Alan Poseners Kolumne: Journalisteneitelkeit, Journalistenehrlichkeit

November 13, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag / HIRAM7 REVIEW

Zu den weniger erfreulichen Seiten des Journalismus in Deutschland gehört die Praxis, Interviews vom Interviewten autorisieren zu lassen. In der angelsächsischen Welt geht man erheblich lockerer damit um. Man vertraut dem Journalisten, das Gespräch richtig wiederzugeben.

Sicher, für die Autorisierung gibt es einen nachvollziehbaren Grund: anders als im Fernsehen oder im Radio wird das Interview im Print-Medium (und online, wie wir gleich sehen werden) nachträglich bearbeitet: gekürzt, sprachlich geglättet und so weiter. Da kann es vorkommen, dass der oder die Interviewte sich falsch dargestellt findet, indem etwa ein wichtiger Nebensatz weggekürzt wird.

Und: von einem autorisierten Interview kann man sich ja nicht nachträglich distanzieren, wie das zuweilen in den USA oder Großbritannien – mit Hinweis auf die Bearbeitung durch den Journalisten – geschieht. Immer wieder erleben wir jedoch, dass gerade PolitikerInnen (oder ihre Presseleute) bei der Autorisierung das Interview bis zur Unkenntlichkeit verändern. Eindeutige Aussagen werden zurückgenommen, Kontroverses oder Interna gestrichen.

Umso erstaunlicher ist das berüchtigte Sarrazin-Interview mit seiner Diffamierung der dummen Unterschicht und der nutzlosen Zuwanderer. Man muss sich vor Augen halten: das sind nicht „unbedachte“ Äußerungen. Das sind Aussagen, die vom Interviewten (und im Falle Sarrazins auch von seinem Vorgesetzten, dem heutigen Bundesbank- und wohl künftigen EZB-Chef Axel Weber) in Ruhe nach dem Interview gelesen und autorisiert wurden.

Aber das nur nebenbei. Gut: PolikerInnen wollen sich möglichst gut präsentieren; das ist nachvollziehbar. Neulich erlebte ich zum ersten Mal den Fall, dass ein Interview nachträglich geändert wurde, um den Interviewer besser aussehen zu lassen.

Es handelt sich um dieses Interview mit mir in Telepolis.

Man hätte immerhin darauf hinweisen sollen, finde ich, dass das Interview per E-Mail geführt wurde; aber das nur nebenbei.

Ich habe das Interview autorisiert (was tut man nicht alles, um PR für sein Buch zu machen) denke aber doch, dass das ursprüngliche Interview besser war: siehe vor allem Punkt 3:

1) Herr Posener, warum hassen Sie die Kirche?

Was für eine schwachsinnige Frage. Ich hasse die Kirche gar nicht. Ich stehe auf dem guten, alten preußischen Standpunkt, dass jeder nach seiner Façon selig werden soll – der Christ, der Muslim, der Jude, der Atheist. Wer mich in Ruhe lässt, den lasse ich in Ruhe.

2) Sie sind ja bekannt für Ihre Frontalangriffe. In Ihrem neuen Buch „Benedikts Kreuzzug. Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft“ greifen Sie den Papst an. Ist Papst Benedikt ein Gegner von Demokratie und Aufklärung? Woran machen Sie es fest? Was Frontalangriffe angeht, so sind sie wohl besser als Dolchstöße in den Rücken, meinen Sie nicht auch?

Ich greife den Papst an, weil er die Demokratie und plurale Gesellschaft angreift. Er diffamiert sie als “Diktatur des Relativismus” und fordert nicht nur das Recht, etwa die Homosexualität als “objektive Ordnungsstörung im Aufbau der menschlichen Existenz ” zu verurteilen, sondern eine Art Wächterrat, der die Entscheidungen des demokratischen Staates auf ihre Übereinstimmung mit der Moral überprüfen soll – eine Forderung, bei der er sich mit den Pius-Brüdern und den Teheraner Mullahs einig weiß. Ich greife den Papst an, weil er die Aufklärung angreift. Er sieht den “Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit”, wie es Kant formulierte, als Verfallserscheinung an und fordert die “Reinigung der Vernunft” durch den Glauben – was wiederum bedeutet: ich, Ratzinger, entscheide, was vernünftig ist und was nicht.

Um es klar zu sagen: ich habe nichts dagegen, wenn der Papst sagt: Homosexualität ist eine Sünde. Bitte sehr, das sollen die schwulen Katholiken, von denen es gerade in der Priesterschaft jede Menge gibt, mit ihm und ihrem Gewissen ausmachen. Das liegt auf der gleichen Linie wie das Verbot, Schweinefleisch zu essen bei Juden und Muslimen. So lange sie mir nicht verbieten, Schweinebraten und Schinken zu essen, ist es ihr Problem, wenn sie sich den Genuss entgehen lassen.

Wenn aber gesagt würde, Schweinefleisch zu essen sei eine “objektive Ordnungsstörung”, dann habe ich ein Problem. Ich habe nichts dagegen, wenn der Papst sagt, wir setzen den Glauben über die Vernunft. Bitte sehr, das sollen die mündigen Katholiken mit ihm und ihrem Gewissen ausmachen. Aber wenn er versucht, den Begriff Vernunft selbst so umzudeuten, dass er Glaube bedeutet, dann habe ich ein Problem.

3) Sie werfen Ihm in ihrem Buch vor, dass er von seinem Großonkel geprägt wurde, der antisemitische Hetzschriften verfasst habe. Wer war diese Person, und in wieweit war dieser ein Vorbild für den Theologen Ratzinger?

Sie haben mein Buch offenbar nicht gelesen. Ich werfe ihm mitnichten vor, dass er von seinem Großonkel Georg Ratzinger geprägt wurde. Das ist Unsinn. Ich sage auch nicht, dass der bayerische Nationalist und antisemitische Publizist Georg Ratzinger ein Vorbild für Joseph Ratzinger gewesen sei. Ich lehne die Sippenhaftung ab.

4) Die Aufhebung der Exkommunizierung der Pius-Brüder und des Holocaust-Leugners Williamson wurden in der Öffentlichkeit als eine Panne des Papstes dargestellt, der in diesem Fall einfach schlecht beraten gewesen sei. War das ein Versehen, oder steht dahinter eine bestimmte Haltung?

Der Versuch, die Affäre um Williamson und die Pius-Brüder als Panne abzutun, war ein dummer Schachzug der Benedikt-Verteidiger. Denn wenn der Papst nicht weiß, was er tut, ist er als Papst ungeeignet. Ratzinger weiß aber natürlich sehr genau, was er tut. Er war schon als Chef der Glaubenskongregation mit der Frage der Pius-Brüder befasst und kennt ihre Schriften. Um es deutlich zu sagen: die Pius-Bruderschaft ist keine konservative, sondern eine offen reaktionäre Vereinigung, die den kirchlichen Antijudaismus konserviert, die also mehr oder weniger institutionell antisemitisch ist.

Die Bruderschaft befürwortet eine Abschaffung des weltlichen Staats und ihre Ersetzung durch eine Theokratie ähnlich der im Iran, die Drogen, Prostitution, Pornographie, Blasphemie, Homosexualität und so weiter verbieten und die Todesstrafe wieder einführen würde. Das weiß Benedikt, und trotzdem betreibt er die Annäherung an diese Leute und kommt ihnen weit entgegen, zum Beispiel mit der Aufwertung der lateinischen Liturgie, deren Abschaffung durch das Zweite Vatikanische Konzil vordergründig zur Abspaltung der Pius-Brüder von der Kirche geführt hat. In Wirklichkeit jedoch passte den Pius-Brüdern die ganze Richtung des Konzils nicht. Und sie passt Benedikt auch nicht.

5) Von kirchlicher Seite wird Ihnen vorgeworfen, dass Sie einen „atheistischen Fundamentalismus“ vertreten würden, und somit jede andere Einstellung als böswillig hinstellen. Manfred Lütz sagt, dass der Papst ein „brillanter Intellektueller“ sei und den Islam herausfordere. Ist das ein persönlicher Kreuzzug von Ihnen gegen die Kirche? Auf was konkret stützen Sie ihre Analysen?

Ich bin zwar getaufter Anglikaner, zugleich aber Atheist, ja. Worin ein “atheistischer Fundamentalismus” bestehen soll, weiß ich nicht. Auf mich jedenfalls trifft diese Bezeichnung nicht zu. Ich stelle doch nicht jede andere Einstellung als böswillig hin, und wer mir das unterstellt, kennt mich nicht. Ich habe bekanntlich ein Buch über die Jungfrau Maria, die Mutter Jesu, geschrieben, das von allen Katholiken, die ich kenne, mein Freund Manfred Lütz eingeschlossen, gelobt wird – und in dem ich übrigens Joseph Ratzinger zustimmend zitiere. Ich habe nicht den geringsten Grund, einen “Kreuzzug gegen die Katholische Kirche” zu führen, was ohnehin ein Widerspruch in sich wäre, obwohl wir Anglikaner, wie Sie wissen, seit Heinrich VIII. unsere Probleme mit Rom gehabt haben. Hätten Sie jedoch mein Buch gelesen, und nicht nur die Rezensionen, würden Sie wissen, dass ich an keinem Punkt die Kirche als solche angreife. Meine Analyse der Ansichten und Absichten Benedikts stützt sich, das wüssten Sie, wenn Sie das Buch mit seinen 274 Anmerkungen auch nur angeschaut hätten, auf Reden, Schriften und Interviews von Joseph Ratzinger. Also auf öffentlich zugängliches Material.

6) Ist diese Feindschaft gegen die Moderne eine neuere Entwicklung unter Papst Benedikt, oder war diese auch unter Papst Johannes Paul II. Vorhanden?

Johannes Paul II. war – im Gegensatz zu Benedikt XVI. – ein großer Mann. Er gehört, zusammen mit seinem Landsmann Lech Walesa, mit Ronald Reagan, Maggie Thatcher und – vor allem – Michail Gorbatschow, zu den Persönlichkeiten, die das reaktionäre System des Kommunismus zu Fall gebracht haben. Aber für den polnischen Papst war das westliche System nur das kleinere Übel. Von Wojtila sagte man, er wolle zwei Revolutionen rückgängig machen – die russische und die französische. Dabei war er jedoch, vielleicht wegen seiner Erfahrungen mit dem Kommunismus, nicht so radikal wie Ratzinger, den er allerdings gefördert hat. Johannes Paul II. hat Galileo Galilei rehabilitiert und den Darwinismus anerkannt. Benedikt hat den Prozess der Inquisition gegen Galileo verteidigt und propagiert die unwissenschaftliche Lehre des “Intelligent Design” gegen den Darwinismus.

In einer Zeit, die ohnehin von Wissenschaftsskepsis und Halbwissen geprägt ist, bedeutet Benedikts Abkehr von der Vernunft eine Katastrophe.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


4èmes Rencontres de Rueil-Malmaison: Territoire, Évaluation & Dévelopement Durable

November 7, 2009

Vendredi 20 novembre 2009, Rueil-Malmaison

Vendredi 20 novembre 2009, Rueil-Malmaison

Avec le soutien et la participation du CGDD (Commissariat général au développement durable),  de l’AMF (Association des Maires de France), de l’ADF (Assemblée des Départements de France) et de la SFE (Société Française de l’Évaluation)

Problématique

La conjonction de ces 4èmes Rencontres de Rueil-Malmaison avec la tenue de la Conférence de Copenhague sur le climat, induit à concentrer les travaux sur les engagements auxquels les différents pays s’apprêtent à souscrire. On sait que ces engagements devront être conséquents. Souscrits par les gouvernements, ils impliqueront les acteurs des territoires: entreprises, collectivités et simples citoyens.

