würde Zeit für weitere Verhandlungen gewinnen und könnte insbesondere Israel ein weiteres Jahr von Militärschlägen abhalten.
Der taktische Vorteil eines Zeitaufschubs ist zwar gegeben. Doch fällt der strategische Verlust der Möglichkeit, Iran hinsichtlich der Suspendierung seiner Anlagen unter Druck zu setzen, weitaus schwerer ins Gewicht.

Während George W. Bush die Vereinten Nationen davon überzeugte, dass Iran ob seiner Atompolitik zu isolieren sei, hat sein Nachfolger die Iranbeschlüsse des Sicherheitsrats in Genf und Wien unter den Tisch fallen lassen und die Forderung nach Suspendierung der Urananreichung durch die Forderung nach schärferen Kontrollen ersetzt.

Warum lindert die amerikanische Supermacht den Druck, der so berechtigt auf dem despotischen und krisengeschüttelten Regime lastet?

Oder, um eine Schlagzeile der Jerusalem Post vom 1. November 2009 zu zitieren:

Warum besteht Amerika darauf, das Spiel der Iraner zu spielen?

Ein Teilantwort vermittelt uns der Rückblick auf die europäischen und deutschen Blockaden, die eine konsequente Sanktionspolitik gegenüber Iran seit vielen Jahren vereitelt haben.

So hatte Deutschland in den Neunzigerjahren die amerikanischen Versuche, Iran durch ökonomischen Druck von der Weiterverfolgung seiner Atompläne abzubringen, erfolgreich konterkariert. In seinen Erinnerungen schreibt Hossein Mousavian, der damalige iranische Botschafter in Deutschland: Teheran war sich „in den Neunzigerjahren über Deutschlands bedeutende Rolle bei der Sprengung der ökonomischen Ketten, mit denen die USA den Iran umgeben, bewusst.“ Iran betrachtete „seine Beziehungen mit Deutschland als ein wichtiges Mittel, um die antiiranische Politik der USA zu umgehen.“

2003 wurde aktenkundig, dass Teheran 18 Jahre lang ein heimliches Atomprogramm betrieben und den Atomwaffensperrvertrag somit verletzt hatte. Nach dem Statut der IAEA hätte dieser Vertragsverstoß spätestens im November 2003 im UN-Sicherheitsrat beraten werden müssen. Hierauf drängten insbesondere die USA. Jetzt aber stellten sich Deutschland, Frankreich und Großbritannien quer und erreichten, dass die Überweisung des Irandossiers nach New York erst im März 2006 möglich wurde – nach einer Verzögerung von 28 Monaten, die das Regime für den zügigen Ausbau seiner Atomanlagen zu nutzen wusste. Joschka Fischer brachte den Charakter dieser Hilfestellung auf den Punkt. „Wir Europäer“, erklärte der deutsche Außenminister im September 2004, „haben unseren iranischen Partnern immer geraten, uns als Schutzschild im wohlverstandenen eigenen Interesse zu betrachten.“

Dessen ungeachtet erzielten amerikanische Diplomaten im Dezember 2006 mit der einstimmigen Verabschiedung der Sicherheitsratsresolution 1737 einen Erfolg. Jetzt aber lief im Atomstreit mit Iran zum dritten Mal „der europäische Verbündete Deutschland von der Fahne“, so der amerikanische Korrespondent der FAZ. Im Februar 2007 lief die Frist, die der Sicherheitsrat den Mullahs für die Umsetzung seiner Forderungen gegeben hatte, aus: Iran blieb stur. Jetzt kam alles darauf an, wie die fünf Vetomächte und Deutschland auf die Renitenz des Regimes reagieren. Würde man zurückweichen und damit die Glaubwürdigkeit der UN beschädigen? Oder würde man tun, was die Charta der Vereinigten Nationen für diesen Fall verlangt: Das Sanktionsregime solange verschärfen, bis sich Teheran zu einer Verhaltensänderung gezwungen sieht?

Es war in diesem Jahr 2007, dass sich die Bundesregierung von Frankreich, Großbritannien und Amerika absetzte, um schärfere Sanktionen an der Seite von Moskau und Peking zu verhindern.

Immer wieder setzte sich die historische Freundschaft, die Deutschland und Iran seit 100 Jahren verbindet, gegen Washington durch. Von den Wurzeln dieser Freundschaft und ihren gegenwärtigen Erscheinungsformen handelt mein Buch.

Dieser hartnäckige Widerstand gegen effektive Sanktionen dürfte dazu beigetragen haben, dass Washington seine früher an den Tag gelegte Entschlossenheit ad acta gelegt und einen neuen Kurs der Beschwichtigung eingeschlagen hat.

Dies reicht als Erklärung der gegenwärtigen Obama-Politik jedoch nicht aus. Andere Faktoren kommen hinzu. Wir können Sie derzeit noch nicht exakt bestimmen, einige Hypothesen seien jedoch erlaubt.

Angst. Ich glaube, dass Angst zu den wichtigsten unterschwelligen Motiven der gegenwärtigen Konfliktvermeidungsstrategie gehört. Die Angst ist nicht unberechtigt. Das Regime schürt sie systematisch. So lässt Teheran das Ausland über seine Bataillone einsatzbereiter Selbstmordattentäter keineswegs im Unklaren. Regelmäßig erinnert Teheran an seine vermeintliche Kapazität, die Ökonomien des Westens durch gezieltes und massenhaftes Suicid Bombing lahm zulegen. Je unberechenbarer und brutaler sich ein Gegner aber gibt, um so stärker die Neigung zur Beschwichtigung, während die Bereitschaft, Konflikte durchzustehen, weitaus seltener existiert. Daraus folgt der nächste Aspekt.

Wirklichkeitsverleugnung. Obamas Statement über den Genfer Iran-Dialog verdeutlicht, worum es hierbei geht. Er lobt darin die Ergebnisse der Gespräche wie folgt: „Hier wird Iran nicht als etwas Besonders behandelt. Hier werden keine doppelten Standards geschaffen.“ („This is not about singling out Iran. This is not about creating double standards.“)

Will Amerikas Präsident tatsächlich sich selbst und der Welt einreden, dass es sich bei einer Regierung, die den Holocaust leugnet, den Antisemitismus verinnerlicht und Israel aus diesem Grund auszulöschen sucht, um eine Regierung wie jede andere handelt? Gehört der iranische religiöse Fanatismus, dem Tausende Muslime und Hunderte nicht-muslimische Amerikaner zum Opfer fielen, zum Standardrepertoire moderner Regierungskunst?

Während Obama sich und die Welt über den besonderen Charakter der „Islamischen Republik“ zu täuschen sucht, demonstriert das Regime tagtäglich das Gegenteil.

Die Mullahs erleben, dass schon die Anfänge ihrer nukleare Aufrüstung den Westen abschreckt und nicht der Westen sie. Sie bedrängen die aufgeklärte Welt, Israel fallen zu lassen und bieten nur für diesen Fall eine Reduzierung ihrer Feindseligkeiten an. Sie nutzen alle Register der Einschüchterung, des Spotts und der Beleidigung, um aus Israel das zu machen, was 1938 der sudentendeutsche Teil der Tschechoslowakei für Frankreich und Großbritannien gewesen war: Der Opferpreis für „den Frieden in unserer Zeit“.

Doch an Obama scheint all dies vorbei zu gehen. Im Juni 2009 zitierte ihn die französische Agence France Presse in Bezug auf Iran wie folgt: „In an apparent reference to Israel … Obama said he understood protests, ,that some countries have weapons that others do not.’“

Er äußerte hier Verständnis für jene, die Israel und Iran auf eine Stufe stellen: hier die seit ihrer Gründung existenziell bedrohte Demokratie, dort die seit 30 Jahren den Terrorismus exportierende Despotie. Derartige Äußerungen zeugen von dem Bemühen, die Wirklichkeit zu leugnen, statt sich ihr zu stellen – ein Fehlverhalten nicht nur intellektueller sondern auch moralischer Natur.

Drittens: Narzissmus. Offenkundig will der neue amerikanische Präsident mehr noch als seine Vorgänger von der Weltgemeinschaft geliebt werden. Obama sieht sich als der Anti-Bush. Er ist der personifizierte Versuch, den Antiamerikanismus in der Welt durch Zugeständnisse an die Gegner Amerikas zu beschwichtigen; ein Antiamerikanismus, der nach dem 11. September neue Qualität gewann und die Stimmung auch in vielen amerikanischen Universitäten und Zeitungsredaktionen prägt.

Obama möchte vor allen Dingen eins: die hochfliegenden Friedenshoffnungen, die er in seinen Reden zu verbreiten pflegt und die ihm einen schalen norwegischen Preis einbrachten, nicht enttäuschen.

Es waren aber ähnliche Motive, die Ende der Dreißigerjahre den britischen Premier Arthur Neville Chamberlain dazu veranlassten, den Nazis mit dem “Münchener Abkommen” einen Teil der Tschechoslowakei zu überlassen, um so „den Frieden in unserer Zeit“ zu retten. Natürlich war Chamberlain vom guten Ende, das seinem guten Willen folgen würde, überzeugt. Er war kein Befürworter, sondern schärfster Gegner des deutschen Überfalls auf Polen. Und doch bewirkte seine Politik das genaue Gegenteil von dem, was sie bezweckte.

Damals war es der Druck der Erinnerung an den Terror des Ersten Weltkriegs, der Chamberlain zu seiner Haltung veranlasste sowie eine pazifistische Massenstimmung in Europa, die sich nach Unterzeichnung des „Münchener Abkommens“ in einem rauschhaften Jubel für Chamberlain niederschlug.

Heute ist es die Erinnerung an den Irak-Krieg von 2003 sowie die Hegemonie einer antiamerikanischen Stimmung in der Welt, die Washington zur Wiederholung des historischen Fehlers treibt. Natürlich will Obama keinen Krieg. Und doch führt sein gegenwärtiger Kurs eben dahin.

Während aber Chamberlains Politik vor sechzig Jahren den konventionellen Krieg zur Folge hatte, beschwört die heutige Politik Obamas einen Atomkrieg herauf. Niemand kann garantieren, dass sich ein nuklear bewaffneter Iran entwaffnen und seiner Macht berauben lässt, ohne dass es zu iranischen Atomwaffeneinsätzen kommt. Die Welt stünde vor der Entscheidung, sich dem Islamismus zu unterwerfen, oder über diesen zu siegen – jedoch zu einem unvorstellbar hohen Preis.

