Das Spektakel ist die ununterbrochene Rede, die die gegenwärtige Ordnung über sich selbst hält, ihr lobpreisender Monolog. Es ist die Sonne, die in dem Reich der modernen Passivität nie untergeht. Es bedeckt die ganze Oberfläche der Welt und badet endlos in seinem eigenen Ruhm. Es ist das Gegenteil des Dialogs. Denn es stellt alles zur Debatte – nur nicht sich selbst. (Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels)
MANN DES JAHRES 2008 – Bundeswirtschaftsminister Michael Glos bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts 2008 bzw. Verleihung des Eigenlobpreises: “Liebe Mägde und Knechte, alles wird gut! Den Steuersatz für die Putzkolonne der oberen Zehntausend haben wir drastisch gesenkt, damit die Oberschicht bis zu 20.000 Euro jährlich Kosten für Haushaltshilfe von der Steuer absetzen kann. Sozialismus für Reiche!”
FRAU DES JAHRES 2008 - Germany’s Next Topmoppel, Grünen-Vorsitzende und Bundesempörungsbeauftragte Claudia Roth:”Ein Satz, den ich oft höre ist: Sie sind zwar furchtbar aber wenigstens echt” gesteht sie als gelernter Menschenrechtsprofi und umgeschulte Atomkraftaussteigerin. Atomkraftausstieg? Morgen, Morgen, nur nicht heute… Oder lieber doch Ausstieg aus dem Ausstieg? Hoffentlich finden die Wähler einen Ausstieg für Claudia Roth…aus der Politik.
TIEFPUNKT DES JAHRES 2008 – Die Gesellschaft des permanenten Spektakels feiert sich selbst und koppelt sich damit immer mehr von der Wirklichkeit ab…
Liebe Leser und Sponsoren der HIRAM7 REVIEW, und nicht zuletzt Freunde der offenen Gesellschaft,
Unser besonderer Dank gilt natürlich den Selbstdarstellern des Polit- und Medien-Schmierentheaters, die (auch wenn unfreiwillig) diesen hoffentlich scharfsinnigen Rückblick ermöglicht haben…
Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken wünscht allen HIRAM7 REVIEW, und möge 2009 genauso satirereif wie 2008 werden!
Mit freundlichen Grüßen
David Ben-Hame, Herausgeber von HIRAM7 REVIEW
Anmerkung der Redaktion: fällt diesmal aus, da der Herausgeber David Ben-Hame eigenmächtig und ohne Vorwarnung die gesamte Redaktion gefeuert hat, nachdem sie sich über ihn lustig gemacht hat. Er sei ein “höchst (ein)gebildeter FDP-naher Wichtigtuer, stolzer Zionist und einfältiger Pro-Amerikaner”, so der Tenor der letzten Anmerkung der Redaktion. Die Freiheit der Rede ist nicht schrankenlos. Bis eine neue und obrigkeitshörige Redaktion, die sich und sowohl den Pluralis majestatis als auch den Pluralis auctoris beherrscht, gewählt wird, wird die Rubrik “Anmerkung der Redaktion” nicht weitergeführt. Wir bitten um Nachsicht.
***
Zum guten (Jahresab)Schluss und zur künftigen Eröffnung der Jagdsaison bzw. Bundestagswahl 2009: ein ironisches und prophetisches Gedicht von Heinrich Heine.
Die Wahlesel
Die Freiheit hat man satt am End’,
Und die Republik der Tiere
Begehrte, dass ein einz’ger Regent
Sie absolut regiere.
Jedwede Tiergattung versammelte sich,
Wahlzettel wurden geschrieben;
Parteisucht wütete fürchterlich,
Intrigen wurden getrieben.
Das Komitee der Esel ward
Von Alt-Langohren regieret;
Sie hatten die Köpfe mit einer Kokard’,
Die schwarz-rot-gold, verzieret.
Es gab eine kleine Pferdepartei,
Doch wagte sie nicht zu stimmen;
Sie hatte Angst vor dem Geschrei
Der Alt-Langohren, der grimmen.
Als einer jedoch die Kandidatur
Des Rosses empfahl, mit Zeter
Ein Alt-Langohr in die Rede ihm fuhr,
Und schrie: “Du bist ein Verräter!
Du bist ein Verräter, es fließt in dir
Kein Tropfen vom Eselsblute;
Du bist kein Esel, ich glaube schier,
Dich warf eine welsche Stute.
Du stammst vom Zebra vielleicht, die Haut,
Sie ist gestreift zebräisch;
Auch deiner Stimme näselnder Laut
Klingt ziemlich ägyptisch-hebräisch.
Und wärst du kein Fremdling, so bist du doch nur
Verstandesesel, ein kalter;
Du kennst nicht die Tiefen der Eselsnatur,
Dir klingt nicht ihr mystischer Psalter.
Ich aber versenkte die Seele ganz
In jenes süße Gedösel;
Ich bin ein Esel, in meinem Schwanz
Ist jedes Haar ein Esel.
Ich bin kein Römling, ich bin kein Slaw’;
Ein deutscher Esel bin ich,
Gleich meinen Vätern. Sie waren so brav,
So pflanzenwüchsig, so sinnig.
Sie spielten nicht mit Galanterei
Frivole Lasterspiele;
Sie trabten täglich, frisch-fromm-fröhlich-frei,
Mit ihren Säcken zur Mühle.
Die Väter sind nicht tot! Im Grab
Nur ihre Häute liegen,
Die sterblichen Hüllen. Vom Himmel herab
Schaun sie auf uns mit Vergnügen.
Verklärte Esel im Glorialicht!
Wir wollen euch immer gleichen
Und niemals von dem Pfad der Pflicht
Nur einen Fingerbreit weichen.
O welche Wonne, ein Esel zu sein!
Ein Enkel von solchen Langohren!
Ich möcht es von allen Dächern schrein:
Ich bin als ein Esel geboren.
Der große Esel, der mich erzeugt,
Er war von deutschem Stamme;
Mit deutscher Eselsmilch gesäugt
Hat mich die Mutter, die Mamme.
Ich bin ein Esel, und will getreu,
Wie meine Väter, die Alten,
An der alten, lieben Eselei,
Am Eseltume halten.
Und weil ich ein Esel, so rat ich euch,
Den Esel zum König zu wählen;
Wir stiften das große Eselreich,
Wo nur die Esel befehlen.
Wir alle sind Esel! I-A! I-A!
Wir sind keine Pferdeknechte.
Fort mit den Rossen! Es lebe, hurra!
Der König vom Eselsgeschlechte!”
So sprach der Patriot. Im Saal
Die Esel Beifall rufen.
Sie waren alle national,
Und stampften mit den Hufen.
Sie haben des Redners Haupt geschmückt
Mit einem Eichenkranze.
Er dankte stumm, und hochbeglückt
Wedelt’ er mit dem Schwanze.


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