Parmi les questions qui se posent, il y a celle de savoir si ces engagements seront bien à la hauteur des défis à relever. Il y a aussi celle de savoir si les territoires seront en mesure d’assumer la charge correspondante.

Comment apprécier «a priori» l’efficience des programmes territoriaux de réduction des gaz à effet de serre (GES)? 

La question est d’autant plus importante que les aides publiques devront aller aux programmes les plus pertinents et ne pas se diluer, alors même que, du fait de la crise économique, tous les territoires sont à la recherche d’investissements susceptibles tout à la fois d’aider l’économie à repartir, de limiter les émissions de gaz à effet de serre et de préparer l’avenir.

Sur le plan méthodologique, cette situation rejoint celle des évaluations «ex ante» auxquelles les porteurs de programmes soutenus par des fonds européens commencent à être habitués, puisqu’il s’agit dans ce cadre de faire la démonstration de la pertinence des actions programmées avant même qu’elles ne soient engagées, ce qui nous éloigne beaucoup de la culture française de l’évaluation ex post. En l’occurrence (Copenhague), la difficulté sera cependant plus grande encore, puisqu’il s’agira de pratiquer des «évaluations prospectives» portant sur des programmes ayant une portée de 10 ou 20 ans.

Mais comment évaluer ex ante les impacts attendus à long terme?

En outre, la pertinence de ces programmes de limitation des émissions de gaz à effet de serre (GES), relèvera non seulement de critères techniques mais également de paramètres relatifs à la qualité des actions d’information, de communication, de concertation, de formation et de mobilisation des acteurs des territoires, en un mot de paramètres de «participation».

Les dispositions techniques et réglementaires sont, sans doute, des dimensions importantes du sujet, mais les comportements et la participation en sont d’autres, au moins aussi importantes et qui répondent à des ressorts complexes mal repérés.

On voit se dégager des questions d’ordre méthodologique:

  • Comment évaluer une politique multidimensionnelle ciblée sur un critère dominant (la limitation des émissions de GES), mais faisant place aux critères d’efficacité économique et sociale?
  • Peut-on concevoir des indicateurs synthétiques intégrant les paramètres propres au territoire et à ses acteurs? 

Enfin, on sait que parmi les activités humaines contribuant le plus fortement au réchauffement climatique, le chauffage des bâtiments et les transports se trouvent en bonne position. Les villes sont donc des acteurs de premier rang. Comment les aires urbaines vont-elles pouvoir assumer leur part de l’effort? Comment imaginer des politiques et conduire des programmes efficaces de limitation des gaz à effet de serre associant les collectivités, les entreprises et les citoyens? 

La Ville de Rueil-Malmaison, qui est engagée avec celle de Suresnes dans la construction d’une importante et emblématique Communauté d’agglomération, veut lancer la réflexion et la faire partager à ses habitants afin  d’ouvrir le chantier sans tarder.

Ces Rencontres de Rueil-Malmaison, tout en s’adressant à un public de responsables et d’experts, sont également conçues pour intéresser les citoyens engagés dans la vie locale, par exemple à travers des comités de quartier, qui souhaitent s’impliquer dans les actions mises en œuvre par la collectivité pour lutter contre l’effet de serre.

***

Organisation et modalités pratiques

Lieu: Médiathèque Jacques Baumel

15, boulevard du Maréchal Foch (Mairie) – 92 500 Rueil-Malmaison

Horaires Accueil: à partir de 8h15 à l’auditorium de la Médiathèque

Remise des documents – accueil administratif

Allocutions de lancement à 9h00 dans l’amphithéâtre

Clôture à 16h30

Déjeuner: Buffet bio éthique servi dans la salle des mariages de la Mairie

Participation: 50 euros

Renseignements et inscriptions

Le service du Développement Durable de la Mairie de Rueil-Malmaison est à votre disposition pour tout renseignement:

Par téléphone au 01 41 39 08 96

Par télécopie au 01 47 10 01 29

Par e-mail developpementdurable@mairie-rueilmalmaison.fr


Alan Poseners Kolumne: Henryk M. Broders Farce ist vorbei

November 5, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Nach zwei Wochen war die Farce vorbei. In der letzten Ausgabe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zog Henryk M. Broder seine Kandidatur für den Posten des Zentralrats der Juden in Deutschland zurück.

Buchen unter eiaculatio praecox, mochte man meinen, und zu wichtigeren Dingen übergehen, wozu ziemlich alles gehört, was man sich denken kann – hätte der Spiegel nicht in der „Hausmitteilung“ vom 2. November 2009 behauptet, der „Meister der gezielten Provokation“ habe deshalb auf die Fortsetzung seines Wahlkampfs verzichtet, weil er bereits sein Ziel erreicht habe. Denn „die subversive Kraft der Provokation entfaltete ihre Wirkung – eine ernsthafte Diskussion über die Vertretung der Juden in Deutschland ist jetzt entbrannt.“

Ach ja? Über das Niveau dieser brennenden Diskussion, die wir so nötig haben wie die „Sarrazin-Kontroverse“ oder den „Sloterdijk-Streit“, und über ihre Nutznießer, habe ich in meinem letzten Posting geschrieben. Nun hat sich auch Henryk in meinem Sinne geäußert und damit den redaktionellen Bullshit von der „ernsthaften Diskussion“ entlarvt.

In einem zweiseitigen Beitrag über sich selbst schreibt er im Spiegel:

„Zugleich scheint der Übergang zwischen echtem Leben und virtueller Welt immer einfacher zu werden. Die Linke nominiert für das Amt des Bundespräsidenten einen TV-Kommissar, der davon träumt, Banker eigenhändig zu verhaften. Schauspieler, die in Soaps Ärzte spielen, machen in Talkshows Vorschläge zur Optimierung der Gesundheitsreform. Der FDP-Veteran Rainer Brüderle traut sich zu, den Wirtschaftsminister zu geben. Da könnte auch Boris Becker Familienminister werden und ich – Präsident des Zentralrats der Juden“

Genau. Wobei die opportunistische Attacke auf Brüderle, um dem besserwisserischen Spiegel-Leser zu gefallen, typisch ist – der ausgewiesene Wirtschaftsfachmann gehört weiß Gott nicht in die Reihe Peter Sodann, Soap-Stars, Boris Becker, Henryk M. Broder. Eher fallen einem zur Ergänzung dieses Ruhmesreigens Oskar Lafontaine und Gregor Gysi ein, ebenfalls Selbstdarsteller, die immer bloß so tun, als könnten sie ein Amt ausfüllen, und die beide nach kurzer Zeit in der Verantwortung die Brocken hingeschmissen haben.

Was an Henryk seit einiger Zeit so peinlich ist – das ist die Tatsache, dass er sich zum Ausleben seiner Provokationssucht immer Objekte vorknöpft, die ihm nicht Paroli bieten können oder wollen – intellektuelle Fliegengewichte wie Frau Hecht-Galinksi; Leute, die ohnehin von der antisemitischen Meute verhasst sind wie Michel Friedman; oder Institutionen, die sich zu schade sind, sich mit ihm in der Gosse zu prügeln: das Zentrum für Antisemitismusforschung etwa oder eben den Zentralrat. „Pick on someone your own size“ hieß es in meinem britischen Internat, wenn sich etwa einer der pubertierenden Rüpel einen kleinen Jungen vornahm. Der Appell an die Mannesehre verfehlte selten ihre Wirkung.

Gut, das war England. Und dennoch möchte ich an Henryk appellieren: „Pick on someone your own size“; zum Beispiel deinen Arbeitgeber, den Spiegel. Was kann der schon machen, hat er dich nun ganz offiziell in einer Hausmitteilung zum „Meister der gezielten Provokation“ erklärt? Nichts kann er machen, du gehörst doch zum Inventar.

Wie du weißt, vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendeine anti-israelische Spitze in diesem „Nachrichten“-Magazin erscheint – just in jener Ausgabe, in der deine heldenhafte Provokation des Zentralrats gefeiert wurde, endete ein Artikel, in dem es um den von Israel vereitelten Versuch Syriens ging, einen Atomreaktor zu bauen, mit dem Hinweis, „viele radikale Israelis“ wollten einen Staat, der vom Euphrat bis zum Mittelmeer reicht. Will sagen: kann man es den Syrern verdenken, wenn sie sich wehren wollen?

Pick on someone your own size, Henryk. Man überlebt es. Schau mal:

http://www.kaidiekmann.de/friendly-fire/2009/11/04/

Und weil es so schön war, hier das Ganze noch einmal live:

http://www.welt.de/videos/debatte/article5070626/Broders-Bullshit.html#autoplay

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Jacques Chirac rechnet in seinen Memoiren mit Nicolas Sarkozy ab

November 3, 2009

Jacques Chirac memoires

„Nicolas Sarkozy hatte damals schon diesen Willen, sich unentbehrlich zu machen und immer dabei zu sein, war hibbelig, übereifrig und begierig, zu handeln“, schreibt Jacques Chirac in seinen Memoiren, aus denen die französische Tageszeitung Le Parisien Auszüge veröffentlichte.

Der junge Sarkozy sei stets ein Meister der medialen Inszenierung gewesen.

„Er war immer mehr als ein einfacher Mitarbeiter“, schreibt Jacques Chirac. Sarkozys Unterstützung von Biedermann des bürgerlichen Lagers Edouard Balladur (im Hintergrund von Chiracs Erzfeind Valéry Giscard d’Estaing manövriert worden) bei der Präsidentschaftswahl gegen ihn habe ihn verletzt, gesteht der einstige politische Ziehvater von Nicolas Sarkozy, Jacques Chirac.

Der erste Band der Memoiren, der von Donnerstag an im Handel erhältlich ist, beschreibt den Beginn von Chiracs politischer Karriere bis zur Präsidentschaftswahl 1995.

Externer Link (französisch): Avec ses Mémoires, Jacques Chirac règle ses comptes, Artikel in der französischen Tageszeitung Le Parisien.


Défense et Illustration de Jacques Chirac

October 31, 2009

jc-jacques-chirac

Une tribune de Narcisse Caméléon

Le renvoi de Jacques Chirac devant la justice pour “détournements de biens publics” et “abus de confiance” dans le cadre de l’affaire des chargés de mission de la Ville de Paris est non seulement superflu, mais aussi et surtout moralement douteux, eu égard au fait que les délits reprochés remontent à plus de vingt ans et que tous les partis politiques ont eu recours à ces pratiques.

La justice devrait faire le procès de la classe politique entière au lieu de s’acharner sur un homme qui a servi la France de manière exemplaire pendant plus de quarante ans.

C’est une constante bien française, la nation décapite le Père, celui qui incarne le mieux ce qu’elle est, en érigeant l’échafaud en place publique; observez la chose, elle est invariablement la même: la tête du monarque, bon, débonnaire, doit être donnée aux chacals qui n’en feront qu’une bouchée : Liberté, Egalité, Fraternité. Comme le disait le Général De Gaulle: “Les Français sont des veaux”. Jacques Chirac s’en sortira, c’est une question d’honneur pour la France. Souvenons-nous des années Mitterrand, des suicides, des scandales personnels et des dépenses royales, corruption et république bananière à tire-larigotOui, il ira devant les juges, il passera quelques nuits blanches, mais il se relèvera, tête haute.

L’ancien président de la République et maire de Paris Jacques Chirac s’exprimait il y a près de deux ans sur tous les chefs d’accusation calomnieuse lancés à son encontre. Sa tribune parue dans le quotidien Le Monde peut être lue ici.

NDLR: Les textes et essais publiés sur HIRAM7 REVIEW n’engagent que leurs auteurs et ne reflètent pas nécessairement l’opinion de la rédaction.


