Drei Wagners sind eine zu viel

Monday, April 14, 2008

In einem Brief an den Bayreuther Stiftungsrat verspricht Wolfgang Wagner, abzudanken, falls seine Töchter Eva und Katharina die Thronfolge gemeinsam übernehmen würden. Die sind bereit, und die Urenkelin Richard Wagners und Ur-Urenkelin von Franz Liszt, Nike, ist aus dem Feld geschlagen.

In der Tageszeitung Die Welt kommentiert Manuel Brug den Putsch des Halbschwestern-Duos Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier:

“Man kann sich wunderbar ausmalen, wie seifenopernähnlich es jetzt hinter den Wahnfried-Kulissen zugehen wird. Denn der bis auf das schwarze Schaf Gottfried plötzlich wiedervereinte Wolfgang-Stamm triumphiert wohlmöglich nun doch über die Linie Wielands in Gestalt von dessen zu spitzzüngiger Tochter Nike.” Zum Artikel.

Im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt kontert Nike Wagner:

“Um in der Führungskrise in Bayreuth weiterzukommen, sucht der Stiftungsrat nach einer Lösung des politischen ‘Durchwinkens’. Man beugt sich dabei weiterhin den Forderungen des greisen Wolfgang Wagner. Ohne Rücksicht auf künstlerische Erwägungen.”

Vollständiges Gespräch lesen.


Frankreich entdeckt(e) Kleist

Saturday, March 15, 2008
Die Tageszeitung Die Welt bespricht Pariser Inszenierungen von Heinrich von Kleists Penthesilea und Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe, vergisst aber dabei zu erwähnen, dass die Franzosen den deutschen Dramatiker schon lange kennen.
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Theater-Legende Gérard Philipe in Der Prinz von Homburg

Bertolt Brecht über Kleists Stück “Der Prinz von Homburg”:

Oh Garten, künstlich in dem märkischen Sand!
Oh Geistersehn in preußisch blauer Nacht!
Oh Held, von Todesfurcht ins Knien gebracht!
Ausbund von Kriegerstolz und Knechtsverstand!

Rückgrat, zerbrochen mit dem Lorbeerstock!
Du hast gesiegt, doch wars dir nicht befohlen.
Ach, da umhalst nicht Nike dich! Dich holen
Des Fürsten Büttel feixend in den Block.

So sehen wir ihn denn, der da gemeutert,
Mit Todesfurcht gereinigt und geläutert,
Mit Todesschweiß kalt unterm Siegeslaub.

Sein Degen ist noch neben ihm: in Stücken.
Tot ist er nicht, doch liegt er auf dem Rücken
Mit allen Feinden Brandenburgs in Staub.

Paris, 15. Juni 1939

Bereits 1966 wurde Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe im Pariser Théâtre Montparnasse aufgeführt (nach einer Inszenierung des Avantgarde-Klassikers Jean Anouilh, u.a. Autor einer herausragenden Fassung des Theaterstücks Antigone, das eine bedeutende Rolle für die französische Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg spielte). Datum der ersten Aufführung war der 30. September 1966, Todestag von André Breton, der ein großer Bewunderer des Stücks war: “Das Wunderbare, der mittelalterliche Mythos der wahnsinnigen Leidenschaft, das verfluchte Schicksal Kleists, gibt es etwas Surrealistischeres?” schwärmte er. Ferner hatte Jean Vilar 1951 den Prinz von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin mit dem Wunderkind des französischen Theaters Gérard Philipe (ironischerweise oder tragischerweise war sein Vater Kollaborateur des antisemitischen Vichy-Regime im besetzten Frankreich, und er überzeugter Widerständler) in der Hauptrolle auf dem Festival von Avignon inszeniert.

Daher kann von Entdeckung keine Rede sein, allerhöchstens eine Wiederentdeckung Kleists. Der Artikel ist trotzdem lesenswert.

“Frankreich und die Romantik, das passte eigentlich nie zusammen. Hier glaubt das Theater nicht an Mythen und Mysterien, sondern an Denksysteme, an den Körper, an das Liebesleben im Hier und Jetzt. Eine Dramatik wie die Heinrich von Kleists hat sich in Frankreich nicht heraus bilden können. Schon vor der Revolution war hier das Theater laizistisch. Das Verhalten der Theaterfiguren erklärt sich rational.

Heute indes ist man fasziniert von der Romantik, traut ihr aber nicht über den Weg. Zwar schlägt Gérard de Nerval eine Brücke zu Hölderlin, zwar wird ein revolutionärer Geist wie Büchner für seinen Woyzeck geliebt, aber weder Goethe noch Lessing oder Kleist und Schiller sind Stammgäste auf Frankreichs Bühnen.”

Zum Artikel.