Der Atomwaffensperrvertrag bietet gegen dieses Szenario keinen Schutz. Erstens erlaubt dieser Vertrag, dass sich seine Unterzeichner die Komponenten der Atomwaffe auf kontrollierter Weise beschaffen. Zweitens basiert die Wirksamkeit der Kontrollen dieses Vertrages auf dem guten Willen der jeweiligen Regierung – ein Faktor, der im Falle Irans nicht gegeben ist. Drittens aber ist im Sperrvertrag eine Klausel festgeschrieben, die auch den Rücktritt von ihm legalisiert.

Weder die Stärkung der Kontrollen der IAEA, die das Regime jederzeit einseitig zurücknehmen kann, noch die Uran-Kooperation mit Iran auf Basis des Obama-Plans schaffen Sicherheit. Nur eins wird auch in Zukunft den Bau iranischer Bomben verhindern können: Die Suspendierung oder Zerstörung der Anlagen, die den Rohstoff für die Bombe produzieren. Dies aber setzt die Umkehr der gegenwärtigen amerikanischen Iranpolitik voraus.

Immerhin nimmt die Unzufriedenheit mit Obama nicht nur in den USA, sondern auch in Frankreich und ganz besonders bei der iranischen Demokratiebewegung zu.

Während das Regime die Ergebnisse der Genfer Gespräche begeistert feierte, demonstrierten dessen Widersacher am 4. November in Teheran unter der Parole: „Obama – Obama – Ya Ba Oona – Ya Ba Ma“ – „Obama, Obama, entweder bist du auf unserer Seite oder auf ihrer Seite!“ Ein drittes – darin hat die Demokratiebewegung recht – gibt es nicht.


Alan Poseners Kolumne: Henryk M. Broders Farce ist vorbei

November 5, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Nach zwei Wochen war die Farce vorbei. In der letzten Ausgabe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zog Henryk M. Broder seine Kandidatur für den Posten des Zentralrats der Juden in Deutschland zurück.

Buchen unter eiaculatio praecox, mochte man meinen, und zu wichtigeren Dingen übergehen, wozu ziemlich alles gehört, was man sich denken kann – hätte der Spiegel nicht in der „Hausmitteilung“ vom 2. November 2009 behauptet, der „Meister der gezielten Provokation“ habe deshalb auf die Fortsetzung seines Wahlkampfs verzichtet, weil er bereits sein Ziel erreicht habe. Denn „die subversive Kraft der Provokation entfaltete ihre Wirkung – eine ernsthafte Diskussion über die Vertretung der Juden in Deutschland ist jetzt entbrannt.“

Ach ja? Über das Niveau dieser brennenden Diskussion, die wir so nötig haben wie die „Sarrazin-Kontroverse“ oder den „Sloterdijk-Streit“, und über ihre Nutznießer, habe ich in meinem letzten Posting geschrieben. Nun hat sich auch Henryk in meinem Sinne geäußert und damit den redaktionellen Bullshit von der „ernsthaften Diskussion“ entlarvt.

In einem zweiseitigen Beitrag über sich selbst schreibt er im Spiegel:

„Zugleich scheint der Übergang zwischen echtem Leben und virtueller Welt immer einfacher zu werden. Die Linke nominiert für das Amt des Bundespräsidenten einen TV-Kommissar, der davon träumt, Banker eigenhändig zu verhaften. Schauspieler, die in Soaps Ärzte spielen, machen in Talkshows Vorschläge zur Optimierung der Gesundheitsreform. Der FDP-Veteran Rainer Brüderle traut sich zu, den Wirtschaftsminister zu geben. Da könnte auch Boris Becker Familienminister werden und ich – Präsident des Zentralrats der Juden“

Genau. Wobei die opportunistische Attacke auf Brüderle, um dem besserwisserischen Spiegel-Leser zu gefallen, typisch ist – der ausgewiesene Wirtschaftsfachmann gehört weiß Gott nicht in die Reihe Peter Sodann, Soap-Stars, Boris Becker, Henryk M. Broder. Eher fallen einem zur Ergänzung dieses Ruhmesreigens Oskar Lafontaine und Gregor Gysi ein, ebenfalls Selbstdarsteller, die immer bloß so tun, als könnten sie ein Amt ausfüllen, und die beide nach kurzer Zeit in der Verantwortung die Brocken hingeschmissen haben.

Was an Henryk seit einiger Zeit so peinlich ist – das ist die Tatsache, dass er sich zum Ausleben seiner Provokationssucht immer Objekte vorknöpft, die ihm nicht Paroli bieten können oder wollen – intellektuelle Fliegengewichte wie Frau Hecht-Galinksi; Leute, die ohnehin von der antisemitischen Meute verhasst sind wie Michel Friedman; oder Institutionen, die sich zu schade sind, sich mit ihm in der Gosse zu prügeln: das Zentrum für Antisemitismusforschung etwa oder eben den Zentralrat. „Pick on someone your own size“ hieß es in meinem britischen Internat, wenn sich etwa einer der pubertierenden Rüpel einen kleinen Jungen vornahm. Der Appell an die Mannesehre verfehlte selten ihre Wirkung.

Gut, das war England. Und dennoch möchte ich an Henryk appellieren: „Pick on someone your own size“; zum Beispiel deinen Arbeitgeber, den Spiegel. Was kann der schon machen, hat er dich nun ganz offiziell in einer Hausmitteilung zum „Meister der gezielten Provokation“ erklärt? Nichts kann er machen, du gehörst doch zum Inventar.

Wie du weißt, vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendeine anti-israelische Spitze in diesem „Nachrichten“-Magazin erscheint – just in jener Ausgabe, in der deine heldenhafte Provokation des Zentralrats gefeiert wurde, endete ein Artikel, in dem es um den von Israel vereitelten Versuch Syriens ging, einen Atomreaktor zu bauen, mit dem Hinweis, „viele radikale Israelis“ wollten einen Staat, der vom Euphrat bis zum Mittelmeer reicht. Will sagen: kann man es den Syrern verdenken, wenn sie sich wehren wollen?

Pick on someone your own size, Henryk. Man überlebt es. Schau mal:

http://www.kaidiekmann.de/friendly-fire/2009/11/04/

Und weil es so schön war, hier das Ganze noch einmal live:

http://www.welt.de/videos/debatte/article5070626/Broders-Bullshit.html#autoplay

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Alan Poseners Kolumne: Henryk M. Broders belangloser PR-Coup

October 29, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Es ist schon erstaunlich: Wenn man in Deutschland eine Stellungnahme zum Holocaust braucht, ruft man die Agentur Rent-a-Jew an und bekommt je nach politischer Präferenz einen Juden zugeteilt, obwohl der Holocaust die Juden nicht mehr angeht als die Arier; weniger sogar, denn das Klärungsbedürftige am Holocaust liegt nicht auf der Opfer-, sondern auf der Täterseite.

Wenn es aber um Henryk M. Broders Kandidatur für den Posten des Präsidenten des Zentralrats der Juden gibt, dann haben plötzlich alle Gojim selbst eine Meinung, obwohl der Zentralrat eigentlich nur die Juden etwas angeht.

Und diese Meinung lautet: Gut, dass der Kerl den Zentralrat aufmischt.
Das sollte einen stutzig machen.

Wenn der Zentralrat, wie Henryk meint, so ungefährlich und gestrig ist, warum sind alle Gojim so froh, dass Broder ihm zeigen will, wo der Hammer hängt?

Überhaupt: Warum tun alle so, als habe Henryks Kandidatur etwas zu tun mit einer Krise des Zentralrats, wo sie doch nur etwas zu tun hat mit einer Lebenskrise Henryk M. Broders?

Ich habe mit dem Zentralrat genauso wenig zu tun wie Henryk. Weniger, denn pro forma könnte er etwas damit zu tun haben, wenn er wollte, was er aber nicht will. Ich nicht.

Ich stelle nur eine Frage: Im Spiegel hat Henryk seine Selbsteinschätzung wiederholt, er sei der „Pausenclown“ der Deutschen. Das stimmt, und diese Rolle hat er sich hart erarbeitet.

Soll der Sprecher der Juden in Deutschland ein Clown sein? Wer könnte das wollen? Wem würde das nutzen? Außer Henryk, meine ich.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Earl Shugerman’s Corner: Life’s little pleasures in Israel

October 27, 2009

 Earl Shugerman brings every week a serie of stories about Anglo-Saxon immigrants to Israel. This project is aimed to promote a more realistic view of life in Israel.

Yesterday, a group of my Anglo friends and I were sitting at Lias Books sharing ideas about entertainment for the weekend. Israelis are avid readers and my favorite pastime is reading detective novels and attending book clubs. I am a particular fan of James Patterson.

Israelis also love movies. Haifa, my hometown has 22 theaters that show movies in most major languages and for all ages. Popcorn, hot dogs and cokes are usually available, but often at inflated prices. The ticket costs are comparable to those in America. Most movie theaters are located in malls, and allow the audiences to enjoy cafes, window shopping, and other mall amenities. Many cafes have outdoor terraces due to the balmy climate.

Cinema King: The Cinemall at Lev Hamifratz, Haifa boasts a spectacular 23 screens.

The Cinemall at Lev Hamifratz, Haifa boasts a spectacular 23 screens.

Very sadly, the revered American pastime of the Sunday afternoon drive is not part of Israeli entertainment. Driving in Israel is at best a rugged adventure. Israeli drivers are not known for their patience and in many parts of the country parking is a real nightmare. By contrast, the public transportation in the country is wonderful. In many places, bus and train services are readily available and inexpensive.

The entertainment of Haifa surely showcases a wide range of fascinating things you can do here, and in many cities in Israel. Among the large number of things to do in Haifa, you would probably first look for some eating joints in the city. Dining is one of the best forms of Haifa entertainment, with a large number of places offering everything from French, Italian, Chinese, Continental and the traditional Middle Eastern dishes. Located in some of the most convenient spots and serving delicious dishes, the popular restaurants in Haifa are surely a must try. The joy of international dining in Israel is enhanced by the number of nationalities and languages spoken by diners and staff in most houses of cuisine. One Saturday night, my American companion, Linda and I counted seven languages while dining at our favorite cafe. We strolled along the Haifa beachfront after dinner.

After a wholesome meal at the restaurants you can also check out the scintillating nightlife of Haifa. Wonderful ambiance and great music, combined with the liquor of your choice will surely give you an excuse to party the night away. Shopping in Haifa is great. You can buy fashionable clothes, hand-blown glass, silver, enamel, pottery and also gold jewelry. Entertainment in Haifa thus includes the major shopping zones of the city on Masada Streets and also the Panorama Center. Many American products are sold in major malls.

The theaters in Haifa are popularly endorsed by both indigenous folk and tourists. They showcase the best of the local culture and traditions. Thus the major places of interest in Haifa also include the performance halls like the Haifa Auditorium and the Haifa Municipal Theater. Other than live theater, they are also known for hosting dance recitals, musical performances, orchestra and many more.