Alan Poseners Kolumne: Henryk M. Broders belangloser PR-Coup

October 29, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Es ist schon erstaunlich: Wenn man in Deutschland eine Stellungnahme zum Holocaust braucht, ruft man die Agentur Rent-a-Jew an und bekommt je nach politischer Präferenz einen Juden zugeteilt, obwohl der Holocaust die Juden nicht mehr angeht als die Arier; weniger sogar, denn das Klärungsbedürftige am Holocaust liegt nicht auf der Opfer-, sondern auf der Täterseite.

Wenn es aber um Henryk M. Broders Kandidatur für den Posten des Präsidenten des Zentralrats der Juden gibt, dann haben plötzlich alle Gojim selbst eine Meinung, obwohl der Zentralrat eigentlich nur die Juden etwas angeht.

Und diese Meinung lautet: Gut, dass der Kerl den Zentralrat aufmischt.
Das sollte einen stutzig machen.

Wenn der Zentralrat, wie Henryk meint, so ungefährlich und gestrig ist, warum sind alle Gojim so froh, dass Broder ihm zeigen will, wo der Hammer hängt?

Überhaupt: Warum tun alle so, als habe Henryks Kandidatur etwas zu tun mit einer Krise des Zentralrats, wo sie doch nur etwas zu tun hat mit einer Lebenskrise Henryk M. Broders?

Ich habe mit dem Zentralrat genauso wenig zu tun wie Henryk. Weniger, denn pro forma könnte er etwas damit zu tun haben, wenn er wollte, was er aber nicht will. Ich nicht.

Ich stelle nur eine Frage: Im Spiegel hat Henryk seine Selbsteinschätzung wiederholt, er sei der „Pausenclown“ der Deutschen. Das stimmt, und diese Rolle hat er sich hart erarbeitet.

Soll der Sprecher der Juden in Deutschland ein Clown sein? Wer könnte das wollen? Wem würde das nutzen? Außer Henryk, meine ich.

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Frédéric Mitterrand: La «Mauvaise Vie», le mauvais choix

October 26, 2009

Tribune de Gabriel Lévy

Les 4 Vérités – 20 octobre 2009

Frédéric Mitterrand au ministère de la culture: encore un mauvais choix de notre président!  Peu d’entre nous en comprennent la raison. Quelle peut-elle être?

L’effet incantatoire lié au nom de Mitterrand? 

Les électeurs qui ont élu M. Sarkozy en 2007 ne gardaient nullement la nostalgie d’un ancien président socialiste…. Et s’il fallait afficher un grand nom du socialisme dans la composition de son ministère, il disposait dans sa propre majorité d’un député (M. Blum, député UMP des Bouches-du-Rhône). La personnalité politique qui portait ce nom avant lui figure, de façon non contestée, au panthéon socialiste en compagnie de Jaurès. Mais pourquoi cette idée saugrenue d’aller quérir ses «fruits» dans le dessous du panier de ses opposants? Pourquoi nommer tant de ministres qui n’ont jamais reçu l’onction du suffrage universel?

Le style de l’écrivain Frédéric Mitterrand?

Assurément non. La description des déambulations nocturnes de M. Mitterrand n’a pas la légèreté, l’humour, l’autodérision de celle de M. Roger Peyrefitte sur le Zappeion d’Athènes. Les remugles de «l’avant-scène et de l’arrière scène» (sic) de la prostitution masculine donnent la nausée.

Convenons-en, nous n’étions pas obligés de les lire; mais dès lors qu’il s’agit d’un ministre de la culture de la France, et que ses «bonnes feuilles» s’impriment sur nos quotidiens, nous y sommes contraints.

La stature du nouveau ministre?

En déclarant, pour tenter d’excuser sa défense outrancière de M. Polanski: «J’étais dans un moment d’émotion très, très fort», il n’a pas manqué de s’attirer cette remarque: «Lorsqu’on est ministre, peut-on réagir sur le coup de l’émotion?»

Le respect des lois françaises?

Le président, ci-devant ministre de l’intérieur, avait été l’auteur d’une loi relative à la prostitution, en créant un nouveau délit: «le fait, par tout moyen, y compris par une attitude même passive, de procéder au racolage d’autrui en vue de l’inciter à des relations sexuelles en échange d’une rémunération ou d’une promesse de rémunération est puni de 2 mois d’emprisonnement et de 3 750 euros d’amende». Un membre d’un cabinet ministériel en avait immédiatement fait les frais. Mais ce n’était pas en Thaïlande et il ne s’agissait de prostitution masculine…Dommage, il aurait été ministre.

Allez encore prétendre après cela que  «ce n’est pas le titre qui honore  l’homme, mais l’homme qui honore le titre» (Machiavel).


Alan Posener’s Column: The Open Society and its Trends

October 23, 2009

by Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Something’s going on in Europe, and I don’t like it.

There’s the future German Foreign Minister Guido Westerwelle’s refusal to even listen to the question of a BBC correspondent, unless it’s put to him in German:

There’s the BBC giving the British National Party’s Nick Griffin a nationwide TV platform for his racist and anti-Semitic views.

And there’s people not only defending German Central Banker Thilo Sarrazin’s right to make racist comments, but denying that they are racist and demanding a muzzle for people who dare to say they are racist.

You only have to look at the comments on Youtube and elsewhere to realize what it is that is going on here: the political and chattering classes have abandoned the rules governing their chatter; nationalism, racism and intolerance in general are being allowed back into polite society after spending the past 40 years out in the cold.

Political correctness – that great civilizer – is dead. Multiculturalism is under siege. And the ban on anti-Semitism – which the Catholic Church has already lifted by welcoming back the anti-Semitic Pius Brotherhood into its ranks – will soon be as worthless as the paper on which Sir Karl Popper’s great book on the Open Society was written.

I mention Karl Popper, because in the age of Totalitarianism he confronted a vexing question of democracy head-on: was the open society bound by its own philosophical, legal and political parameters to tolerate the propaganda of its enemies?

Popper said no: there was no reason to tolerate intolerance; no reason to grant freedom to the enemies of freedom; there should be no openness towards the enemies of openness. People who want one man, one vote one time should not – as they were in Gaza – be allowed to contest elections. Democracy is more important than freedom; more important than truth; more important than justice – or any one of the multitude of ideas, concepts, slogans and ideals in whose name one could (and people have tried to) suspend democracy.

It’s always the enemies of tolerance who chafe at this seeming intolerance of democracy. One shouldn’t let oneself be fooled. People say, “If you stop people from saying what Sarrazin said, you are denying 80 percent of the population a voice.”

Well, if 80 percent of the population are racist, which I don’t believe for a moment, but I’m saying if, then fuck them and there’s all the more reason to keep a tight lid on what is said by public figures, isn’t there?

Popper didn’t call his book “The Majority Rules”, he called it “The Open Society”. Even 99 percent of the population don’t have the right to dismantle the open society and replace it with a society in which privileges are awarded or denied according to race, religion, creed, gender, sexual orientation or social background.

That’s what Europe has been about this past half-century. Let’s keep it that way.


Alan Poseners Kolumne: Weg mit dem Gesundheitsfonds!

October 16, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Vorneweg, ceterum censeo:

www.welt.de/videos/debatte/article4835598/Sarrazins-Rassismus-bleibt-Bullshit.html

Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um einen Telefonanruf.

Eine junge Frau ruft bei ihrer Frauenärztin an. Sie braucht einen Termin. Die Sprechstundenhilfe, nach einigem Hin und Her, im leicht genervten Ton: „Also, ich kann Ihnen frühestens am 2. Dezember einen Termin anbieten.“ Also in SECHS WOCHEN. Die junge Frau sagt zu, die Sprechstundenhilfe klickt ein bisschen in ihrem Computer herum, und plötzlich ertönt Warteschleifenmusik. Die junge Frau wartet. Dann ist eine völlig umgewandelte Sprechstundenhilfe dran: „Aber Frau P., Sie haben ja gar nicht gesagt, dass Sie Privatpatientin sind! Da hätten wir einen Termin für Sie, am 21.“ „November?“ „Wo denken Sie hin? Oktober!“ Also in EINER WOCHE.

Man hört immer, besonders von SPD-Seite, es gehe darum, „eine Zweiklassenmedizin in Deutschland zu verhindern“. Hallo? Wir haben längst eine Zweiklassenmedizin.

Und es geht nicht nur darum, dass eine Kassenpatientin sechs Wochen, eine Privatpatientin eine Woche auf einen Termin warten muss, obwohl das schlimm genug ist und in manchen Fällen den Unterschied zwischen einer gerade noch rechtzeitig erkannten und einer zu spät erkannten Krankheit bedeuten kann. Die praktizierte Medizin ist auch verschieden für Ober- und Untermenschen.

Ein Beispiel: Meine Frau ist als Beamtin privat versichert; ich bin als Angestellter freiwillig in der gesetzlichen (ich weiß… selber schuld… lange Geschichte.). Zufällig hatten wir in der letzten Zeit kurz hintereinander die gleichen Beschwerden entwickelt (das Phänomen nennt man bei langjährigen Ehepaaren oder Hundehaltern Anähnelung), und darum empfahl mir meine Frau auch ihren Orthopäden, der tatsächlich auch exakt die gleiche Diagnose stellte. Freilich war die Therapie völlig verschieden, was die verschriebenen Medikamente, Schmerz- und Hilfsmittel betrifft. Und zwar schlicht und einfach derart, dass ich weniger oder nichts bekam.

Vielleicht gibt es Ärzte, die keinen Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatienten machen; aber man darf annehmen, dass das die Ausnahmen sind. Die Dummen.

Noch einmal: wir haben längst eine Zweiklassenmedizin. Man kann sagen: das ist nun einmal so; alles, was über die Basisversorgung hinausgeht, muss eben privat versichert sein, und das können dann eben nur die Besserverdienenden – und dann ist jeder Besserverdienende, der wie ich in der gesetzlichen Versicherung bleibt, eben dumm.

Man kann leugnen, dass das so ist, wie die meisten Parteien, die Ärzteorganisationen und Versicherungen, die behaupten, es gehe ihnen darum, für jeden Patienten eine optimale Versorgung sicherzustellen. Wer ihnen glaubt, ist selber schuld.

Man kann wie in Großbritannien das System verstaatlichen, so dass es alle gleich schlecht haben – mit  Ausnahme der ganz Reichen, die sich in Abu Dhabi behandeln lassen, wohin auch die guten Ärzte auswandern.

Oder man kann eine private Gesundheitsfürsorge für alle einführen, mit kostendeckenden Beiträgen einerseits und Versicherungszwang andererseits – und die wirklich Bedürftigen, sagen wir Arbeitslose und Rentner, durch Zuschüsse staatlicherseits instand setzen, ihre Beiträge zu zahlen. Ich befürworte den letzten Vorschlag.

Und deshalb: Weg mit dem Gesundheitsfonds und der Einteilung von Menschen in Patienten erster und zweiter Klasse. Telefongespräche wie das eingangs geschilderte sollten so schnell wie möglich der Vergangenheit angehören. 

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


How We Can Win in Afghanistan

October 14, 2009

 

U.S. Soldiers with the 101st Division Special Troops Battalion, 101st Airborne Division watch as two Chinook helicopters fly in to take them back to Bagram Airfield, Afghanistan, November 4, 2008.

U.S. Soldiers with the 101st Division Special Troops Battalion, 101st Airborne Division watch as two Chinook helicopters fly in to take them back to Bagram Airfield, Afghanistan, November 4, 2008.

 

The most pressing issue on the U.S. president’s agenda today is whether he will commit more troops to Afghanistan – the “good war.”

In an article published in the November issue of Commentary Magazine, military historian Max Boot brings all his expertise to bear on explaining how the U.S. can win in that Taliban-plagued country.

But first we have to win the battle at home – the battle to convince Barack Obama to learn the right lessons from history and to heed the wise counsel of his own general, Stanley A. McChrystal.