Tod eines Handlungsreisenden

Friday, December 21, 2007

Schauspiel von Arthur Miller (1915-2005)

Bereits 1947 geschrieben, wurde das Stück 1949 in New York am Morosco Theater von Elia Kazan uraufgeführt und 1984 von Volker Schlöndorff mit Dustin Hoffman verfilmt. 1992 inszenierte Arthur Miller selbst noch einmal eine Aufführung seines Dramas in Stockholm.

Der Handlungsreisende Willy Loman, ein Selfmademan, glaubt, dass er es bis nach ganz oben schaffen kann, wenn er nur tüchtig genug ist. Und wenn nicht, dann seine beiden Söhne, in die er alle seine Hoffnungen und Wünsche legt. Ein Leben lang hat Loman für die Familie gearbeitet, damit sie es einmal besser hat als er. Doch der Traum von der Familienidylle in einer heilen Welt zerplatzt. Denn Lomans Söhne sind nicht so erfolgreich, wie der Vater sie immer sieht. Im Gegenteil, sie verweigern sich dem Erfolgsdruck und den Lebenslügen des Vaters: Biff ist auf die schiefe Bahn geraten, und Happy läuft nur noch den Frauen nach.

Als Loman auch noch seinen Job verliert, bricht für ihn die Welt zusammen. Er fühlt sich beruflich und privat als Versager und sieht nur noch im Selbstmord einen Ausweg. Sein letztes Geschäft macht Loman mit dem eigenen Tod.

Arthur Millers 60 Jahre altes Stück hat nichts von seiner Aktualität verloren. Die Phänomene sind sich gleich geblieben: Die Schwierigkeiten, sich in einem zunehmend als inhuman empfundenen Wirtschaftssystem, in dem es nur noch Gewinner oder Verlierer gibt, zu behaupten, den damit verbundenen Druck auf die Familie - all das sind längst keine Einzelphänomene mehr.

Arthur Miller wurde 1915 als Sohn jüdischer Einwanderer in New York geboren. Die Weltwirtschaftskrise 1929 hat ihn entscheidend geprägt, und so ist der Verlust aller wirtschaftlichen und sozialen Sicherheiten, das Ausgeliefertsein des Einzelnen in der Gesellschaft, zentrales Thema seiner Stücke. Der Tod eines Handlungsreisenden wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und brachte ihm Weltruhm.

Termine:
Theater Magdeburg: 29.12.2007, 13.01.2008 und 07.02.2008, jeweils um 19 Uhr 30

Kontakt:
Theater Magdeburg / Kathrin Singer, Pressestelle
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg
www.theater-magdeburg.de
Telefon: (0391) 540 64 05


Gespräch mit der Schauspielerin Anica Dobra

Tuesday, October 16, 2007

Eine oscarverdächtige Rolle spielt die bildhübsche serbische Schauspielerin Anica Dobra in der anspruchsvollen deutsch-serbisch-ungarischen Kinoproduktion Klopka - Die Falle.

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Im Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt spricht sie über ihr Leben zwischen Deutschland und Ihrer Heimat Serbien.

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“Wenn man in einem Land lebt, als Gast, oder für immer, egal, wo auf der Welt, sollte man natürlich authentisch bleiben. Aber man muss sich auch assimilieren und die Sprache beherrschen. Das finde ich zivilisiert und fair. Und dann wird man auch in seinem Anderssein akzeptiert. Später habe ich dann davon profitiert, als ich 1988 in Deutschland meinen ersten Film gemacht habe.”

Vollständiges Gespräch lesen.

Bildmaterial: Mit freundlicher Genehmigung von David Cuenca.


Disparition de Michel Serrault

Monday, July 30, 2007

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Talent de comique hors-pair, mais aussi acteur dramatique impressionnant, Michel Serrault est décédé le 29 juillet 2007 d’un cancer dans sa résidence secondaire de Honfleur, à l’âge de 79 ans.

En plus de cinquante ans de carrière, il avait tourné dans quelque 135 longs métrages sous la direction des plus grands réalisateurs, parmi lesquels Michel Audiard, Henri-Georges Clouzot, Claude Chabrol, Georges Lautner, Bertrand Blier, Claude Zidi et Jean-Pierre Mocky. Cinq fois nominé, il a obtenu trois Césars du cinéma: en 1979 pour son plus grand succès, “La cage aux folles“, 1982 pour “Garde à vue” et 1996 pour “Nelly et Monsieur Arnaud“.

Jean-Pierre Mocky a réagi ce matin au décès de Michel Serrault en regrettant une “perte immense”. “Michel, je croyais qu’il était immortel (…) Je pensais qu’il irait jusqu’à l’âge de Charles Vanel qui est mort à 97 ans et qui tournait encore avec moi à 97 ans”, a souligné sur RTL le réalisateur pour lequel Michel Serrault avait notamment tourné les deux films “Le Miraculé” et “A mort l’arbitre“.