For the family, entertainment in Haifa is not complete without Sports and Recreation. Full of fun and pleasure, the activities like tennis, bowling, basketball, skating, football, fencing, diving hiking, biking, swimming will provide you with a lot to indulge yourself in.

Israel is a small country about the size of New Jersey.  The three major cities of Tel Aviv, Jerusalem, and Haifa are relatively close. A road trip running north to south can embrace them all in an hour and one half. My friend Helen commented yesterday that; “it is still amazing to me that I can visit the holy sites in Jerusalem, take a short swim in the Sea of Galilee, and dine in Tel Aviv in the same day!”

Israelis watch more television and play more video games per- capita than any nation in the world. I am writing this article at the University of Haifa. My computer neighbors asked me to join them in a few hands of video poker! “This is my favorite pastime”, exclaimed David, a young American Oleh! “What about your work?”, I joked. He laughed in a good natured manner and drew a losing hand.

Welcome to modern Israel!

About the author: Earl Shugerman is a retired American Government public relations specialist,  currently spokesperson in Haifa for The Jewish Agency and a writer specializing in interfaith relations. He has worked together with the Catholic and Southern Baptist Movements, the Reformed Jewish Movement and Muslim groups in interfaith activities.


Frédéric Mitterrand: La «Mauvaise Vie», le mauvais choix

October 26, 2009

Tribune de Gabriel Lévy

Les 4 Vérités – 20 octobre 2009

Frédéric Mitterrand au ministère de la culture: encore un mauvais choix de notre président!  Peu d’entre nous en comprennent la raison. Quelle peut-elle être?

L’effet incantatoire lié au nom de Mitterrand? 

Les électeurs qui ont élu M. Sarkozy en 2007 ne gardaient nullement la nostalgie d’un ancien président socialiste…. Et s’il fallait afficher un grand nom du socialisme dans la composition de son ministère, il disposait dans sa propre majorité d’un député (M. Blum, député UMP des Bouches-du-Rhône). La personnalité politique qui portait ce nom avant lui figure, de façon non contestée, au panthéon socialiste en compagnie de Jaurès. Mais pourquoi cette idée saugrenue d’aller quérir ses «fruits» dans le dessous du panier de ses opposants? Pourquoi nommer tant de ministres qui n’ont jamais reçu l’onction du suffrage universel?

Le style de l’écrivain Frédéric Mitterrand?

Assurément non. La description des déambulations nocturnes de M. Mitterrand n’a pas la légèreté, l’humour, l’autodérision de celle de M. Roger Peyrefitte sur le Zappeion d’Athènes. Les remugles de «l’avant-scène et de l’arrière scène» (sic) de la prostitution masculine donnent la nausée.

Convenons-en, nous n’étions pas obligés de les lire; mais dès lors qu’il s’agit d’un ministre de la culture de la France, et que ses «bonnes feuilles» s’impriment sur nos quotidiens, nous y sommes contraints.

La stature du nouveau ministre?

En déclarant, pour tenter d’excuser sa défense outrancière de M. Polanski: «J’étais dans un moment d’émotion très, très fort», il n’a pas manqué de s’attirer cette remarque: «Lorsqu’on est ministre, peut-on réagir sur le coup de l’émotion?»

Le respect des lois françaises?

Le président, ci-devant ministre de l’intérieur, avait été l’auteur d’une loi relative à la prostitution, en créant un nouveau délit: «le fait, par tout moyen, y compris par une attitude même passive, de procéder au racolage d’autrui en vue de l’inciter à des relations sexuelles en échange d’une rémunération ou d’une promesse de rémunération est puni de 2 mois d’emprisonnement et de 3 750 euros d’amende». Un membre d’un cabinet ministériel en avait immédiatement fait les frais. Mais ce n’était pas en Thaïlande et il ne s’agissait de prostitution masculine…Dommage, il aurait été ministre.

Allez encore prétendre après cela que  «ce n’est pas le titre qui honore  l’homme, mais l’homme qui honore le titre» (Machiavel).


Alan Posener’s Column: The Open Society and its Trends

October 23, 2009

by Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Something’s going on in Europe, and I don’t like it.

There’s the future German Foreign Minister Guido Westerwelle’s refusal to even listen to the question of a BBC correspondent, unless it’s put to him in German:

There’s the BBC giving the British National Party’s Nick Griffin a nationwide TV platform for his racist and anti-Semitic views.

And there’s people not only defending German Central Banker Thilo Sarrazin’s right to make racist comments, but denying that they are racist and demanding a muzzle for people who dare to say they are racist.

You only have to look at the comments on Youtube and elsewhere to realize what it is that is going on here: the political and chattering classes have abandoned the rules governing their chatter; nationalism, racism and intolerance in general are being allowed back into polite society after spending the past 40 years out in the cold.

Political correctness – that great civilizer – is dead. Multiculturalism is under siege. And the ban on anti-Semitism – which the Catholic Church has already lifted by welcoming back the anti-Semitic Pius Brotherhood into its ranks – will soon be as worthless as the paper on which Sir Karl Popper’s great book on the Open Society was written.

I mention Karl Popper, because in the age of Totalitarianism he confronted a vexing question of democracy head-on: was the open society bound by its own philosophical, legal and political parameters to tolerate the propaganda of its enemies?

Popper said no: there was no reason to tolerate intolerance; no reason to grant freedom to the enemies of freedom; there should be no openness towards the enemies of openness. People who want one man, one vote one time should not – as they were in Gaza – be allowed to contest elections. Democracy is more important than freedom; more important than truth; more important than justice – or any one of the multitude of ideas, concepts, slogans and ideals in whose name one could (and people have tried to) suspend democracy.

It’s always the enemies of tolerance who chafe at this seeming intolerance of democracy. One shouldn’t let oneself be fooled. People say, “If you stop people from saying what Sarrazin said, you are denying 80 percent of the population a voice.”

Well, if 80 percent of the population are racist, which I don’t believe for a moment, but I’m saying if, then fuck them and there’s all the more reason to keep a tight lid on what is said by public figures, isn’t there?

Popper didn’t call his book “The Majority Rules”, he called it “The Open Society”. Even 99 percent of the population don’t have the right to dismantle the open society and replace it with a society in which privileges are awarded or denied according to race, religion, creed, gender, sexual orientation or social background.

That’s what Europe has been about this past half-century. Let’s keep it that way.


Earl Shugerman’s Corner: Hannah’s Aliyah to Israel

October 18, 2009

Earl Shugerman brings every week a serie of stories about Anglo-Saxon immigrants to Israel. This project is aimed to promote a more realistic view of life in Israel.

Aliyah is the word that describes the return of the Jewish People from the exile in the Diaspora back to the Land of Israel. The word Aliyah is derived from the verb “laalot” which means “to go up”, or “to ascend” in a positive spiritual sense. A person who makes Aliyah is called an Oleh, meaning “one who goes up”. Making Aliyah heralds a new dawn. People redefine their aspirations and focus on a positive future. Finding a meaningful and loving relationship is an inherent feature of Israeli culture. As Hannah discovered, help was close at hand.

When I came to Haifa for a family Seder in 2006, I decided I could retire here.  I had wanted to retire for some time but didn’t know where.  I had lived in Massachusetts for 28 years but couldn’t imagine spending my winters there as a retiree.  When I got to Haifa, a very big light bulb came on!

I had a very good life in the States but there was one goal I hadn’t been able to reach.  I wanted to meet a kind, intelligent, sexy, fun Jewish male around my age and for years I put this goal on my “top goals list” but never reached it.

When I got to Haifa, one of the first things I did was to attend services at Or Hadash, a reform synagogue in my neighbourhood.  I met a very kind Israeli woman called Pnina there and she made me feel very welcome and introduced me to many members of the congregation. I immediately felt very comfortable and “at home” and Or Hadash became my shul.

One day Pnina and I were looking over at the male congregation and every man I asked about was married. She asked me if I wanted to meet someone and I said yes.  She arranged for me to meet the father of one of her friends – an Australian widower, a year older than me. We had a blind date and continued seeing each other on an irregular basis. After seven months of getting to know each other, we began a more serious relationship and now, just over a year later, we are very happy doing many things together. He has introduced me to his children and grandchildren and has met my mother, sister, brother-in-law and various friends. In October we are planning to travel to Australia together to welcome his son’s first child there.

I was already enjoying my Aliyah here and meeting Shmuel was the “icing on the cake.” 


Alan Poseners Kolumne: Weg mit dem Gesundheitsfonds!

October 16, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Vorneweg, ceterum censeo:

www.welt.de/videos/debatte/article4835598/Sarrazins-Rassismus-bleibt-Bullshit.html

Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um einen Telefonanruf.

Eine junge Frau ruft bei ihrer Frauenärztin an. Sie braucht einen Termin. Die Sprechstundenhilfe, nach einigem Hin und Her, im leicht genervten Ton: „Also, ich kann Ihnen frühestens am 2. Dezember einen Termin anbieten.“ Also in SECHS WOCHEN. Die junge Frau sagt zu, die Sprechstundenhilfe klickt ein bisschen in ihrem Computer herum, und plötzlich ertönt Warteschleifenmusik. Die junge Frau wartet. Dann ist eine völlig umgewandelte Sprechstundenhilfe dran: „Aber Frau P., Sie haben ja gar nicht gesagt, dass Sie Privatpatientin sind! Da hätten wir einen Termin für Sie, am 21.“ „November?“ „Wo denken Sie hin? Oktober!“ Also in EINER WOCHE.

Man hört immer, besonders von SPD-Seite, es gehe darum, „eine Zweiklassenmedizin in Deutschland zu verhindern“. Hallo? Wir haben längst eine Zweiklassenmedizin.

Und es geht nicht nur darum, dass eine Kassenpatientin sechs Wochen, eine Privatpatientin eine Woche auf einen Termin warten muss, obwohl das schlimm genug ist und in manchen Fällen den Unterschied zwischen einer gerade noch rechtzeitig erkannten und einer zu spät erkannten Krankheit bedeuten kann. Die praktizierte Medizin ist auch verschieden für Ober- und Untermenschen.

Ein Beispiel: Meine Frau ist als Beamtin privat versichert; ich bin als Angestellter freiwillig in der gesetzlichen (ich weiß… selber schuld… lange Geschichte.). Zufällig hatten wir in der letzten Zeit kurz hintereinander die gleichen Beschwerden entwickelt (das Phänomen nennt man bei langjährigen Ehepaaren oder Hundehaltern Anähnelung), und darum empfahl mir meine Frau auch ihren Orthopäden, der tatsächlich auch exakt die gleiche Diagnose stellte. Freilich war die Therapie völlig verschieden, was die verschriebenen Medikamente, Schmerz- und Hilfsmittel betrifft. Und zwar schlicht und einfach derart, dass ich weniger oder nichts bekam.