Read full story.


Alan Poseners Kolumne: Benedikts Kreuzzug – Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft

October 13, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Konservative sind stolz darauf, die besseren Menschen zu sein. Andere mögen bessere Ideen haben; sie mögen moralisch anspruchsvoller sein (dann werden sie von den Konservativen verächtlich „Gutmenschen“ genannt), aber weil der Konservative seinen privaten Anstand über die Ideen der Menschheitsbeglücker stellt, ist er am Ende eben der wahre Gutmensch.

In den letzten Tagen hatte ich zwei Mal die Möglichkeit, dieses konservative Selbstbild zu überprüfen. Zwei Konservative, mit denen ich bekannt, ja beinahe befreundet bin, haben mein Buch über Benedikt XVI besprochen: der katholische Arzt, Psychiater und Theologe Dr. Manfred Lütz, und der CDU-nahe Publizist Dr. Alexander Gauland.

Hier sind die Besprechungen:

Dr. Manfred Lütz, Frankfurter Rundschau, 12.10.2009

Dr. Alexander Gauland, Deutschlandradio Kultur, 04.10.2009

Niemand hat sie gezwungen, das Buch zu besprechen – sie wurden von den Redaktionen darum gebeten, und auch Konservative sind nur Menschen. Beiden war ein wenig unwohl bei der Sache. Das weiß ich, weil der eine mich vorher angerufen hat, ums sich sozusagen von vornherein Absolution erteilen zu lassen für den beabsichtigten Verriss; der zweite rief mich danach an und fragte als erstes: „Na, reden Sie überhaupt noch mit mir?“ Beiden war natürlich klar, dass ich die Absolution erteilen würde, dass ich nicht vorhabe, öffentlich ausgetragene Meinungsverschiedenheiten persönlich zu nehmen. Ich heiße ja nicht Henryk M. Broder oder Ingo Langner.

Ich bin meinen konservativen Freunden schon deshalb nicht böse, weil ich von dem Grundsatz des großen Sam Goldwyn überzeugt bin: „There is no such thing as bad publicity.“ Jedenfalls hat mein Buch bei Amazon.de einen Sprung gemacht, der vielleicht auch auf die Intervention der beiden zurückzuführen ist. Ein weiterer Grund ist: ich bin eben ein netter Mensch.

Wie gesagt, ich bin nicht böse über böse Kritiken; verstört bin ich darüber, dass beide Kritiker es nötig fanden, ad hominem zu argumentieren, also ein Mittel zu verwenden, das sie selbst zu verabscheuen vorgeben, und das nach konservativem Selbstverständnis auch nicht statthaft ist. Nein, Quatsch, ich bin nicht verstört; denn ich habe selten erlebt, dass sich Konservative an ihre eigenen Grundsätze gehalten hätten. Die größten Vertreter von Familienwerten sind notorische Ehebrecher, die größten Schwulenfeinde sind heimliche Schwule, und so könnte man den Katalog konservativer Werte durchdeklinieren, einschließlich des Faktums, dass die drei größten „Konservativen“ der Nachkriegszeit – Adenauer, Reagan und Thatcher – ja nicht konservativ waren, sondern revolutionär. Was mich mit ihnen versöhnt. Aber nun zu unseren Autoren.

Beide müssen mich unbedingt als eifernden Konvertiten hinstellen: Lütz stellt mich als „Jünger“ Richard Dawkins’ hin, als hätte ich Dawkins’ „Gotteswahn“ gebraucht, um Atheist zu werden; Gauland kommt „leider nicht umhin, auf die linksradikale Vergangenheit des Autors hinzuweisen“, die er zwar überwunden habe, aber „wie so oft bei großen Konversionen“ leider „im Sinne des leidenschaftlichen Umarmens von Kapitalismus, Liberalismus, Demokratie und Marktwirtschaft“. Diese seien dessen „neue Götter“.

Man erkennt die Absicht und ist verstimmt: Atheist zu sein, und gar Dawkins zu mögen, gilt in Deutschland – anders als in England, wo es sogar innerhalb der Staatskirche eine agnostische Tradition gibt, und wo Dawkins zu den angesehensten Professoren der Universität Oxford gehört – immer noch als irgendwie anrüchig. Ein „Jünger“ ist jemand, der nicht selbst denkt. Kapitalismus, Liberalismus, Demokratie und Marktwirtschaft zu „umarmen“, ist fast noch schlimmer als Atheist und Darwinist zu sein, und eine „linksradikale Vergangenheit“ – in England Ausweis selbstständigen Denkens, siehe Orwell, Koestler, Berlin, Popper usw. usf. – gilt hier als Beweis von Charakterschwäche und macht einen des Achtundsechzigerturms verdächtig. Nein, man sollte möglichst immer in der Jungen Union gewesen sein, immer irgendwie an den christlichen Gott geglaubt haben, immer irgendwie skeptisch gegenüber „Kapitalismus, Liberalismus, Demokratie und Marktwirtschaft“ gewesen sein (aber nicht linksradikal, gell): sonst ist man irgendwie nicht ganz koscher.

Womit ich bei Alexander Gauland bin, dessen Text mich mehr geärgert hat als jener von Manfred Lütz. Dass mich Gauland mit Heine und Harden vergleich, schmeichelt natürlich. Ist es aber Zufall, dass diese beiden Juden sind? Der Artikel ist illustriert mit einem Bild, auf dem Papst Benedikt XVI dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres die Hand gibt: Was, bitte sehr, hat das mit meinem Buch zu tun? Es sei denn, man will „dem Juden“ Posener zeigen, dass auch „sein“ Staatspräsident dem Papst wohl gesonnen sei. Nun gut, vermutlich hat Alexander Gauland mit der Illustration nichts zu tun; das war die Redaktion von DeutschlandRadio Kultur. Die jedenfalls auch den Eindruck bekommen haben muss, hier ginge es darum, den deutschen Papst gegen einen jüdischen Angriff zu verteidigen. Und dann: Alexander Gauland und ich kennen uns lange genug, um wenigstens unsere Namen richtig schreiben zu können; er schreibt aber durchweg „Posner“. Immerhin steht „Posener“ auf dem Buchdeckel. Wie genau hat er also gelesen, bevor er seinem Zorn freien Lauf ließ?

Nichts für Ungut. Mit Manfred Lütz bin ich auf der Buchmesse zum Kaffee verabredet; mit Alexander Gauland werde ich sicher bald wieder in der Potsdamer „Ratswaage“ essen gehen. Die andere Wange, nicht wahr. Christen halten sie selten hin, Nichtchristen dafür umso öfter. Und meine Kritik an Benedikt war konservativer – im Sinne des konservativen Anspruchs, anständig zu sein – als diese konservative Kritik jener Kritik.

Link: Der anmaßende Papst, von Alan Posener, Frankfurter Rundschau, 15.10.2009

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Alan Poseners Kolumne: Der Untergang der doitschen Sozialdemokratie

September 30, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Unter den vielen Wrackteilen, die der Untergang des Tankers SPD an die Oberfläche spült, fand ich folgende Bemerkung von Wolfgang Thierse interessant: „Wir sind keine Wendehälse“, sagte er nach der Wahl des Verlierers Steinmeier zum vorläufigen Fraktionsvorsitzenden, „die heute ‚Hosianna!’ rufen und morgen ‚Kreuziget ihn!’“

Thierse spielt auf das Evangelium des Johannes an, dem zufolge (Joh. 12,12-19) „die Volksmenge“ Jesus von Nazareth beim Einzug in Jerusalem mit dem ruf „Hosanna!“ begrüßt hätten, und auf das Evangelium des Matthäus (Mat. 27,11-26), demzufolge „das Volk“, „die Menge“, das „ganze Volk“ wenige Tage später vom römischen Statthalter forderte: „Ans Kreuz mit ihm!“ Es folgt bei Matthäus jene berüchtigte Stelle, in der „das ganze Volk“ ruft: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Was sich die Christen nicht zweimal sagen ließen, sooft sie die Gelegenheit dazu hatten.

Nur nebenbei sei erwähnt, dass – vermutlich wahrheitsgemäß – bei Markus, Matthäus und Lukas durchscheint, nur die Jünger beim Einzug Jesu in Jerusalem „Hosianna!“ gerufen haben (vgl. Mat. 19,28-40); und dass die Geschichte von Pilatus, der seine Hände in Unschuld wächst, während die blutdürstigen Juden nach dem Tod des Messias rufen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit apokryph ist, eine Anbiederung der frühen Christen an die Besatzungsmacht, die den Wanderprediger aus dem Hause David hingerichtet haben, weil er den Anspruch erhob, „König der Juden“ zu sein. So schrieben sie es ja ans Kreuz, und es blieb den Christen vorbehalten, diesen Sachverhalt umzudeuten und zu behaupten, die Römer hätten den „Hohenpriestern“ die Drecksarbeit abgenommen, die Jesus wegen Blasphemie hingerichtet haben wollten.

Dass die jüdischen religiösen Autoritäten keine Probleme damit hatten, dieses dreckige und barbarische Geschäft selbst vollziehen zu lassen, zeigt sich an der Steinigung des Stephanus (Apostelgeschichte 7,54-8,1a), bei der ein gewisser Rabbiner namens Saul aus Tarsus teilnahm, und an der Hinrichtung von Jakobus, des Bruders Jesu, einige Jahrzehnte später, von dem uns Josephus Flavius berichtet.

Nun gut, aber was sagt der Katholik Wolfgang Thierse? 1943 geboren als Sohn eines Rechtsanwalts („Rechts“anwalts, sollte man zu allen sagen, die in jener Zeit „Recht“ sprachen), sagt der Mann, der als Literaturwissenschaftler in der DDR tätig war (Literatur„wissenschaftler“): wir SPDler sind nicht wie „die Juden“. Wir praktizieren doitsche Treue.

Dass in einem Volk, das 1933 dem Führer zujubelte und 1945 plötzlich entdeckte, das es immer schon antifaschistisch war, oder das am 1. Mai 40 Jahre lang brav mitjubelte, um dann 1989 zu entdecken, dass es immer schon antikommunistisch war (aber nach wie vor gern die SED wählt) – dass ausgerechnet in einem solchen Volk ein Politiker zur Illustration von Prinzipienlosigkeit, Verrat und Blindheit auf die Juden zurückgreifen muss, wäre ein Skandal, wenn es nicht das Erwartbare wäre.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Bundestagswahl 2009: Der liberale Herbst

September 27, 2009
 

fdp

LEITGLOSSE ZUR SCHLIESSUNG DER JAGDSAISON BZW. BUNDESTAGSWAHL 2009

von Narcisse Caméléon, Ressortleiter Deppologie der HIRAM7 REVIEW

FDP: DIE KUNST, EIN EGOIST ZU SEIN

Wir alle sind Egoisten, aber nur wenige verstehen es, das Beste für sich daraus zu machen. Die meisten Menschen passen sich lieber der Mitwelt an. Sie tun alles, um geliebt, gelobt und anerkannt zu werden. Damit machen sie sich zu Marionetten allgemeiner Verhaltensklischees und verzichten darauf, ihr eigenes Leben zu leben. (Josef Kirschner, Die Kunst, ein Egoist zu sein)

Ein Egoist entscheidet für sich selbst, hängt keinen Moden nach und redet niemandem nach dem Mund. Klingt unbequem? Nur für die, die uns manipulieren wollen.