“Ca a été mon acteur fétiche après Bourvil. Quand Bourvil est mort, il a remplacé Bourvil dans les rôles que j’avait prévus pour Bourvil. Il est devenu mon ami dès 1966. C’est pour moi quelque chose d’immense sa perte. Aujourd’hui, il y a tout un tas de rôles que je ne sais pas à qui donner. Déjà à la mort de Bourvil, je me demandais qui allait le remplacer et j’avais trouvé Serrault mais maintenant, je ne sais vraiment pas qui va remplacer Serrault. Je ne le vois pas”, a ajouté Jean-Pierre Mocky.

Voir également l’article du Figaro: Michel Serrault, le plus mélancolique des comiques quitte la scène.


Bayreuther Festspiele 2007: Tradition, Revolution und Reaktion

Friday, July 27, 2007

Katharina Wagners Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg bei den Bayreuther Festspielen war eine sehr schwache Leistung, meint Marianne Zelger-Vogt in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ):

“Sachs dankt ab, Stolzing passt sich an, Beckmesser wird zum Bilderstürmer, der die Kunstszene neu aufmischt - ein Kommentar zum heutigen Opernbetrieb im Allgemeinen und zu den Bayreuther Festspielen im Besonderen? So mag es gemeint sein. Doch das Ganze bleibt zu sehr Kopfgeburt, einerseits überfrachtet mit Einfällen und Requisiten, anderseits mit großen Leerstellen - die ganze ideologische Rezeptionsgeschichte der ‘Nazi-Oper’ ‘Meistersinger’ bleibt ausgeblendet.”

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Ebenfalls spießig und banal urteilt Peter Uehling in der Berliner Zeitung Katharina Wagners Interpretation der Meistersinger:

“Dass vom Schuhemachen und von der Liebe nicht unprominent die Rede, auf der Bühne jedoch nichts davon zu sehen ist, lässt weite Teile der Musik sinnlos vorüberziehen. Vor allem werden auf diese Weise Ambivalenzen kassiert. Lösen die Schuhe und das Schustertum im Stück weitverzweigte Anspielungen aus, so stehen sie hier lediglich für Anpassung, zudem in einer dramaturgisch unvermittelten Symbolhaftigkeit. Katharina Wagner setzt negative Vorzeichen vor Momente, die bei ihrem Urgroßvater gar nicht so eindeutig positiv gemeint waren, jetzt aber jede Mehrdeutigkeit eingebüßt haben. Ihre schlichte Lösung des Kunstdiskurses ist sauberer und damit spießiger als die des Stücks: Hier der dumme Mainstream, dort der gute Avantgardist. Der Klamauk, den sie statt einer Komödie inszeniert, ist dabei selbst der grässlichste Mainstream.”

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Bayreuther Festspiele: das hohe W

Saturday, July 21, 2007

Am 26.07.2007 gibt Katharina, Urenkelin des deutschen Komponisten Richard Wagner, ihr Regiedebüt in Bayreuth. Christine Lemke-Matwey fürchtet inzwischen in dem Tagesspiegel die drohende Normalität bei den Bayreuther Festspielen:

“Bayreuth Wolfgang Wagner muss in seinem Leben viel Angst gehabt haben. Davor, den Festspielschatz eines Tages an irgendeinen Familien-Alberich, irgendeine dahergelaufene Alberichine wieder abtreten zu müssen. Angst vor Sabotage, Intrigen, Schlupflöchern im System. Angst vor seiner Mutter Winifred auch, die bis zu ihrem Tod 1980 (da war er 61) im Hintergrund viele Fäden zog. Und Angst vor Gudrun, seiner zweiten Frau, die längst selbst das Zepter schwingt. An all das hatte man sich gewöhnt. Mehr noch: Man liebte es, gegen die Festungsmauern Sturm zu laufen, sich Jahr für Jahr neu zu erregen. Über die Egomanie des Regiments und den Niedergang der Kunst. Man liebte es, wie man Bayreuth liebte, heiß, hingebungsvoll, sehnsüchtig, mit all seinen idyllischen Lauschigkeiten und Spießigkeiten. Noch die Hunde auf dem Grünen Hügel werden ermahnt, ihr Geschäft aus hygienischen Gründen nicht in den umliegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen zu verrichten (es dankt der Bezirk Oberfranken). Und mit all dem soll jetzt Schluss sein, nur weil eine 29-Jährige, die zufällig die Tochter des greisen Festspielleiters ist und dessen Nachfolge antreten will, gnadenlos ihr eigenes Ding durchzieht?”

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