Vielleicht gibt es Ärzte, die keinen Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatienten machen; aber man darf annehmen, dass das die Ausnahmen sind. Die Dummen.

Noch einmal: wir haben längst eine Zweiklassenmedizin. Man kann sagen: das ist nun einmal so; alles, was über die Basisversorgung hinausgeht, muss eben privat versichert sein, und das können dann eben nur die Besserverdienenden – und dann ist jeder Besserverdienende, der wie ich in der gesetzlichen Versicherung bleibt, eben dumm.

Man kann leugnen, dass das so ist, wie die meisten Parteien, die Ärzteorganisationen und Versicherungen, die behaupten, es gehe ihnen darum, für jeden Patienten eine optimale Versorgung sicherzustellen. Wer ihnen glaubt, ist selber schuld.

Man kann wie in Großbritannien das System verstaatlichen, so dass es alle gleich schlecht haben – mit  Ausnahme der ganz Reichen, die sich in Abu Dhabi behandeln lassen, wohin auch die guten Ärzte auswandern.

Oder man kann eine private Gesundheitsfürsorge für alle einführen, mit kostendeckenden Beiträgen einerseits und Versicherungszwang andererseits – und die wirklich Bedürftigen, sagen wir Arbeitslose und Rentner, durch Zuschüsse staatlicherseits instand setzen, ihre Beiträge zu zahlen. Ich befürworte den letzten Vorschlag.

Und deshalb: Weg mit dem Gesundheitsfonds und der Einteilung von Menschen in Patienten erster und zweiter Klasse. Telefongespräche wie das eingangs geschilderte sollten so schnell wie möglich der Vergangenheit angehören. 

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


How We Can Win in Afghanistan

October 14, 2009

 

U.S. Soldiers with the 101st Division Special Troops Battalion, 101st Airborne Division watch as two Chinook helicopters fly in to take them back to Bagram Airfield, Afghanistan, November 4, 2008.

U.S. Soldiers with the 101st Division Special Troops Battalion, 101st Airborne Division watch as two Chinook helicopters fly in to take them back to Bagram Airfield, Afghanistan, November 4, 2008.

 

The most pressing issue on the U.S. president’s agenda today is whether he will commit more troops to Afghanistan – the “good war.”

In an article published in the November issue of Commentary Magazine, military historian Max Boot brings all his expertise to bear on explaining how the U.S. can win in that Taliban-plagued country.

But first we have to win the battle at home – the battle to convince Barack Obama to learn the right lessons from history and to heed the wise counsel of his own general, Stanley A. McChrystal.

Read full story.


Alan Poseners Kolumne: Benedikts Kreuzzug – Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft

October 13, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Konservative sind stolz darauf, die besseren Menschen zu sein. Andere mögen bessere Ideen haben; sie mögen moralisch anspruchsvoller sein (dann werden sie von den Konservativen verächtlich „Gutmenschen“ genannt), aber weil der Konservative seinen privaten Anstand über die Ideen der Menschheitsbeglücker stellt, ist er am Ende eben der wahre Gutmensch.

In den letzten Tagen hatte ich zwei Mal die Möglichkeit, dieses konservative Selbstbild zu überprüfen. Zwei Konservative, mit denen ich bekannt, ja beinahe befreundet bin, haben mein Buch über Benedikt XVI besprochen: der katholische Arzt, Psychiater und Theologe Dr. Manfred Lütz, und der CDU-nahe Publizist Dr. Alexander Gauland.

Hier sind die Besprechungen:

Dr. Manfred Lütz, Frankfurter Rundschau, 12.10.2009

Dr. Alexander Gauland, Deutschlandradio Kultur, 04.10.2009

Niemand hat sie gezwungen, das Buch zu besprechen – sie wurden von den Redaktionen darum gebeten, und auch Konservative sind nur Menschen. Beiden war ein wenig unwohl bei der Sache. Das weiß ich, weil der eine mich vorher angerufen hat, ums sich sozusagen von vornherein Absolution erteilen zu lassen für den beabsichtigten Verriss; der zweite rief mich danach an und fragte als erstes: „Na, reden Sie überhaupt noch mit mir?“ Beiden war natürlich klar, dass ich die Absolution erteilen würde, dass ich nicht vorhabe, öffentlich ausgetragene Meinungsverschiedenheiten persönlich zu nehmen. Ich heiße ja nicht Henryk M. Broder oder Ingo Langner.

Ich bin meinen konservativen Freunden schon deshalb nicht böse, weil ich von dem Grundsatz des großen Sam Goldwyn überzeugt bin: „There is no such thing as bad publicity.“ Jedenfalls hat mein Buch bei Amazon.de einen Sprung gemacht, der vielleicht auch auf die Intervention der beiden zurückzuführen ist. Ein weiterer Grund ist: ich bin eben ein netter Mensch.

Wie gesagt, ich bin nicht böse über böse Kritiken; verstört bin ich darüber, dass beide Kritiker es nötig fanden, ad hominem zu argumentieren, also ein Mittel zu verwenden, das sie selbst zu verabscheuen vorgeben, und das nach konservativem Selbstverständnis auch nicht statthaft ist. Nein, Quatsch, ich bin nicht verstört; denn ich habe selten erlebt, dass sich Konservative an ihre eigenen Grundsätze gehalten hätten. Die größten Vertreter von Familienwerten sind notorische Ehebrecher, die größten Schwulenfeinde sind heimliche Schwule, und so könnte man den Katalog konservativer Werte durchdeklinieren, einschließlich des Faktums, dass die drei größten „Konservativen“ der Nachkriegszeit – Adenauer, Reagan und Thatcher – ja nicht konservativ waren, sondern revolutionär. Was mich mit ihnen versöhnt. Aber nun zu unseren Autoren.

Beide müssen mich unbedingt als eifernden Konvertiten hinstellen: Lütz stellt mich als „Jünger“ Richard Dawkins’ hin, als hätte ich Dawkins’ „Gotteswahn“ gebraucht, um Atheist zu werden; Gauland kommt „leider nicht umhin, auf die linksradikale Vergangenheit des Autors hinzuweisen“, die er zwar überwunden habe, aber „wie so oft bei großen Konversionen“ leider „im Sinne des leidenschaftlichen Umarmens von Kapitalismus, Liberalismus, Demokratie und Marktwirtschaft“. Diese seien dessen „neue Götter“.

Man erkennt die Absicht und ist verstimmt: Atheist zu sein, und gar Dawkins zu mögen, gilt in Deutschland – anders als in England, wo es sogar innerhalb der Staatskirche eine agnostische Tradition gibt, und wo Dawkins zu den angesehensten Professoren der Universität Oxford gehört – immer noch als irgendwie anrüchig. Ein „Jünger“ ist jemand, der nicht selbst denkt. Kapitalismus, Liberalismus, Demokratie und Marktwirtschaft zu „umarmen“, ist fast noch schlimmer als Atheist und Darwinist zu sein, und eine „linksradikale Vergangenheit“ – in England Ausweis selbstständigen Denkens, siehe Orwell, Koestler, Berlin, Popper usw. usf. – gilt hier als Beweis von Charakterschwäche und macht einen des Achtundsechzigerturms verdächtig. Nein, man sollte möglichst immer in der Jungen Union gewesen sein, immer irgendwie an den christlichen Gott geglaubt haben, immer irgendwie skeptisch gegenüber „Kapitalismus, Liberalismus, Demokratie und Marktwirtschaft“ gewesen sein (aber nicht linksradikal, gell): sonst ist man irgendwie nicht ganz koscher.

Womit ich bei Alexander Gauland bin, dessen Text mich mehr geärgert hat als jener von Manfred Lütz. Dass mich Gauland mit Heine und Harden vergleich, schmeichelt natürlich. Ist es aber Zufall, dass diese beiden Juden sind? Der Artikel ist illustriert mit einem Bild, auf dem Papst Benedikt XVI dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres die Hand gibt: Was, bitte sehr, hat das mit meinem Buch zu tun? Es sei denn, man will „dem Juden“ Posener zeigen, dass auch „sein“ Staatspräsident dem Papst wohl gesonnen sei. Nun gut, vermutlich hat Alexander Gauland mit der Illustration nichts zu tun; das war die Redaktion von DeutschlandRadio Kultur. Die jedenfalls auch den Eindruck bekommen haben muss, hier ginge es darum, den deutschen Papst gegen einen jüdischen Angriff zu verteidigen. Und dann: Alexander Gauland und ich kennen uns lange genug, um wenigstens unsere Namen richtig schreiben zu können; er schreibt aber durchweg „Posner“. Immerhin steht „Posener“ auf dem Buchdeckel. Wie genau hat er also gelesen, bevor er seinem Zorn freien Lauf ließ?

Nichts für Ungut. Mit Manfred Lütz bin ich auf der Buchmesse zum Kaffee verabredet; mit Alexander Gauland werde ich sicher bald wieder in der Potsdamer „Ratswaage“ essen gehen. Die andere Wange, nicht wahr. Christen halten sie selten hin, Nichtchristen dafür umso öfter. Und meine Kritik an Benedikt war konservativer – im Sinne des konservativen Anspruchs, anständig zu sein – als diese konservative Kritik jener Kritik.

Link: Der anmaßende Papst, von Alan Posener, Frankfurter Rundschau, 15.10.2009

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Earl Shugerman’s Corner: Hatzor

September 30, 2009

Earl Shugerman brings every week a serie of stories about Anglo-Saxon immigrants to Israel. This project is aimed to promote a more realistic view of life in Israel.

Forty years ago, I was a communications student at the University of New Mexico. The year was 1968 and like many youth of my era, I sought something rewarding and exciting to do with my life. I still had two years of studies to finish, but was unsure of my goals for the future. I volunteered to do a six month work/study program at a kibbutz in southern Israel, named Hatzor. The purpose of such programs was to promote Aliyah to Israel. Participants split the day evenly between work at the Kibbutz and Hebrew study in an Ulpan.

I soon discovered that sitting in a classroom was unsuitable. Conversely, my job as assistant Kibbutz caretaker was a perfect match. I delivered supplies throughout the settlement, did the gardening, collected the garbage, and did general maintenance. My supervisor, Shmuel, was a forty+ American born Kibbutznik. Shmuel was a short thin fellow with a moustache, slight limp, and ever-cheerful smile. Shmuel was very friendly but said little about himself. He mentioned that he had come to Israel in 1948 from New York as a volunteer, was married, and had a teenage son. He had studied journalism in New York and limped as the result as a car accident in “The Big Apple”.