In dieser Hinsicht können wir uns  über den unumstritten Sieg der Liberalen sehr freuen, die ein hoffentlich endgültiges Ende der Rot-Grünen Bevormundung in Aussicht stellt. Endlich Schluß mit der Tyrannei der Besserwisser à la Rot-Grün, die die von Gott gegebene Freiheit des Menschen durch (Rat)Schläge und Verbote einschränken wollen, um ihre eigene willkürliche Macht zu sichern…

Der Clou dieses Wahlabends: Ausgerechnet der Erfinder von Agenda 2010 und von Hartz IV, der Spitzenkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, spricht von sozialem Ausgleich und warnt vor Schwarz-Gelb…zum Totlachen! So sprach die Stimme der Selbstgerechten und Heuchler der Prosecco-Fraktion.

Die SPD und die Kriegspartei Bündnis Verrat an den Wählern/Die Grünen bzw. die Toskana-Fraktion-Linke (sprich Wasser predigen, aber Prosecco trinken) sollen in der politischen Wüste für die nächsten 20 Jahre krepieren, das haben sie reichlich verdient, nachdem sie ihre Wählerschaft jahrelang betrogen haben. 

Sic transit gloria lupi.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Alan Posener’s Column: German Election Blues – and Reds, Greens, and Yellows

September 24, 2009

by Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

With the German election drawing near, commentators have turned from castigating the politicians for the alleged lack of alternatives they present (bullshit, actually), to a more general wail of despair about an alleged crisis of democracy itself, as represented by the growth in the number of non-voters.

In the last election, we are told, non-voters were a bigger group than those who voted for Angela Merkel, and polls seem to indicate that the number of non-voters will be even higher this time around. Crisis! Bullshit again.

The point about democracy isn’t that everyone goes to vote. That’s what happens in dictatorships. The point about democracy is that I’m free to vote or not as I see fit. So if people don’t go to vote, that’s a sign that democracy is working.

The point about democracy isn’t that voting produces good governments. That’s patently not the case. The point about that democracy is that really bad governments can be voted out. (Good governments can be voted out, too.) Karl Popper once compared the democratic procedure to the procedure by which a scientific theory is defined. If a theory is scientific precisely because it can be falsified (J.B.S. Haldane’s famous “Precambrian rabbits” that would falsify Darwin’s theory of evolution), a government is democratic if it can be falsified – i.e. discarded – by the voters. If the voters choose not to – either by voting for the government or by not voting, i.e. not voting against it: well, that’s the way the democratic cookie crumbles.

As I said above, I don’t think the German election is boring at all. We have a clear choice: between Angela Merkel plus Walter Steinmeier and a continuation of the high-tax / high-spending CDU/CSU/SPD coalition, and Angela Merkel plus Guido Westerwelle and a CDU/CSU/FDP coalition dedicated to boosting growth through lower taxes. As a taxpayer, I know where I’m going to make my cross. It isn’t rocket science.

Ousting the Social Democrats from power will probably result in a putsch by the Left within the SPD, which will eventually lead to some form of rapprochement between the SPD and the “Linke”. This in turn will mean that in 2013 at the latest, probably much sooner, say 2011, a left-wing coalition will challenge Merkel’s right-of-centre government, and things will get really exciting again: How will the Greens react? Will they choose “Jamaica” in order to keep the extreme left out of power, or will they try to tame the left by joining a “Red-Red-Green” government?

And what will the electorate say? One good guess is: they won’t be staying at home.


American Jewish Committee’s Letter in NY Times on Goldstone Report

September 18, 2009

newyorktimes

Israel and Gaza: Which Standards Apply?

by Richard Sideman
President, American Jewish Committee
New York, September 18, 2009

To the Editor:
Re “Justice in Gaza” (Op-Ed, Sept. 17):

Richard Goldstone displays the same disregard for Israel and naivety regarding Hamas that permeates the report he wrote for the United Nations Human Rights Council.

Since its inception in 2006, the council has consistently demonized Israel while giving a free pass to some of the world’s worst tyrants, from Sudan to Iran. Mr. Goldstone largely neglects what prompted Israel to act militarily against Hamas.

Let’s be clear for historical accuracy. Israel’s military operation came after eight years of relentless rocket attacks from Gaza on Israeli towns and villages. Indeed, thousands of rockets were launched after Israel transferred the entire Gaza Strip to the Palestinians four years ago.

While the United Nations made no effort to stop the Palestinian rockets, Israel showed remarkable restraint over the years until it could not hold back anymore.

More disturbing, the Goldstone report has set a new standard for equating the behavior of democratic nations and terrorists.

He makes no moral distinction between Israel, a United Nations member state, and Hamas, a terrorist organization that violently seized control of Gaza two years ago from the Palestinian Authority.

The implications of this moral equivalency go beyond the Israeli-Palestinian conflict. In fact, they undermine the United States and other democracies facing asymmetrical warfare from adversaries who care little for international norms of war and international humanitarian law.

In sum, Mr. Goldstone’s conclusions are a disservice to the credibility of the United Nations itself.


UANI Calls on Gotham Hall to Deny President Ahmadinejad a Platform for Propaganda

September 18, 2009
 
  
 
 
Press Release
  
New York, September 18, 2009 – The think tank United Against Nuclear Iran (UANI) today called on Gotham Hall to refuse to host President Ahmadinejad and offered Gotham Hall an opportunity to clarify its role as the host of a banquet for the Iranian delegation and as host for a speech by President Ahmadinejad on September 25, 2009 during his stay in New York for the UN General Assembly. 
 
In a letter to Allen Kurtz, Managing Director of Gotham Hall, UANI President, Ambassador Mark D. Wallace wrote “UANI requests Gotham Hall to clarify and reconsider its decision to host the banquet and address and instead decline to provide such a venue for President Ahmadinejad.  As we expressed to area venues in July, UANI denounces any decision to host President Ahmadinejad in New York and calls upon Gotham Hall to join the international community in isolating Iran and condemning its illicit nuclear program.” 
 
“By doing business with the Iranian government Gotham Hall is accepting blood money from a regime that brutally suppresses its own people and that is a danger to global security.  Moreover, by providing a forum for President Ahmadinejad’s speech, Gotham Hall is serving as a bullhorn for the propaganda of the illegitimate leader of a brutal theocratic dictatorship.”
 
To the extent that Gotham Hall persists in its plans to host President Ahmadinejad UANI will call on members of the public to boycott Gotham Hall.
 
Press Contact: Kimmie Lipscomb

Alan Poseners Kolumne: Freiheit, die ich meine

September 18, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Liberale gibt es in Deutschland nicht. Liberale würden nach dem Mord in Solln und dem Amoklauf in Ansbach darauf hinweisen, dass Deutschland eines der sichersten Länder der Welt ist und dass deutsche Jugendliche in ihrer übergroßen Mehrheit gut gesittete, höfliche, fleißige, oft beängstigend liebe Leute sind.

Nur kommt eben auch im sichersten Land der Welt gelegentlich eine solche Scheußlichkeit vor wie in Solln; nur gibt es eben auf 999 angepasste Jugendliche einen, der durchdreht. Stattdessen heißt es landauf, landab. Wie konnte das passieren? Wer ist schuld? Wie kann man das künftig verhindern? Was müssen wir verbieten, gebieten, bestrafen, präventieren?

Es klingt zynisch, wenn man angesichts solcher Tragödien „Shit happens“ sagt, aber ich bleibe dabei. Shit happens. Jetzt ist aber wieder einmal die Stunde der Illiberalen von links und rechts, die nicht zugeben wollen, dass wir nicht allmächtig sind, dass wir nicht ein für alle Male verhindern können, dass sich Menschen böse verhalten. Mehr Jugendarbeit, fordern die einen; härtere Strafen fordern die anderen, und so schaukeln sie sich hoch, obwohl doch klar ist, dass allenfalls ein totalitärer Staat mit flächendeckender Betreuung, Bespitzelung und  Bewachung hoffen könnte, den gelegentlichen Ausbruch des Bösen zu verhindern. Dass also nur das totale, kollektive Böse das gelegentliche, individuelle Böse verschwinden machen kann.

Sicher ist es sinnvoll, darüber zu diskutieren, ob es mehr Kameras im öffentlichen Raum, mehr Sicherheitskräfte in den Bussen und Bahnen, mehr Prävention einerseits und andererseits auch konsequentere Ahndung von Straftaten geben soll. Aber nur, wenn man bereit ist, zuzugeben, dass auch diese Maßnahmen nicht verhindern werden, dass es gewalttätige Jugendgangs, dass es Verbrecher, dass es Ausgetickte geben wird. Wie die totale Entwaffnung der Bevölkerung aussehen müsste, sehen wir jedes Mal, wenn wir fliegen. Machbar ist das also. Wollen wir das?

Das Paradoxon ist nirgendwo besser analysiert worden als in Anthony Burgess’ Roman „A Clockwork Orange“. Dort zwar unter der Begrifflichkeit von Schuld, Verantwortung und Sühne: Burgess war ein bekennender, wenn auch gequälter Katholik; aber hinter diesen Begriffen steht die Freiheit, die immer auch die Freiheit zum Bösen ist.

Das Erstaunliche ist aber, wie selten in der Praxis der Mensch das Böse wählt, wie oft das Gute. Auf dieser Erfahrung beruht der Liberalismus.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Alan Poseners Kolumne: SteinbergRecherche – dumm, borniert, undifferenziert, antisemitisch

September 11, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Tilman Tarach, dessen Buch über Israel ich jedem wärmstens empfehlen kann hat mich darauf hingewiesen, dass „Steinbergrecherche“ mich als herausragendes Beispiel für die Spezies „Kriegsjude“ anführt:

Zunächst einmal muss man festhalten, dass Herr Steinberg zu jenen Leuten gehört, die man – wie etwa Gudi „die Ziege“ Eussner – unter „Who the fuck is…?“ ablegen muss.

Doch just for the record: Ich bin nicht Jude, schon gar nicht ein „bekennender“ Jude. Wäre Herr Steinberg nicht der strohdoofe Antisemit, der er offenbar ist, wüsste er das auch. Und dass Juden nichts „bekennen“, im Gegensatz zu Christen – einschließlich jener christlichen Häretiker, die man „Muslime” nennt: das müsste sich eigentlich herumgesprochen haben. Aber über Juden schreiben mit Vorliebe Leute, die von Juden und vom Judentum gar keine Ahnung haben: siehe auf der anderen Seite des Neurosenspektrums Clemens „der antideutsche Antisemitenschnüffler“ Heni.

Obwohl ich mich also wegen meiner englisch-schottischen Mutter nicht zum auserwählten Volk zählen darf (wohl hätte zu Zeiten von Kraft durch Freude wegen meines jüdischen Vaters einen Freifahrtschein nach Auschwitz bekommen können, und auch deshalb hätte ich bei Einwanderung in Israel ein Anrecht auf die israelische Staatsbürgerschaft) und mich als getaufter Anglikaner fröhlich zu meinem Atheismus bekenne, habe ich beschlossen, die Bezeichnung „Kriegsjude“ als Auszeichnung zu betrachten. Ich wünschte nur, ich hätte mehr getan, um sie zu verdienen.

And now for something completely different: Mein Buch über Papst Benedikt ist erschienen: Kauft massenhaft!

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Alan Posener’s Column: In response to David Gelernter’s criticism of Old Europe

September 7, 2009

In his contribution to the symposion on Why are Jews Liberals hosted this month by Commentary Magazine, American neoconservative author David Gelernter charged that Old Europe has nothing to offer to mankind in terms of culture and spirituality. Now Alan Posener fires back in the following op-ed.

David Gelernter’s Piece of Bullshit on Old Europe

An op-ed by Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

David Gelernter’s contribution to the Commentary Magazine’s Symposion on Why (American) Jews are Liberals was one of the most amazing pieces of bullshit I have ever read. And my job as a journalist forces me to read a lot of bullshit.

In his criticism of Europe – a kind of mirror-image of the typical French intellectual’s criticism of the USA and just as fact-free – Gelernter makes a number of astounding observations.

Gelernter writes: “The peoples of Western Europe have mostly lacked the religious intensity and genius of the Jews.” I realize that you don’t need to know anything about culture in order to become a computer scientist, but maybe Mr. Gelernter should take time out from studying bits and bytes (and raving) in order to visit a Gothic cathedral or to listen to one of Johann Sebastian Bach’s religious works – the Christmas Oratorio is quite accessible. So much for religious genius. And as for religious intensity, maybe Mr. Gelernter should study the history of the European religious wars, which led us to conclude that keeping religion out of government was a key to peace – a lesson enshrined in the US Constitution.

Gelernter writes: “America has a habit of despising intellectuals” (this is meant as a compliment), “while Europe worships and obeys them”. One would be hard put to find a single example of Europeans “worshipping and obeying” an intellectual. However, there are many instances of hatred for the intellectual – Nazi Germany, where “intellectual” was virtually synonymous with “Jewish”, and the Communist bloc, where “intellectual” was virtually synonymous with “petit-bourgeois class enemy” being two of the more recent examples.

Gelernter writes: “European sex seems to have developed the moral significance of an ATM transaction on a street corner.” I’ve no idea where Gelernter gets his data on European sex. I would like to point out, though, that, like the ATM machine, casual sex is an American import, via Hollywood movies and rock’n'roll. Correct me if I’m wrong, but I believe Woodstock is a village in the State of New York. As it happens, I’m a great fan of Hollywood, rock’n'roll and ATM machines, unlike the cultural conservatives who tell us that these inventions of the decadent Americans are sapping Europe’s moral fibre in order to deliver us into the hands of American capitalism (i.e. Jewry). But I must say I find it rich that Gelernter should simply turn the argument around. Nice joke. But bullshit.

Gelernter says that Europe has “a love affair with death”. A strange comment from someone who lives in a country where infant mortality rates are higher and life expectancy is lower than in Western Europe. (Of course, the bullshitter then turns around and says wimpy Europeans are afraid of death, which is why they want to cut and run in Afghanistan.) As proof for his assertion, Gelernter cites low birth-rates and high immigration levels. To start with the second aspect: until very recently, European conservatives criticized the USA for being a “mongrel culture” due to ist high levels of immigration. Again, Gelernter seems to have imbibed these European ideas and now switches into “Yah, boo, same to you”-mode. Cute, but bullshit. People come to Europe, as they do to America, because it is a damn good place to live. The idea that Europe’s “nations will be gone within a few generations” (Gelernter) can only occur to someone who doesn’t actually bother to do a reality check before sounding off. All studies show that immigrants to Europe are fast adopting European mores. Their birth-rate is declining, too. There is no reason to believe that a Muslim French woman should be less patriotic than a Jewish American.

David Gelernter writes: “Mulling German history in particular, one wonders whether the Germans were ever more than half-Christianized, whether paganism hasn’t always appealed to the lofty German Geist.” As we’ve seen, Gelernter doesn’t really “mull” history at all, or if he does, he only mulls his own preconceptions of history, not bothering with actual facts. The idea that the nation that brought forth Martin Luther – no name but one exemplar of the “lofty German Geist” – was only “half-Christianized” is absurd. But it does serve to obfuscate one fact that none of the contributors to the symposion reflect: the millions of Germans who voted for Hitler and served him till the last, the hundreds of thousands who worked on the “Final Solution” were not “half-Christianized” pagans. They were – often devout – Catholics and Protestants. This is an uncomfortable truth, a truth that the current Pope (a former Hitler Youth member) tries to deny, but a truth nevertheless.

It is for this reason that Jews in Europe and America would do well not to rely too heavily on Christian goodwill. Just because many Christians are more afraid of the Muslims at the moment does not mean that they are natural allies of the Jews. Antijudaism is enscribed into Christian teaching. I imagine that Gelernter, who apparently knows nothing about the history of Europe, hasn’t actually got round to reading the “New” Testament or the teachings of the Church Fathers, or the Acts of the Spanish Inquisition, or the Anti-Semitic rantings of Martin Luther. (But maybe he remembers Father Coughlin?)

I’m no friend of reactionary liberalism. But throwing yourself into the arms of reactionary conservativism isn’t the answer. Thinking for yourself is.


Alan Poseners Kolumne: Papst Benedikt und die deutsche Anti-Israel Lobby

September 3, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Robert Spaemann ist nicht irgendjemand. Der Philosoph ist Vordenker und Nachbeter des gegenwärtigen Papstes. Wenn sich also Spaemann zu Israel äußert, sollte man genau hinhören. Am 25. Juli 2009 veröffentlichte Spaemann einen Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ): „Schutz und Gehorsam“. Schon am nächsten Tag war er auf der Website der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, der wichtigsten Organisation der deutschen Anti-Israel-Lobby,  nachzulesen.

apbuch

Robert Spaemann beginnt mit der Feststellung: „Dem Staat Israel ist es in dem mehr als einen halben Jahrhundert seiner Existenz nicht gelungen, als bereichernder, selbstregulierender Teil der Region anerkannt zu werden.“

Das ist zweifellos richtig, und dafür gibt es Gründe, vornehmlich die Tatsache, dass die arabischen Führer kein Interesse an der Art Modernität haben, die Israel der Region seit seiner Gründung vorlebt. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, individuelle Freiheit, intellektuelle Lebendigkeit. (Das Interesse des Vatikans an diesen Errungenschaften der Moderne ist übrigens auch nicht stark ausgeprägt, aber das nur nebenbei.)  Spaemann macht aber Israel dafür verantwortlich, dass die meisten arabischen Staaten bis heute sein Existenzrecht nicht anerkennen: „(Israel) ist immer als Herr aufgetreten.“

Sagen wir es so: eine solche Schuldzuweisung ist zumindest einseitig.

Spaemann geht aber weiter: Israel habe sich nur deshalb ständig als Herr aufspielen können, weil es von den USA eine Schutzgarantie besitze. Wer auch nur elementare Kenntnisse der Geschichte des Nahostkonflikts besitzt, weiß zwar, das dies bis nach dem Sechstagekrieg 1967 keineswegs der Fall war; und dass die Schutzgarantie, die etwa die Bundesrepublik dank Besatzungsstatut und Nato genoss und genießt, viel stärker ist als die völkerrechtlich und militärisch unverbindlichen Erklärungen amerikanischer Präsidenten gegenüber Israel. Aber egal.

Aus dieser angeblichen Schutzfunktion der USA lautet Spaemann eine „Gehorsamspflicht“ Israels ab. Es sei nun einmal ein „Grundgesetz des politischen Lebens“: „Wer Schutz gewährt, muss die Bedingungen diktieren können.“ Und das täten die USA nicht, so dass sich Israel beständig „wie ein Halbwüchsiger handeln“ könne, der „nie die Suppe auslöffeln“ müsse, die er sich eingebrockt hat, weil „Papa es schon richten wird.“

Unsereiner dachte naiverweise, zum „Grundgesetz“ des Westens gehöre die Souveränität der Staaten, anders als im Ostblock unseligen Angedenkens. Wir dachten, über Israels Außenpolitik hätten Israels Regierungen zu entscheiden, und über Israels Regierungen die Wähler. Wir dachten, der „Zusammenhang von Schutz und Gehorsam“ sei mit dem Mittelalter verschwunden; und wir fragen uns, ob der Vatikan wirklich jemals bereit gewesen wäre, den Schutz, den ihm Italien und die Nato – also letztlich auch die USA – während des ganzen Kalten Kriegs gewährt haben, mit irgendeiner Form des „Gehorsams“ zu beantworten. Das war zwar der beständige Vorwurf der Kommunisten, die im Papst lediglich eine Propagandapuppe des US-Imperialismus sahen, aber gegen solche Anwürfe hat unsereiner die Päpste stets in Schutz genommen.

Und es ließe sich ohne weiteres nachweisen, dass der Vatikan seine Politik nie von den Interessen Italiens, der Nato oder des Westens diktieren ließ. Aber quod licet Jovi, non licet bovi, so mag Spaemann denken: natürlich gelten „politische Grundgesetze“ nicht für den Stellvertreter Gottes auf Erden. Sondern allenfalls für jene, die durch ihre bloße Existenz jenen Anspruch des Papstes, Gottes Stellvertreter und alleinbevollmächtigter Ausleger seines Willens zu sein, in Frage stellen: sein Volk – die Juden.

Was soll also Washington als Schutzmacht von seinem Mündel Israel laut Spaemann verlangen? Nun, zuerst die übliche Litanei einseitiger Vorleistungen: Stopp des Siedlungsbaus und dann „Beseitigung“ aller bisher gebauten Siedlungen und Beendigung der „Besatzung fremden Territoriums“. Gut, über die Sinnfälligkeit und die Erfolgsaussicht solcher Maßnahmen kann man rational unter Israelfreunden diskutieren.

Aber Spaemann verlangt viel mehr, und gilt es, aufzuhorchen: „Ferner: Israel verzichtet auf die ethnische Selbstdefinition, die jeden Nichtjuden in diesem Staat zum Fremden macht.“ Anders gesagt. Der Judenstaat verschwindet. Besser könnte es die Hamas auch nicht formulieren.

Es ist schon bemerkenswert, was herauskommt, wenn „es“ aus führenden Katholiken wieder einmal spricht. Von Papst Benedikt wäre – gemäß dem „Grundgesetz von Schutz und Gehorsam“ eine klare Zurückweisung solcher Gedankenspiele zu verlangen.

Schließlich kann sich Robert Spaemann solche Kindereien in einer großen Zeitung nur leisten, weil man – zu Recht – davon ausgeht, aus seinem Munde das zu hören, was Benedikt klammheimlich denkt.

Links

Alan Poseners Filmkritik über Inglourious Basterds

Alan Poseners neues Buch: Benedikts Kreuzzug – Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Why Are Jews Liberals?

September 2, 2009

In a new book out this month, columnist Norman Podhoretz addresses the question he says he is asked more frequently than any other:  “Why Are Jews Liberals?”

Bill Clinton – U.S. Democratic Party Icon

Six notable American Jewish thinkers, Rabbi David J. Wolpe, Dr. Jonathan D. Sarna,  Michael Medved, William Kristol, Jeff Jacoby, and David Gelernter, reflect on his argument in a Commentary Magazine Symposium.

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Senator Edward M. Kennedy’s Accomplishments

August 29, 2009

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Senator Edward M. Kennedy (1932-2009) has authored more than 2,500 bills throughout his career since 1962 in the United States Senate.  Of those bills, several hundred have become Public Law. 

Here is a sample of some of those laws, which have made a significant difference in the quality of life for the American people.


Schulle im Gewöhnlichen Sozialismus – Ein Episodenroman zur deutschen Zeitgeschichte

August 29, 2009
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Von Dr. Christof Tannert

Erschienen im Forum-Verlag Leipzig, Februar 2009

Exposé

Prototypische Charaktere der DDR werden in teils fiktiven, teils erlebten Biografien geschildert. Die Personen werden miteinander sowie mit einigen exemplarischen Westdeutschen konfrontiert. Als dramaturgische Kulisse dienen Szenario und Umfeld einer psychosomatischen Gruppentherapie. Es entstehen Einblicke in den „gewöhnlichen Verbalsozialismus“: Formungen und Verformungen von Menschen durch Alltag, Kleinbürgerei, Erziehungsdiktatur und staatliche Vormundschaft. Ein langsames Romanmittelteil vermittelt zwischen Generationen und Ideologien und zwischen den beiden (relativ schnellen) Eckteilen.

Der Roman hat autobiografische Bezüge. Er wurde vor allem gegen das Vergessen und gegen das immer mehr forcierte Verdrängen geschrieben.

Prolog

nach einem Suizidversuch.