My six months at the Kibbutz went quickly. I did not acquire a lot of Hebrew; nonetheless, I made many wonderful friends and learned to be a pretty fair maintenance man. The Kibbutz members were the most wonderful people. Many were survivors of the Holocaust. A number came as volunteers in 1948, primarily from The United States. At my “Going Away” party, I was stunned to learn that Shmuel and several of the other Kibbutz members were crew and passengers on the famous immigrant ship “The Exodus”. They had braved the British embargo. Some were interred in British prisons. For the first decade in Israel, they lived in treehouses and tents. The situation was further compounded by conflict with the Arab legions during the struggle for a Jewish homeland. Some of their comrades had died, or suffered serious wounds during their fight for freedom. Yet, they were warm, humble, and generous souls. Many of the volunteers had been members of Mahal.

The Mahalniks were mostly World War II veterans from American and British armed forces. Allied armies were reduced considerably after the end of the war and many soldiers were demobilised; moreover, the service experience became mundane and did not resonate with some servicemen, particularly pilots. In various circumstances they were invited, or heard of the Jewish state’s struggle for independence and enlisted. There were Jews and Christians, both ideological supporters of Zionism and mercenaries.

The Ha’apala movement, also called “Aliyah Bet”, which attempted to evade the 1939 and 1948 British Naval blockade restricting Jewish immigration to Palestine, was assisted by 236 Mahal former servicemen of the Allied Navies as crews of ten clandestine Jewish refugee ships, out of sixty-six participating vessels.

The 1948 Arab-Israeli War saw approximately 3,500 foreign volunteers from forty-three countries among the Jewish forces, out of an estimated 29,677–108,300 total (its size grew considerably in later stages of the war owing to immigration into Palestine). A total of 119 Mahalniks were killed in battle.

One of the most senior Mahal personnel was Mickey Marcus, a Jewish United States Army colonel who assisted Israeli forces during the war and became Israel’s first Brigadier General. Marcus’s wartime experience was vital in breaking the 1948 Siege of Jerusalem.

As we commence The Jewish New Year, I want to remind the world of these unsung heroes who did so much to build this wonderful nation.

A New Year postcard depicts the illustrious Exodus

A New Year postcard depicts the illustrious Exodus


Alan Poseners Kolumne: Der Untergang der doitschen Sozialdemokratie

September 30, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Unter den vielen Wrackteilen, die der Untergang des Tankers SPD an die Oberfläche spült, fand ich folgende Bemerkung von Wolfgang Thierse interessant: „Wir sind keine Wendehälse“, sagte er nach der Wahl des Verlierers Steinmeier zum vorläufigen Fraktionsvorsitzenden, „die heute ‚Hosianna!’ rufen und morgen ‚Kreuziget ihn!’“

Thierse spielt auf das Evangelium des Johannes an, dem zufolge (Joh. 12,12-19) „die Volksmenge“ Jesus von Nazareth beim Einzug in Jerusalem mit dem ruf „Hosanna!“ begrüßt hätten, und auf das Evangelium des Matthäus (Mat. 27,11-26), demzufolge „das Volk“, „die Menge“, das „ganze Volk“ wenige Tage später vom römischen Statthalter forderte: „Ans Kreuz mit ihm!“ Es folgt bei Matthäus jene berüchtigte Stelle, in der „das ganze Volk“ ruft: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Was sich die Christen nicht zweimal sagen ließen, sooft sie die Gelegenheit dazu hatten.

Nur nebenbei sei erwähnt, dass – vermutlich wahrheitsgemäß – bei Markus, Matthäus und Lukas durchscheint, nur die Jünger beim Einzug Jesu in Jerusalem „Hosianna!“ gerufen haben (vgl. Mat. 19,28-40); und dass die Geschichte von Pilatus, der seine Hände in Unschuld wächst, während die blutdürstigen Juden nach dem Tod des Messias rufen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit apokryph ist, eine Anbiederung der frühen Christen an die Besatzungsmacht, die den Wanderprediger aus dem Hause David hingerichtet haben, weil er den Anspruch erhob, „König der Juden“ zu sein. So schrieben sie es ja ans Kreuz, und es blieb den Christen vorbehalten, diesen Sachverhalt umzudeuten und zu behaupten, die Römer hätten den „Hohenpriestern“ die Drecksarbeit abgenommen, die Jesus wegen Blasphemie hingerichtet haben wollten.

Dass die jüdischen religiösen Autoritäten keine Probleme damit hatten, dieses dreckige und barbarische Geschäft selbst vollziehen zu lassen, zeigt sich an der Steinigung des Stephanus (Apostelgeschichte 7,54-8,1a), bei der ein gewisser Rabbiner namens Saul aus Tarsus teilnahm, und an der Hinrichtung von Jakobus, des Bruders Jesu, einige Jahrzehnte später, von dem uns Josephus Flavius berichtet.

Nun gut, aber was sagt der Katholik Wolfgang Thierse? 1943 geboren als Sohn eines Rechtsanwalts („Rechts“anwalts, sollte man zu allen sagen, die in jener Zeit „Recht“ sprachen), sagt der Mann, der als Literaturwissenschaftler in der DDR tätig war (Literatur„wissenschaftler“): wir SPDler sind nicht wie „die Juden“. Wir praktizieren doitsche Treue.

Dass in einem Volk, das 1933 dem Führer zujubelte und 1945 plötzlich entdeckte, das es immer schon antifaschistisch war, oder das am 1. Mai 40 Jahre lang brav mitjubelte, um dann 1989 zu entdecken, dass es immer schon antikommunistisch war (aber nach wie vor gern die SED wählt) – dass ausgerechnet in einem solchen Volk ein Politiker zur Illustration von Prinzipienlosigkeit, Verrat und Blindheit auf die Juden zurückgreifen muss, wäre ein Skandal, wenn es nicht das Erwartbare wäre.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Alan Posener’s Column: German Election Blues – and Reds, Greens, and Yellows

September 24, 2009

by Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

With the German election drawing near, commentators have turned from castigating the politicians for the alleged lack of alternatives they present (bullshit, actually), to a more general wail of despair about an alleged crisis of democracy itself, as represented by the growth in the number of non-voters.

In the last election, we are told, non-voters were a bigger group than those who voted for Angela Merkel, and polls seem to indicate that the number of non-voters will be even higher this time around. Crisis! Bullshit again.

The point about democracy isn’t that everyone goes to vote. That’s what happens in dictatorships. The point about democracy is that I’m free to vote or not as I see fit. So if people don’t go to vote, that’s a sign that democracy is working.

The point about democracy isn’t that voting produces good governments. That’s patently not the case. The point about that democracy is that really bad governments can be voted out. (Good governments can be voted out, too.) Karl Popper once compared the democratic procedure to the procedure by which a scientific theory is defined. If a theory is scientific precisely because it can be falsified (J.B.S. Haldane’s famous “Precambrian rabbits” that would falsify Darwin’s theory of evolution), a government is democratic if it can be falsified – i.e. discarded – by the voters. If the voters choose not to – either by voting for the government or by not voting, i.e. not voting against it: well, that’s the way the democratic cookie crumbles.

As I said above, I don’t think the German election is boring at all. We have a clear choice: between Angela Merkel plus Walter Steinmeier and a continuation of the high-tax / high-spending CDU/CSU/SPD coalition, and Angela Merkel plus Guido Westerwelle and a CDU/CSU/FDP coalition dedicated to boosting growth through lower taxes. As a taxpayer, I know where I’m going to make my cross. It isn’t rocket science.

Ousting the Social Democrats from power will probably result in a putsch by the Left within the SPD, which will eventually lead to some form of rapprochement between the SPD and the “Linke”. This in turn will mean that in 2013 at the latest, probably much sooner, say 2011, a left-wing coalition will challenge Merkel’s right-of-centre government, and things will get really exciting again: How will the Greens react? Will they choose “Jamaica” in order to keep the extreme left out of power, or will they try to tame the left by joining a “Red-Red-Green” government?

And what will the electorate say? One good guess is: they won’t be staying at home.


American Jewish Committee’s Letter in NY Times on Goldstone Report

September 18, 2009

newyorktimes

Israel and Gaza: Which Standards Apply?

by Richard Sideman
President, American Jewish Committee
New York, September 18, 2009

To the Editor:
Re “Justice in Gaza” (Op-Ed, Sept. 17):

Richard Goldstone displays the same disregard for Israel and naivety regarding Hamas that permeates the report he wrote for the United Nations Human Rights Council.

Since its inception in 2006, the council has consistently demonized Israel while giving a free pass to some of the world’s worst tyrants, from Sudan to Iran. Mr. Goldstone largely neglects what prompted Israel to act militarily against Hamas.

Let’s be clear for historical accuracy. Israel’s military operation came after eight years of relentless rocket attacks from Gaza on Israeli towns and villages. Indeed, thousands of rockets were launched after Israel transferred the entire Gaza Strip to the Palestinians four years ago.

While the United Nations made no effort to stop the Palestinian rockets, Israel showed remarkable restraint over the years until it could not hold back anymore.

More disturbing, the Goldstone report has set a new standard for equating the behavior of democratic nations and terrorists.

He makes no moral distinction between Israel, a United Nations member state, and Hamas, a terrorist organization that violently seized control of Gaza two years ago from the Palestinian Authority.

The implications of this moral equivalency go beyond the Israeli-Palestinian conflict. In fact, they undermine the United States and other democracies facing asymmetrical warfare from adversaries who care little for international norms of war and international humanitarian law.

In sum, Mr. Goldstone’s conclusions are a disservice to the credibility of the United Nations itself.


Alan Poseners Kolumne: Freiheit, die ich meine

September 18, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Liberale gibt es in Deutschland nicht. Liberale würden nach dem Mord in Solln und dem Amoklauf in Ansbach darauf hinweisen, dass Deutschland eines der sichersten Länder der Welt ist und dass deutsche Jugendliche in ihrer übergroßen Mehrheit gut gesittete, höfliche, fleißige, oft beängstigend liebe Leute sind.

Nur kommt eben auch im sichersten Land der Welt gelegentlich eine solche Scheußlichkeit vor wie in Solln; nur gibt es eben auf 999 angepasste Jugendliche einen, der durchdreht. Stattdessen heißt es landauf, landab. Wie konnte das passieren? Wer ist schuld? Wie kann man das künftig verhindern? Was müssen wir verbieten, gebieten, bestrafen, präventieren?