Teil I  Karrieren

Kapitel 1: Der Dissident

Stephan Schulz, genannt Schulle: Physiker, DDR-Dissident, Stasi-Knast, danach von der Stasi andauernd überwacht, aber aus sozialistischer Überzeugung dennoch im Osten geblieben. Weil er de facto mit Berufsverbot belegt ist, arbeitet er seit Anfang der 80er Jahre als Hausmeister, und dann weiter nach 89, weil ihm das eine stressfreie, komfortable Nische zu sein scheint. Er ist aber nun wirtschaftlich von Entlassung und seelisch durch den Verlust von Hoffnung bedroht.

Kapitel 2: Die Anwältin

Cornelia, genannt Rote Conny: Tochter eines südwestdeutschen Schnapsfabrikanten, aktive 68erin aus der Frankfurter Sponti-Szene, Rechtsanwältin in Berlin-W, mit Schulle lange Zeit befreundet, auch sexuell liiert. Nach 89 politisch heimat- und bindungslos, Identitätskrise.

Kapitel 3: Der  Offizier

Jürgen-Dieter Henne, genannt Hühnchen, manchmal auch Hühnchen-Jüdie: Ex-Offizier der NVA („Nationale Volksarmee“ der DDR) und dort eine Art Liegenschaftsbeauftragter. Stasi-Zuträger aus Opportunismus, nach `89 mit Immobiliengeschäften in Sachsen betrauter Makler bei einer großen Firma. Später selbständig in der Branche und damit überfordert. National.

Kapitel 4: Die Pionierleiterin

Christa Krauss: ehemalige Pionierleiterin und Aushilfs-Lehrerin für Erdkunde. Ideologisch vormals übereifrig, eher zufällig von der Stasi nicht als Informelle Mitarbeiterin (IM) rekrutiert. Nach `89 virtuos gewendet („was diese Bonzen mit uns gemacht haben, wenn man das damals gewusst hätte, da  hätte man viel früher aufbegehrt“) und vom Nachfolgestaat als Lehrerin für Politische Weltkunde verbeamtet und damit überfordert. Politischer Rechtsdrall.

Kapitel 5: Der Politiker

Johannes Becker: Feingeist und Nischenmensch in der DDR, hoch gestellter Politiker nach dem 89er Umsturz. Konnte in der DDR keinen wirklichen Grund zum wirklichen Handeln erkennen.  Hat aber seinerzeit Schulle beim Stasi-Verhör aus Ängstlichkeit und aus Abneigung gegen dessen „Aktionismus“ belastet und will nun von ihm Absolution.

Kapitel 6: Die Müllwerkerin, der Müllwerker

Ilona Lehmann: der DDR-Prototyp schlechthin, d.h. um politische Unauffälligkeit bemüht, leise, akkurat, fleißig. Gastwirtstochter, Buchhändlerin. Nach dem 89er Umsturz Weiterbildung zur Betriebswirtin und nun städtische Angestellte im Personalbüro der Müllabfuhr. Muss sich dort vor allem mit Personalabbau befassen, was sie deprimiert.

„Blacky“, ehemaliger Chemielaborant, Müllfahrer, arbeitslos. Eigentlich „unpolitisch“, aber erpresst worden, für die Stasi zu spitzeln („IM“). Hat das nicht wirklich getan, wird dafür aber nun trotzdem und dauerhaft mit sozialer Deklassierung bestraft. Alkoholprobleme. In der Klinik beginnende Freundschaft mit Schulle, Ilona, Conny.

Teil II Ältere Damen in deutschen Gesprächen
Kapitel 7: Hilde und Herta

Zwei gebildete und wohlständige Damen gleichen Alters, die eine aus Ost-, die andere aus West-Deutschland, alleinstehend, unternehmungslustig, kulturvoll, streitbar.

Kapitel 8: Eisenbahngespräche

Mitte ihrer 70 lernen die beiden sich im Eisenbahnabteil auf der Fahrt von Warschau nach Berlin kennen. Sie stammen aus dem Memelgebiet, waren dort zur Besichtigung und sind sich in vielem gleich: Germanistinnen, wieder solo, ironisch. Besuch in Königsberg/ Kaliningrad, der Landschaft ihrer Kindheit und Jugend und Immanuel Kants und Hannah Ahrendts, Besuch in Warschau und dort auch am ehemaligen jüdischen Ghetto.

Spannungen (geringe) beim Kennenlernen àEisenbahngespräche über dt. Geschichte, Kant, Ethik, Totalitarismus, Alter, Zukunft, dt. Einheit

Kapitel 9: Schlössergespräche

Fortsetzung von Kapitel 7 und 8 und Verknüpfung zu Teil I und Teil III: Die Beiden gehen auf eine gemeinsame Schlösserfahrt durch Brandenburg, kommen dabei u.a. in die Psychosomatische Reha-Klinik und werden dort in einen akuten O-W-Streit einbezogen. Ausklang: Sie wollen ein brandenburgisches  „Herrenhaus“ kaufen und eine (Senioren)Kommunität begründen.

Teil III Reha-Klinik
Kapitel 10: Konzeptionen

Ein Arzt entwirft eine psychotherapeutische Gruppenkonzeption, kalkuliert mögliche Ost-West-Auseinandersetzungen ein und versucht auszutarieren, z.B. mit einer Oberstudienrätin aus Hessen (Frau Dyba).

Kapitel 11: Konstellationen

Begegnung der Hauptpersonen aus Teil I und Kapitel 10, manche kennen sich überraschenderweise von früher.

Kapitel 12: Konfrontationen

von Lebensgeschichten und gegenwärtigen „Befindlichkeiten“ im Therapiegespräch und an dessen Rand, oszillierend zwischen Opportunismus, Dissidenz, DDR-Erinnerungen, Nischen- und Beamtendasein.

Kapitel 13: Eskalationen

dramatische Fortsetzung von Kapitel 12 mit verbalen und körperlichen Schlagabtauschen

Kapitel 14: Grübeleien

einzeln und in Gruppe

Kapitel 15: Vorletzter Versuch

In dem Schloss, in dem die Reha-Klinik untergebracht ist, treffen die beiden alten Damen, der Politiker und die Therapiegruppe aufeinander à Konflikte und Diskurse.

Epilog

die Protagonisten gehen ihren Charakteren entsprechende mehr oder minder zeitgemäße Wege, Schulle ist definitiv gescheitert und hat sich bei Florenz das Leben genommen. Er hinterlässt ein Gedicht mit rätselhaftem Schluss.


Alan Poseners Kolumne: Dienstwagen und Diners

August 28, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener startet heute eine neue Kolumne. Er wird  wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW unter die Lupe nehmen.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Es ist schon komisch: Milliarden und Abermilliarden gibt die Regierung aus, um Banken zu retten, Firmen vor den Folgen unternehmerischer Fehlentscheidungen zu schützen oder dem Volk vor der Wahl zu neuen Autos zu verhelfen. Und worüber regt sich der Wähler auf?

Über die paar tausend Euro Steuergelder, die Ulla Schmidt verpulvert hat, um ihr Dienstauto und ihren Chauffeur in den Urlaub zu nehmen. Oder über Angela Merkels Geburtstagsessen für Josef Ackermann.

Eine solche Personalisierung der Politik ist Ausdruck einer Infantilisierung. Einer Kapitulation vor der Komplexität. Wer kann aus dem Kopf sagen, worin die Gesundheitsreform eigentlich besteht? Aber es sagt einem doch der gesunde Menschenverstand – also der Neid, dieser verlässlichste aller Sozialinstinkte, dass die Ministerin in Spanien keinen gepanzerten Dienstwagen mitsamt Chauffeur braucht. Unsereiner fährt doch auch Fiat Panda.

Und wer vermag schon zu beurteilen, ob die Banken, die ihrerseits gnadenlos jeden vor die Hunde gehen lassen, der seine Raten nicht zahlen kann, wirklich so systemisch relevant sind, dass sie ihrerseits nicht pleite gehen dürfen?

Aber es sagt einem doch der gesunde Bürgerneid, dass die Kanzlerin unsere Steuergelder nicht verpulvern darf, um  Herrn Ackermann ein Geburtstagsessen auszurichten. Vielleicht schweigt aber auch der Neid. Denn wir mögen die Kanzlerin.

Die Gesundheitsministerin hingegen können wir nicht leiden. Neulich mussten wir für die Zahnfüllung zuzahlen, und der Zahnarzt sagte, das sei wegen der Gesundheitsreform. Und dann fährt sie auch noch mit dem Dienstauto in den Urlaub!

Zwei Drittel aller neu zugelassenen Autos in Deutschland sind Dienstwagen. Man darf annehmen, dass damit auch privat gefahren wird, und dass nicht jede private Fahrt abgerechnet wird. Und wer private Essen als Geschäftsessen abrechnen kann, tut es. Wir haben die Politiker, die wir verdienen. Und gerade das nervt uns.

Natürlich nervt auch die Patzigkeit, mit der die ehemalige Genossin des Kommunistischen Bundes Westdeutschland und heutige Sozialdemokratin Ulla Schmidt ihr Recht auf einen Dienstwagen verteidigt. Ein bisschen Zerknirschtheit wäre angebracht. Deutsche Politiker sollten wenigstens so tun, als gehörten sie zu uns.

Was man Ulla Schmidt vorwerfen kann, ja muss, ist dies: sie hat dieses Grundgesetz der deutschen Politik vergessen. Das ist eher ein intellektuelles als ein moralisches Versagen. Umso schlimmer übrigens. Wie konnte sie glauben, das käme nicht raus? Oder dass sie damit durchkäme? Es kommt immer raus.

Und man kommt damit nicht durch. Es sei denn, man ist französischer Präsident. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


The Death of Conservatism

August 22, 2009

THE DEATH OF CONSERVATISM

The twenty-first season of American Enterprise Institute (AEI)’s Bradley Lecture Series will commence September 8, 2009 with Sam Tanenhaus, editor of The New York Times Book Review, discussing his book, The Death of Conservatism (Random House, 2009).

Sam Tanenhaus argues that for seventy-five years conservatives have been split into two factions: the “realists” who believe in the virtues of government and the “revanchists” who distrust government and society. He argues that the revanchists have won the argument and that this has caused conservatism to falter.

AEI’s Steven F. Hayward and Henry Olsen will respond to Sam Tanenhaus.

Date: Tuesday, September 8, 2009
Time: 5:00 PM – 6:30 PM
Location: Wohlstetter Conference Center, Twelfth Floor, AEI
1150 Seventeenth Street, N.W., Washington, D.C.

Media Contact: Veronique Rodman
American Enterprise Institute (AEI)
1150 Seventeenth Street, N.W.
Washington, D.C. 20036
Phone: 202-862-4870
E-mail: VRodman@aei.org


Leadership as Practical Ethics

August 8, 2009

A paper Leadership as Practical Ethics written by Dr. Joel Rosenthal, President of the Carnegie Council for Ethics in International Affairs, and presented at the US Army War College cosponsored research colloquium, Leadership and National Security Reform, is available at the Carnegie Council webseite.

“What does one need to know to be a leader in the field of public policy? I want to argue for the centrality of ethics as a basic component of leadership training for anyone pursuing a career in public and international affairs.

If you are a student, please take a moment to ask yourself what you have learned about ethics in your time in the classroom. If you are a teacher or administrator, consider what your curriculum covers in this regard. We know that medical students engage medical ethics, law students study legal ethics, business students take on business ethics, military officers study military ethics, and so on. So let’s ask ourselves, what should students and aspiring leaders in public affairs know about ethics to be considered professionals competent to practice?

By ethics, I do not mean simply compliance with law. Compliance is of course an essential part of ethics. But it is only a beginning. Compliance is a floor, a minimum upon which to build. Many actions in government, business, or private life comply with the law but are not optimal from an ethical perspective.

Examples are all around us. British members of parliament may not have broken laws when they used expense accounts to bill tax payers for lifestyle enhancements such as moat cleaning, the upkeep of expensive second homes, or the rental of adult movies. But surely this kind of behavior was wrong. In more serious policy matters, it may well be that most of our major banks and financial institutions were in full compliance with the law when it came to the management of credit default swaps and derivative trading. Yet something went very wrong in the area of risk and responsibility. There are many things we can do and still be in compliance with law—but some of them are wrong. Ethical reasoning helps us make these distinctions.”

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The targeting of Israel and Darfur by the Arab world

August 2, 2009

by Dr. Kenneth Levin

The world’s media have given scant coverage lately to the ongoing genocide in Darfur, and – despite extensive reporting on Israel and the Arab-Israeli conflict – they have likewise offered little on the continuing campaign of genocidal incitement against Israel by her enemies.

While seeming very separate issues, the two campaigns, and the choice by media and world leaders largely to ignore both, are, in fact, connected.

On one level, of course, the connection is obvious. Israel-hatred is spearheaded by the Arab world; in virtually every Arab nation, demonizing and delegitimizing of Israel, and often of Jews, is a staple of government-controlled media, schools and mosques. This is true even of the Arab states with which Israel is formally at peace. At the same time, the Arab world is the chief support of fellow Arab leader Omar Hassan al-Bashir and his Sudanese regime’s genocidal assault on the Muslim blacks of Darfur. Illustrative was the Arab League’s unanimous, effusive embrace and defense of al-Bashir at its meeting in Doha, Qatar, in March, shortly after his indictment by the International Criminal Court for war crimes and crimes against humanity.

Efforts at mass murder directed at Israel and the genocidal assault on the Muslim but non-Arab people of Darfur flow from the same mindset.

Tunisian human rights activist Mohammed Bechri several years ago argued that to understand Arab support for the genocide in Darfur, one has to recognize the “twin fascisms” – Bechri’s term – that dominate the Arab world: Islamism and Pan-Arabism. The first rejects the legitimacy of any non-Muslim group within what the Arabs perceive as their proper domain; the latter takes the same view towards any non-Arab group. The genocidal rhetoric, and efforts at mass murder, directed at Israel, and the genocidal assault on the Muslim but non-Arab people of Darfur follow from this mindset. (Bechri’s “twin fascisms” also account for the besiegement of Christians across the Arab world and backing for Sudan’s murder of some two million Christian and animist blacks in the south of the country. They help explain as well broad Arab support for the mass murder of Kurds – a Muslim but non-Arab people – in Iraq by Saddam Hussein and for the besiegement of the Kurds of Syria and the Berbers – another non-Arab Muslim group – in Algeria.)

But the connection between animosity towards Israel and coldness towards the victims in Darfur extends beyond the Arab world. It embraces, for example, all those European leaders who bend their consciences to accommodate Arab power – in oil, money and strategic territories – and who may pay lip service to recognizing the murderous incitement and related threats faced by Israel or to deploring the crimes suffered by Darfur but refuse to take serious steps to curb either.

Nor are American leaders entirely free of similar predilections. President Bush (43) was certainly sympathetic to Israel’s predicament. But he sought to assuage Arab opinion by pushing for rapid movement towards a Palestinian state and endorsing Machmoud Abbas as Israel’s “peace” partner, even as Abbas refused to recognize the legitimacy of a Jewish state, consistently praised anti-Israel terror and stood fast in demanding a “right of return” that would turn Israel into yet another Arab-dominated entity. (On Darfur, the “moderate” Abbas responded to the ICC indictment by declaring, “We must also take a decisive stance of solidarity alongside fraternal Sudan and President Omar al-Bashir.”) Regarding Darfur, President Bush led the way in condemning Sudan’s campaign of mass murder and rape and first calling it a genocide. But — already attacked for the wars in Iraq and Afghanistan — he was not prepared to act aggressively against a third Muslim nation, even though doing so would have been aimed at saving hundreds of thousands of Muslim lives.

President Obama has adopted winning over Arab and broader Muslim opinion as a foreign policy priority and he has shown little interest in according more than verbal acknowledgment to the threats facing Israel. At the same time, those in the Muslim world whose good opinion he is most seeking to win are not the Muslims of Darfur but rather Darfur’s oppressors and their supporters. Some of President Obama’s ardent backers have expressed dismay, and have been openly critical of him, for what they see as his reneging on campaign pledges to put Darfur at the top of his agenda. (For example, Kirsten Powers, “Bam’s Darfur Sins,” in the New York Post, May 11, 2009). But given his focus on appeasing Muslims hostile to America, his inaction on Darfur should not surprise.

In major Western media as well, deference to Arab opinion vis-a-vis Israel has generally been accompanied by silence on the central role of the Arab world in providing support for Sudan’s actions in Darfur. While the Arab League’s embrace in Doha of Sudanese President al-Bashir was widely reported, few major outlets offered editorial criticism of the Arab stance — The Washington Post being a notable exception. The New York Times, which for decades has used both “news stories” and editorials to argue that Israeli concessions are the key to peace and has refused to cover the genocidal incitement against Israel and Jews endemic in Palestinian and broader Arab media, mosques and schools, offered no editorial opinion on the Doha meeting.

Kristoff generally avoided the Arab role in supporting the genocide.

Several years ago, the Times‘ Nicholas Kristof won a Pulitzer Prize for his op-ed coverage of the slaughter in Darfur. Kristof is a constant critic of Israel and, like his bosses, avoids the issue of rejection of Israel’s legitimacy, and promotion of genocidal hatred towards the Jewish state, by its Arab neighbors. In a similar vein, for all his extensive writing on Darfur, he generally avoided the Arab role in supporting the genocide. In some forty op-eds on Darfur published between March, 2004, and April, 2006, shortly after he won the Pulitzer, Kristof devoted only five sentences to Arab backing of the Sudanese regime, and that in an article focused on China’s shameful complicity in Darfur.

But if all this not is very surprising, there are also more curious aspects to the convergence of animosity, often of murderous dimensions, towards Israel and sympathy for, or at least indulgence of, those who perpetrate the genocide in Darfur.

For example, while Egypt has not overtly broken with the unanimous Arab League support for al-Bashir, Egyptian President Mubarak chose not to attend the Doha conference, and he and some other Arab leaders have been worried about the Islamist Sudanese regime’s close ties to Iran and to Iran’s radical Arab allies, Syria, Hezbollah and Hamas. Yet a number of Western leaders, who advocate “dialogue” with Iran, Syria, Hezbollah and Hamas, prefer to ignore their genocidal agenda towards Israel and their leading role in aiding Sudan’s genocidal government – in effect, outpacing Egyptian backing of al-Bashir by soft-pedaling the role in Sudan of those most supportive of al-Bashir’s murderous regime.

Iran has long given extensive financial assistance to the Sudanese government, has provided its forces with weapons and training and has underwritten Chinese provision of arms to al-Bashir. Sudan, again with Iran serving as financier and mid-wife, has also been a training ground for Hamas, fostering as well an ongoing cross-fertilization between Hamas and the militias responsible for the Darfur genocide. Hezbollah and Syria have likewise been in the forefront of Sudan’s supporters and enablers.

Following the International Criminal Court’s action against al-Bashir, a delegation of his radical allies quickly arrived in Khartoum in a show of solidarity with their indicted brother. It included the speaker of Iran’s parliament, Ali Larijani, Hamas leader Moussa Abu Marzouk, Syrian parliament speaker Mahmoud al-Abrash and an official of Hezbollah. Hamas also sponsored a large pro-Sudan march in Gaza.

But inevitably, Khartoum’s allies’ contributions to the Darfur genocide, like their promotion of genocide vis-a-vis Israel, are ignored by those eager for diplomatic engagement with them.

Also in early March, around the time of the ICC indictment, the British Foreign Office, led by Foreign Secretary David Miliband, announced its agreement to talks with Hezbollah. More recently, European Union foreign policy chief Javier Solana and French Foreign Minister Bernard Kouchner have met with Hezbollah representatives. Hezbollah head Nasrallah’s commitment to the murder of all Jews – as in his 2002 statement that “if [the Jews] all gather in Israel, it will save us the trouble of going after them worldwide” (in the past Hezbollah has gone after them as far afield as in Argentina) – was hardly something Miliband and the Foreign Office, or the Quai D’Orsay, or Solana and the European Union, or those British and continental media sympathetic to Hezbollah, were about to note. Nor were they going to note Hezbollah’s support for Sudan’s policies in Darfur.

Similarly, those many European leaders promoting engagement with Hamas typically avoid acknowledging Hamas’s call in its charter for the slaughter of all Jews, its teaching Palestinian children – in its schools and on children’s television – that Jews are eternal enemies of Islam and must be annihilated, and its other purveying of genocidal Jew-hatred. In April, the Dutch Labor party demanded that the European Union sanction Israel if it refuses to accept Hamas as a negotiating partner. Dutch Labor party leaders and like-minded European politicians, in their efforts to push acceptance of Hamas, soft-pedal its aims regarding Israelis and Jews and likewise say little about Hamas’s support of and contributions to Sudan’s genocidal assault on the blacks of Darfur.

European media that are hostile to Israel also virtually ignore Hamas’s genocidal policies and actions regarding both Israel and Darfur. British news outlets such as The Guardian and The Independent, which had barely covered years of Hamas rocket and mortar attacks on Israeli communities, or Hamas use of civilians and civilian facilities as shields for its attacks, but excoriated Israel when it responded with its assault on Hamas beginning in December, 2008, are likewise essentially silent regarding Hamas’s promotion of mass murder in Israel and support for mass murder in Darfur. The same is true for myriad news outlets on the Continent.

Most American political leaders have shunned Hamas for its commitment — in words and deeds – to Israel’s destruction and for its genocidal agenda. (There are some notable exceptions such as Jimmy Carter, who has met with Hamas chief Khaled Meshaal and urged including Hamas in “peace” talks.) But many American media organizations, particularly those, like the New York Times, most committed to portraying Israeli policy as the major obstacle to peace, have followed their European counterparts in saying little of Hamas’s genocidal policies regarding Jews or of its support for Sudan’s genocidal policies in Darfur.

Even people whom one might expect to identify most closely with the victims of the Darfur genocide often do nothing, or limit their actions to words, or actually lend support to the perpetrators, in large part because of pro-Arab sympathies or hostility to Israel. Congress has one Muslim black representative, Minnesota’s Keith Ellison, and Ellison has at times spoken out against the Darfur genocide. In April, for example, he joined a protest at the Sudanese embassy in Washington and was arrested along with other demonstrators. But Ellison has consistently supported pro-Hamas groups in America. He also aggressively embraced the Hamas line in last winter’s Gaza War in terms of alleged civilian casualties and Israeli misdeeds while remaining silent on Hamas use of civilians and civilian facilities as shields for attacks on Israel. Ellison has likewise never publicly addressed Hamas’s alliance with Sudan and its backing of Sudanese policies in Darfur. Alignment with those arrayed against Israel seems to trump criticism of those arrayed against Darfur for the Minnesota congressman.

The major force driving genocidal agendas toward Israel and Darfur is, again, Arab supremacism. It is abetted in the wider world by power politics, as well as by, in many quarters, a twisted ideological allegiance whose credo requires that hostility to the Jewish state and consequent sympathy for, or prettifying of, those dedicated to her destruction trumps sympathy for Darfur and criticism of those participating in its people’s annihilation. The overall result is that powerful links between murderous hatred towards Israel and support for, or at least accommodation of, genocide in Darfur are a fixture of today’s geopolitics and go largely unchallenged.

A longer version of this article originally appeared on www.frontpagemag.com.

Reprinted with kindly permission of Aish HaTorah International.