Es klingt zynisch, wenn man angesichts solcher Tragödien „Shit happens“ sagt, aber ich bleibe dabei. Shit happens. Jetzt ist aber wieder einmal die Stunde der Illiberalen von links und rechts, die nicht zugeben wollen, dass wir nicht allmächtig sind, dass wir nicht ein für alle Male verhindern können, dass sich Menschen böse verhalten. Mehr Jugendarbeit, fordern die einen; härtere Strafen fordern die anderen, und so schaukeln sie sich hoch, obwohl doch klar ist, dass allenfalls ein totalitärer Staat mit flächendeckender Betreuung, Bespitzelung und  Bewachung hoffen könnte, den gelegentlichen Ausbruch des Bösen zu verhindern. Dass also nur das totale, kollektive Böse das gelegentliche, individuelle Böse verschwinden machen kann.

Sicher ist es sinnvoll, darüber zu diskutieren, ob es mehr Kameras im öffentlichen Raum, mehr Sicherheitskräfte in den Bussen und Bahnen, mehr Prävention einerseits und andererseits auch konsequentere Ahndung von Straftaten geben soll. Aber nur, wenn man bereit ist, zuzugeben, dass auch diese Maßnahmen nicht verhindern werden, dass es gewalttätige Jugendgangs, dass es Verbrecher, dass es Ausgetickte geben wird. Wie die totale Entwaffnung der Bevölkerung aussehen müsste, sehen wir jedes Mal, wenn wir fliegen. Machbar ist das also. Wollen wir das?

Das Paradoxon ist nirgendwo besser analysiert worden als in Anthony Burgess’ Roman „A Clockwork Orange“. Dort zwar unter der Begrifflichkeit von Schuld, Verantwortung und Sühne: Burgess war ein bekennender, wenn auch gequälter Katholik; aber hinter diesen Begriffen steht die Freiheit, die immer auch die Freiheit zum Bösen ist.

Das Erstaunliche ist aber, wie selten in der Praxis der Mensch das Böse wählt, wie oft das Gute. Auf dieser Erfahrung beruht der Liberalismus.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Guest Editorial by Rabbi Benjamin Blech: Frank Capra’s It’s a Wonderful Life – The film’s powerful Rosh Hashana message

September 13, 2009

by Rabbi Benjamin Blech

It’s a wonderful life.

At least that’s what a movie by that title, considered a classic of American cinema, wants us to believe. George Bailey, the hero of the film powerfully acted by James Stewart, finally decides upon suicide as his only recourse to solve his financial problems. Because he has a $15,000 life insurance policy he feels he’s worth more dead than alive. Acting on his desire to help his family he’s ready to jump off a bridge when the angel Clarence intercedes not only to save his life but to make him realize that it is really worth living.

The way the angel accomplishes this incredible transformation from a man anxiously seeking his own annihilation to a person perceiving the true value of his existence and the ultimate meaning of his life contains a powerful Rosh Hashana message.

How should we fulfill our obligation to better ourselves as we reach the 10 days of repentance on the Hebrew calendar? Many of us emphasize focusing on our sinfulness. It is a time to seek out our flaws, to seriously consider our failings. And of course that must be part of our personal stock taking.

First become aware of the positives in your life.

But that cannot be the whole story. If we spend our time only in self-condemnation we stand in danger of losing sight of the ways in which we have been successful. If we stress only the ways we’ve gone wrong we won’t ever be able to notice our accomplishments. We need to first become aware of the positives in our lives.

This point explains the sequence of the days book-ending our spiritual journey from Rosh Hashana to Yom Kippur. On Yom Kippur we fast. We beat our breasts in confession of all of our sins. We cry out to God, “Who are we? What is our lives? We come from the dust of the earth and we return to the dust of the earth.” It is a recognition of how much we have failed, how far we have come from reaching our fullest potential. Yom Kippur is a necessary restraint to our egos. Before we can feel fully reconciled with God it is essential for us to demonstrate our understanding of our imperfection.

But it is not Yom Kippur that begins the process of our purification. The 10 days of repentance start with Rosh Hashana for good reason. Rosh Hashana doesn’t mark the first day of creation, but rather the last — the day on which the first human beings were created. Just as a host fully prepares for his guests before they enter his home, so too, the Midrash explains, God filled the earth on the first five days of creation with everything people might need before He brought them into being. Adam and Eve were created on the sixth day to endow them with a sense of their uniqueness and spiritual stature. It is we who were created in the image of God. Realizing this is a necessary prelude to leading a life worthy of our divine origin and our sacred nobility.

So on Rosh Hashana we begin getting closer to God by reminding ourselves that we are Godly, that we have a pure soul. On Yom Kippur we conclude the journey by acknowledging that we have not yet achieved all that of which we are capable.

Rosh Hashana asks us to remember how much we are worth to God, to our families, to our friends, and to the world. We feast as an expression of the joy we find in our life. And that understanding must precede the Yom Kippur emphasis on our failings that prompt us to fast and to cry over our imperfections.

To lead our lives only from a Yom Kippur perspective is to insure discontent and despondency. To be overwhelmed by a constant feeling that we are failures is to invite the pernicious desire to end it all. Why bother going on if we can never do anything right, why continue the struggle if we are doomed to always losing the battle? Suicide is the response chosen by those weighed down by a devastating sense that they accomplished nothing in their lives. It goes against God who as the ultimate giver of life decided that we still have a positive role to play here on earth.

In the film, after suffering a financial setback of $8,000 that puts his small saving and loans bank at risk, George feels his life is worthless. Despite the serious consequences this entails, if George would have framed his life as a balance sheet of accumulated good versus the mistakes and bad things he has done, he would have been able to put events in a more balanced perspective and not judge himself so harshly.

In the cosmic balance sheet of one’s life, sin does not wipe out the positive gains.

In business, your losses can wipe out your balance sheet. But in the cosmic balance sheet of one’s life, sin does not wipe out the positive gains. You are not your business or profession.

When George bitterly wept that he wished he would never have been born, Clarence, with his angelic power, showed him what the world would have been like if his wish really came true. He showed him his life’s balance sheet. George never realized how many people he had affected during his lifetime. He had no idea how different his community, his family, his friends, his neighbors, and indeed the world would have looked had he never been on earth.

When George comes to realize how many lives he has touched and how much of an impact he has had on so many others, he can at last acknowledge the truth of his brother’s toast that he is “the richest man in town.”

There are countless “Georges” among us. There are all too many who deserve to be recognized as successes when we consider the ripple effects of their deeds translated into the achievements of others. And perhaps most relevant of all, in the time of our own introspection, as we feel ourselves burdened by the sins of our failures, we ought to make room for the contentment and peace of mind that comes from knowing that God also weighs the good we inspire in all those around us.

Perhaps the most powerful irony associated with “It’s a Wonderful Life,” is the message implicit in its reception when it was released in 1946. The movie was a box office failure leading critics to say that Frank Capra, producer and director, was past his prime and no longer capable of producing a major motion picture. What an incredibly mistaken evaluation for a film that today is ranked by the American film industry as one of the top 10 classic movies in its genre ever made. What appeared at first glance to have been a failure is in retrospect one of the most outstanding successes. Isn’t that the whole point of the film itself?

As we reflect upon the meaning of our earthly existence before the High Holy days, keep in mind that sometimes it takes years for the beauty of our own lives and its significance to be fully recognized.

***

About the author: Rabbi Benjamin Blech,  is the author of 12 highly acclaimed books, including Understanding Judaism: The basics of Deed and Creed. He is a professor of Talmud at Yeshiva University and the Rabbi Emeritus of Young Israel of Oceanside (California) which he served for 37 years and from which he retired to pursue his interests in writing and lecturing around the globe. He is also the author of If God Is Good, Why Is The World So Bad?

Reprinted with kindly permission of Aish HaTorah International.


Earl Shugerman’s Corner: Unsung Heroes of Israel

September 12, 2009

Earl Shugerman brings every week a serie of stories about Anglo-Saxon immigrants to Israel. This project is aimed to promote a more realistic view of life in Israel.

In western society, people tend to regale in the exploits of illustrious forebears. In a recent survey, Winston Churchill was identified as the most famous Briton. William Shakespeare finished a close second.

During its brief history, Israel has embraced people with a modest perspective. They contribute to the welfare of the state as a whole. To them, fame and avarice are entirely secondary. Israel’s existence has been the enduring hope of a long and painful exile.

The following is a précis of everyday folk, who put the country first and foremost.

Bobbi and Gershon Lichtenberg made Aliyah from the affluent surroundings of the USA. After nine months, Gershon opined:

Are there challenges in our daily lives? Absolutely. One thing that I read before Aliyah said that the mistake that the author had made was to expect to bring a mid-western (Chicago) lifestyle to Israel. We did not expect that. We were ready for change and challenge, to live an economically conservative lifestyle, not a middle class one, and to expand our lifestyle only if our economics and desires allowed. As my wife said before we made Aliyah, “We still live like hippies.” Could we have more? Yes, but we are also cautioned by the old joke, How do you get a small fortune in Israel? Come with a large one.

To us it is important to be contributors to the state of Israel, not just a drain on the support system. We want to work and pay in to the tax system. This is our way of handling things. If we were a little older and living on retirement funds, our contribution would occur every time we bought something in a store, paid Arnona (property tax paid even by renters), or took a bus or cab. Doing volunteer work if we did not have jobs would be another way to contribute. There are many opportunities to do more than just sit or sightsee.

So what is our life like here? I work as an echo cardiographer (doing echocardiograms) at Rambam Healthcare Campus, a 1000+ bed hospital here in Haifa. How did I get this job? This is what I have done for most of my adult life, starting 3 decades ago. In the late 1980’s, I was lucky enough to work in Rochester, NY with Dr. Shimon Reisner, an Israeli cardiologist. He has always said he would get me a job here and, after 20 years, I was still able to take him up on his offer. This is referred to as ‘protekzia,’ which always sounds to me like something involved in a criminal activity. But having someone help you is a normal way of doing things here and there is nothing wrong with it. It simply means that people are happy to help open doors for you but it is up to you to walk in and put in the effort to succeed. I happen to have a skill that is useful here but, on the other side, the pay for it is only a tiny fraction of what I can make in the U.S. The cost of our lives here is also much lower.

After 1948, it became evident that the fledgling state would need to enhance its defensive capability. This point was not lost on Charles Winters, a businessman from Miami. Charles Winters was not Jewish, but sympathised with the country’s plight. In direct contravention of US neutrality, he contributed two converted B17 bombers (known as the Flying Fortress) to the Israeli Air Force. In an effort to preserve Israel’s independence he surrendered his own. He was incarcerated for a number of years. It was only during the presidency of George Walker Bush that a posthumous pardon was granted.

Presidential pardon: (inset) Unsung hero Charles Winters

Presidential pardon: (inset) Unsung hero Charles Winters

As an exponent of liberty, Israel encapsulates many divergent religious beliefs. Israel has the mantle of being the only democracy in the Middle East. This is very much the cornerstone of its existence. The last unsung hero deserving of homage therefore is society as a whole. American immigrant Yael explains:

My family and I attended Or Chadash [Synagogue in Haifa] for Yom Kippur services this year. Yom Kippur is the holiest day of the Jewish calendar. It is a day of both atonement and reconciliation. Jews throughout the world seek forgiveness for previous transgressions and vow to make the coming year more observant of Jewish law and ideology.

This is our first year in Israel and we were stunned at the sight we saw at Hovev on the way to pray. There were thousands of people gathered at the mall at 5:30 pm, just when the mall closed for the holiday. The men and women wore designer clothes, blue jeans and t-shirts or in some cases traditional Orthodox garb. Thousands of kids were riding bicycles or on skateboards. Many of the families had their family dogs, which were howling and jumping, which added to an already energized environment. Everybody was waiting for the streets to close at 6:30pm to begin Haifa’s annual Yom Kippur race for kids.

My family and I went to pray until about eight. The temple was packed with people participating in this five thousand year old observance.

We returned to Horev to see thousands of kids racing down the hill trying to reach downtown first, a trip of about five miles. I saw two of my friends from high school, Norit and Noga. They were just observing the fun. “What’s this all about?” I asked. Noga answered with a big smile “This is Haifa’s biggest annual social event. My parents participated twenty five years ago!”

Yom Kippur is the Day of Atonement for Jews throughout the world, yet in Haifa and in other parts of Israel there are celebrations. Many Jews in Israel observe the traditional Yom Kippur fast and solemnity, while others seek joy. This is one of the most fascinating components of life in Israel to me as an American immigrant. Seventy percent of Israelis classify themselves as Hilonim or non-religious; yet live and sadly at times die to keep this small nation a Jewish state. To quote my friend Noga, the greatest blessing of life in Israel is that we can choose how to live our lives both as Jews, and individuals.

“Next year I will be there with my skateboard,” I said to myself.

Yom Kippur: Contrasting Ideals

Yom Kippur: Contrasting Ideals


Le savoir en appel: Martin Heidegger et le tournant dans la vérité

September 12, 2009

Un essai de Franz-Emmanuel Schürch

Ce livre propose, à partir du constat de difficultés importantes et de paradoxes dans la conception heideggérienne de la vérité comme décèlement (aletheia), une nouvelle interprétation du fameux «tournant» qui sera compris comme la nécessité d’une structure d’inversion réciproque des rapports fondatifs.

Contre tous les replis subjectifs ou les fixations sur des subsistances illusoires, cette structure « tournante » (à la racine du cercle herméneutique) montre comment aucune vérité ne s’établit sans sortie hors de soi, sans être provoquée par ce qui la met en question et qu’ainsi, contrairement à ce que croyait Emmanuel Lévinas, la pensée de Martin Heidegger ne consacre.

Cet ouvrage, bien qu’il témoignera d’une attention scolaire, ne veut pas être un commentaire destiné aux seuls spécialistes, mais constitue l’effort, à partir d’une certaine autonomie philosophique, de présenter la pensée heideggérienne à ceux qu’elle devrait intéresser, de l’arracher aux préjugés dans lesquels elle est souvent emprisonnée et d’en défendre le meilleur.

“INTRODUCTION

Martin Heidegger se signala au monde philosophique en 1927 en rappelant la question de l’être à son attention. Il soutint d’un même geste que l’entente de la vérité s’était figée, par superposition d’égarements, jusqu’à se boucher toute issue. Notre compréhension même de ce que signifie « vérité » en serait venue à nous bloquer la vue. C’est plus précisément la conception traditionnelle qui faisait de la vérité l’accord d’une proposition ou d’un jugement avec la chose visée, l’adaequatio intellectus et rei, qu’il conviendrait d’abord d’interroger afin de découvrir la clé de ces égarements. Cette conception, en étendant son règne, et à cause de la définition même des termes et des modalités de l’accord qu’elle revendique pour la vérité, aurait sapé ses propres fondements, jusqu’à en arriver à s’anéantir elle-même sans s’en apercevoir, laissant ainsi, quant à nos possibilités d’un véritable rapport à ce qui est, le sol glisser sous nos pieds.

La conception heideggérienne de la vérité s’exposant d’abord – nous le verrons toutefois, de façon ambiguë – telle une critique de la vérité-adéquation donna cependant un nouvel élan à la critique générale de la raison inaugurée dans sa radicalité par Nietzsche, mais nourrie néanmoins par Kant et même par le scepticisme empiriste de Hume. En effet, on peut dire aujourd’hui que si le siècle de Kant était celui de la critique, alors celui qui s’est tout juste achevé, le vingtième, fut celui de l’hypercritique. Néanmoins, la critique prit alors un étrange tournant, passant d’une révolte guidée par l’exigence de lucidité à un comportement normalisé laissant s’abîmer jusqu’à la passion du savoir, et consacrant ainsi d’une certaine façon le règne de l’aveuglement dans l’auto-assurance de sa virtuosité intellectuelle, ce à quoi toute ironie, lorsqu’elle ne se soumet qu’à ses propres impératifs, sera toujours condamnée. Du passage à la maturité, la critique a sombré dans l’immaturité de la fuite.

Il n’est pas sûr, toutefois, que Heidegger puisse se voir sans injustice mis au rang des complices de ce que nous appellerons bientôt le renoncement au savoir. Peut-être Heidegger peut-il nous apprendre tout autre chose et peut-être que cela n’a pourtant rien à voir non plus avec un retour timoré à la solidité simple d’avant l’ébranlement critique.”

Franz-Emmanuel Schürch, PhD en philosophie de l’Université de Montréal, enseigne actuellement la philosophie au Collège André Laurendeau.

Commander ce livrer.


Alan Poseners Kolumne: SteinbergRecherche – dumm, borniert, undifferenziert, antisemitisch

September 11, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Tilman Tarach, dessen Buch über Israel ich jedem wärmstens empfehlen kann hat mich darauf hingewiesen, dass „Steinbergrecherche“ mich als herausragendes Beispiel für die Spezies „Kriegsjude“ anführt:

Zunächst einmal muss man festhalten, dass Herr Steinberg zu jenen Leuten gehört, die man – wie etwa Gudi „die Ziege“ Eussner – unter „Who the fuck is…?“ ablegen muss.

Doch just for the record: Ich bin nicht Jude, schon gar nicht ein „bekennender“ Jude. Wäre Herr Steinberg nicht der strohdoofe Antisemit, der er offenbar ist, wüsste er das auch. Und dass Juden nichts „bekennen“, im Gegensatz zu Christen – einschließlich jener christlichen Häretiker, die man „Muslime” nennt: das müsste sich eigentlich herumgesprochen haben. Aber über Juden schreiben mit Vorliebe Leute, die von Juden und vom Judentum gar keine Ahnung haben: siehe auf der anderen Seite des Neurosenspektrums Clemens „der antideutsche Antisemitenschnüffler“ Heni.

Obwohl ich mich also wegen meiner englisch-schottischen Mutter nicht zum auserwählten Volk zählen darf (wohl hätte zu Zeiten von Kraft durch Freude wegen meines jüdischen Vaters einen Freifahrtschein nach Auschwitz bekommen können, und auch deshalb hätte ich bei Einwanderung in Israel ein Anrecht auf die israelische Staatsbürgerschaft) und mich als getaufter Anglikaner fröhlich zu meinem Atheismus bekenne, habe ich beschlossen, die Bezeichnung „Kriegsjude“ als Auszeichnung zu betrachten. Ich wünschte nur, ich hätte mehr getan, um sie zu verdienen.

And now for something completely different: Mein Buch über Papst Benedikt ist erschienen: Kauft massenhaft!

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Alan Posener’s Column: In response to David Gelernter’s criticism of Old Europe

September 7, 2009

In his contribution to the symposion on Why are Jews Liberals hosted this month by Commentary Magazine, American neoconservative author David Gelernter charged that Old Europe has nothing to offer to mankind in terms of culture and spirituality. Now Alan Posener fires back in the following op-ed.

David Gelernter’s Piece of Bullshit on Old Europe

An op-ed by Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

David Gelernter’s contribution to the Commentary Magazine’s Symposion on Why (American) Jews are Liberals was one of the most amazing pieces of bullshit I have ever read. And my job as a journalist forces me to read a lot of bullshit.

In his criticism of Europe – a kind of mirror-image of the typical French intellectual’s criticism of the USA and just as fact-free – Gelernter makes a number of astounding observations.

Gelernter writes: “The peoples of Western Europe have mostly lacked the religious intensity and genius of the Jews.” I realize that you don’t need to know anything about culture in order to become a computer scientist, but maybe Mr. Gelernter should take time out from studying bits and bytes (and raving) in order to visit a Gothic cathedral or to listen to one of Johann Sebastian Bach’s religious works – the Christmas Oratorio is quite accessible. So much for religious genius. And as for religious intensity, maybe Mr. Gelernter should study the history of the European religious wars, which led us to conclude that keeping religion out of government was a key to peace – a lesson enshrined in the US Constitution.

Gelernter writes: “America has a habit of despising intellectuals” (this is meant as a compliment), “while Europe worships and obeys them”. One would be hard put to find a single example of Europeans “worshipping and obeying” an intellectual. However, there are many instances of hatred for the intellectual – Nazi Germany, where “intellectual” was virtually synonymous with “Jewish”, and the Communist bloc, where “intellectual” was virtually synonymous with “petit-bourgeois class enemy” being two of the more recent examples.

Gelernter writes: “European sex seems to have developed the moral significance of an ATM transaction on a street corner.” I’ve no idea where Gelernter gets his data on European sex. I would like to point out, though, that, like the ATM machine, casual sex is an American import, via Hollywood movies and rock’n'roll. Correct me if I’m wrong, but I believe Woodstock is a village in the State of New York. As it happens, I’m a great fan of Hollywood, rock’n'roll and ATM machines, unlike the cultural conservatives who tell us that these inventions of the decadent Americans are sapping Europe’s moral fibre in order to deliver us into the hands of American capitalism (i.e. Jewry). But I must say I find it rich that Gelernter should simply turn the argument around. Nice joke. But bullshit.

Gelernter says that Europe has “a love affair with death”. A strange comment from someone who lives in a country where infant mortality rates are higher and life expectancy is lower than in Western Europe. (Of course, the bullshitter then turns around and says wimpy Europeans are afraid of death, which is why they want to cut and run in Afghanistan.) As proof for his assertion, Gelernter cites low birth-rates and high immigration levels. To start with the second aspect: until very recently, European conservatives criticized the USA for being a “mongrel culture” due to ist high levels of immigration. Again, Gelernter seems to have imbibed these European ideas and now switches into “Yah, boo, same to you”-mode. Cute, but bullshit. People come to Europe, as they do to America, because it is a damn good place to live. The idea that Europe’s “nations will be gone within a few generations” (Gelernter) can only occur to someone who doesn’t actually bother to do a reality check before sounding off. All studies show that immigrants to Europe are fast adopting European mores. Their birth-rate is declining, too. There is no reason to believe that a Muslim French woman should be less patriotic than a Jewish American.

David Gelernter writes: “Mulling German history in particular, one wonders whether the Germans were ever more than half-Christianized, whether paganism hasn’t always appealed to the lofty German Geist.” As we’ve seen, Gelernter doesn’t really “mull” history at all, or if he does, he only mulls his own preconceptions of history, not bothering with actual facts. The idea that the nation that brought forth Martin Luther – no name but one exemplar of the “lofty German Geist” – was only “half-Christianized” is absurd. But it does serve to obfuscate one fact that none of the contributors to the symposion reflect: the millions of Germans who voted for Hitler and served him till the last, the hundreds of thousands who worked on the “Final Solution” were not “half-Christianized” pagans. They were – often devout – Catholics and Protestants. This is an uncomfortable truth, a truth that the current Pope (a former Hitler Youth member) tries to deny, but a truth nevertheless.

It is for this reason that Jews in Europe and America would do well not to rely too heavily on Christian goodwill. Just because many Christians are more afraid of the Muslims at the moment does not mean that they are natural allies of the Jews. Antijudaism is enscribed into Christian teaching. I imagine that Gelernter, who apparently knows nothing about the history of Europe, hasn’t actually got round to reading the “New” Testament or the teachings of the Church Fathers, or the Acts of the Spanish Inquisition, or the Anti-Semitic rantings of Martin Luther. (But maybe he remembers Father Coughlin?)

I’m no friend of reactionary liberalism. But throwing yourself into the arms of reactionary conservativism isn’t the answer. Thinking for yourself is.


Alan Poseners Kolumne: Papst Benedikt und die deutsche Anti-Israel Lobby

September 3, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Robert Spaemann ist nicht irgendjemand. Der Philosoph ist Vordenker und Nachbeter des gegenwärtigen Papstes. Wenn sich also Spaemann zu Israel äußert, sollte man genau hinhören. Am 25. Juli 2009 veröffentlichte Spaemann einen Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ): „Schutz und Gehorsam“. Schon am nächsten Tag war er auf der Website der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, der wichtigsten Organisation der deutschen Anti-Israel-Lobby,  nachzulesen.

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Robert Spaemann beginnt mit der Feststellung: „Dem Staat Israel ist es in dem mehr als einen halben Jahrhundert seiner Existenz nicht gelungen, als bereichernder, selbstregulierender Teil der Region anerkannt zu werden.“

Das ist zweifellos richtig, und dafür gibt es Gründe, vornehmlich die Tatsache, dass die arabischen Führer kein Interesse an der Art Modernität haben, die Israel der Region seit seiner Gründung vorlebt. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, individuelle Freiheit, intellektuelle Lebendigkeit. (Das Interesse des Vatikans an diesen Errungenschaften der Moderne ist übrigens auch nicht stark ausgeprägt, aber das nur nebenbei.)  Spaemann macht aber Israel dafür verantwortlich, dass die meisten arabischen Staaten bis heute sein Existenzrecht nicht anerkennen: „(Israel) ist immer als Herr aufgetreten.“

Sagen wir es so: eine solche Schuldzuweisung ist zumindest einseitig.

Spaemann geht aber weiter: Israel habe sich nur deshalb ständig als Herr aufspielen können, weil es von den USA eine Schutzgarantie besitze. Wer auch nur elementare Kenntnisse der Geschichte des Nahostkonflikts besitzt, weiß zwar, das dies bis nach dem Sechstagekrieg 1967 keineswegs der Fall war; und dass die Schutzgarantie, die etwa die Bundesrepublik dank Besatzungsstatut und Nato genoss und genießt, viel stärker ist als die völkerrechtlich und militärisch unverbindlichen Erklärungen amerikanischer Präsidenten gegenüber Israel. Aber egal.

Aus dieser angeblichen Schutzfunktion der USA lautet Spaemann eine „Gehorsamspflicht“ Israels ab. Es sei nun einmal ein „Grundgesetz des politischen Lebens“: „Wer Schutz gewährt, muss die Bedingungen diktieren können.“ Und das täten die USA nicht, so dass sich Israel beständig „wie ein Halbwüchsiger handeln“ könne, der „nie die Suppe auslöffeln“ müsse, die er sich eingebrockt hat, weil „Papa es schon richten wird.“

Unsereiner dachte naiverweise, zum „Grundgesetz“ des Westens gehöre die Souveränität der Staaten, anders als im Ostblock unseligen Angedenkens. Wir dachten, über Israels Außenpolitik hätten Israels Regierungen zu entscheiden, und über Israels Regierungen die Wähler. Wir dachten, der „Zusammenhang von Schutz und Gehorsam“ sei mit dem Mittelalter verschwunden; und wir fragen uns, ob der Vatikan wirklich jemals bereit gewesen wäre, den Schutz, den ihm Italien und die Nato – also letztlich auch die USA – während des ganzen Kalten Kriegs gewährt haben, mit irgendeiner Form des „Gehorsams“ zu beantworten. Das war zwar der beständige Vorwurf der Kommunisten, die im Papst lediglich eine Propagandapuppe des US-Imperialismus sahen, aber gegen solche Anwürfe hat unsereiner die Päpste stets in Schutz genommen.

Und es ließe sich ohne weiteres nachweisen, dass der Vatikan seine Politik nie von den Interessen Italiens, der Nato oder des Westens diktieren ließ. Aber quod licet Jovi, non licet bovi, so mag Spaemann denken: natürlich gelten „politische Grundgesetze“ nicht für den Stellvertreter Gottes auf Erden. Sondern allenfalls für jene, die durch ihre bloße Existenz jenen Anspruch des Papstes, Gottes Stellvertreter und alleinbevollmächtigter Ausleger seines Willens zu sein, in Frage stellen: sein Volk – die Juden.

Was soll also Washington als Schutzmacht von seinem Mündel Israel laut Spaemann verlangen? Nun, zuerst die übliche Litanei einseitiger Vorleistungen: Stopp des Siedlungsbaus und dann „Beseitigung“ aller bisher gebauten Siedlungen und Beendigung der „Besatzung fremden Territoriums“. Gut, über die Sinnfälligkeit und die Erfolgsaussicht solcher Maßnahmen kann man rational unter Israelfreunden diskutieren.

Aber Spaemann verlangt viel mehr, und gilt es, aufzuhorchen: „Ferner: Israel verzichtet auf die ethnische Selbstdefinition, die jeden Nichtjuden in diesem Staat zum Fremden macht.“ Anders gesagt. Der Judenstaat verschwindet. Besser könnte es die Hamas auch nicht formulieren.

Es ist schon bemerkenswert, was herauskommt, wenn „es“ aus führenden Katholiken wieder einmal spricht. Von Papst Benedikt wäre – gemäß dem „Grundgesetz von Schutz und Gehorsam“ eine klare Zurückweisung solcher Gedankenspiele zu verlangen.

Schließlich kann sich Robert Spaemann solche Kindereien in einer großen Zeitung nur leisten, weil man – zu Recht – davon ausgeht, aus seinem Munde das zu hören, was Benedikt klammheimlich denkt.

Links

Alan Poseners Filmkritik über Inglourious Basterds

Alan Poseners neues Buch: Benedikts Kreuzzug – Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Protected: 3 Rosen sollen Dein Herz erfreuen!

September 2, 2009

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Why Are Jews Liberals?

September 2, 2009

In a new book out this month, columnist Norman Podhoretz addresses the question he says he is asked more frequently than any other:  “Why Are Jews Liberals?”

Bill Clinton – U.S. Democratic Party Icon

Six notable American Jewish thinkers, Rabbi David J. Wolpe, Dr. Jonathan D. Sarna,  Michael Medved, William Kristol, Jeff Jacoby, and David Gelernter, reflect on his argument in a Commentary Magazine Symposium.

Read full story.


Earl Shugerman’s Corner: From Miami to Haifa

August 30, 2009

Earl Shugerman, will bring every week a serie of stories about Anglo-Saxon immigrants to Israel. This project is aimed to promote a more realistic view of life in Israel. The following story relates to an American immigrant named Jordan.

My name is Jordan. I came to Israel four years ago from Miami after receiving a degree in mechanical engineering from The University of Florida. My family is reformed and not particularly Zionist.

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My original intention was to study Hebrew for six months at a Kibbutz ulpan near Haifa. I was out of the plane for about five minutes and I was already in love with the country. It was love at first sight and I am glad to say that I still feel the same passion. I came here for the experience and now proudly serve in The Israeli Defense Forces in combat engineering. I still can’t quite explain why I love this country so much. Perhaps there is no single reason or reasons.

My first year in the country was spent at the kibbutz studying Hebrew four hours a day and working in the kibbutz factory four hours a day to pay my way. Kibbutz life was interesting but not for me.

The Kibbutz is a community where members equally own all property. Individuals live on the settlements and usually work at them as well. Most kibbutzim are involved in either agriculture, light manufacturing or both. Residents live in nice homes with kitchens; but can also eat at community dining halls. City life is still my choice.

I left the kibbutz and applied for Aliyah with the assistance of Nefesh B’Nefesh. Nefesh is an organization that promotes Aliyah from English speaking countries. They helped me to navigate the paper work and advise me of both my rights and responsibilities including compulsory military service. Visiting mom and dad was very difficult. They respected my decision, but like most parents worried about my new life in Israel, especially the war.

Today they are so happy and proud of my decision that they are planning Aliyah! My dad is about to retire and the folks visited Zichron Yaakov as a possible home. It is just right for us; they both exclaimed! It was love at first sight for them as well.

I am now in my last few months of military duty and rent an apartment in Haifa. Two buddies and I found a beautiful place in the Horev area of Haifa with a view that is incredible. We can see the ocean and much of Haifa through our large picture windows. All three of us are new citizens and choose to live in Haifa for the same reasons.

Haifa is a beautiful city of hills and beaches that offers city life advantages but without the tension that we felt in other urban areas. Haifa is also a very peaceful and pluralistic community where people just enjoy life. Jews, Christians, Muslims and others live together in peace. During the army I was stationed in both the West Bank and Gaza. My impression is that most Arabs and most people just want to live peaceful lives and enjoy this wonderful part of the world.

Upon completing the military I intend to continue my education at The Technion. Haifa’s Technion is a world famous technical school that offers both undergraduate and graduate degrees, primarily in the sciences.

I hope that those individuals reading this article will consider Aliyah and come to live in this incredible nation and this wonderful city!