Jahresrückblick 2008: Prosa, Polemik und Dynamit

December 27, 2008

Das Spektakel ist die ununterbrochene Rede, die die gegenwärtige Ordnung über sich selbst hält, ihr lobpreisender Monolog. Es ist die Sonne, die in dem Reich der modernen Passivität nie untergeht. Es bedeckt die ganze Oberfläche der Welt und badet endlos in seinem eigenen Ruhm. Es ist das Gegenteil des Dialogs. Denn es stellt alles zur Debatte – nur nicht sich selbst. (Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels)

MANN DES JAHRES 2008 – Bundeswirtschaftsminister Michael Glos bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts 2008 bzw. Verleihung des Eigenlobpreises: “Liebe Mägde und Knechte, alles wird gut! Den Steuersatz für die Putzkolonne der oberen Zehntausend haben wir drastisch gesenkt, damit die Oberschicht bis zu 20.000 Euro jährlich Kosten für Haushaltshilfe von der Steuer absetzen kann. Sozialismus für Reiche!”

FRAU DES JAHRES 2008 - Germany’s Next Topmoppel, Grünen-Vorsitzende und Bundesempörungsbeauftragte Claudia Roth:”Ein Satz, den ich oft höre ist: Sie sind zwar furchtbar aber wenigstens echt” gesteht sie als gelernter Menschenrechtsprofi und umgeschulte Atomkraftaussteigerin. Atomkraftausstieg? Morgen, Morgen, nur nicht heute… Oder lieber doch Ausstieg aus dem Ausstieg? Hoffentlich finden die Wähler einen Ausstieg für Claudia Roth…aus der Politik.
TIEFPUNKT DES JAHRES 2008 – Die Gesellschaft des permanenten Spektakels feiert sich selbst und koppelt sich damit immer mehr von der Wirklichkeit ab…

Liebe Leser und Sponsoren der HIRAM7 REVIEW, und nicht zuletzt Freunde der offenen Gesellschaft,

unser besonderer Jahresrückblick für das Jahr 2008 kann hier ab sofort heruntergeladen und gelesen werden.

Unser besonderer Dank gilt natürlich den Selbstdarstellern des Polit- und Medien-Schmierentheaters, die (auch wenn unfreiwillig) diesen hoffentlich scharfsinnigen Rückblick ermöglicht haben…

Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken wünscht allen HIRAM7 REVIEW, und möge 2009 genauso satirereif wie 2008 werden!

Mit freundlichen Grüßen

David Ben-Hame, Herausgeber von HIRAM7 REVIEW

Anmerkung der Redaktion: fällt diesmal aus, da der Herausgeber David Ben-Hame eigenmächtig und ohne Vorwarnung die gesamte Redaktion gefeuert hat, nachdem sie sich über ihn lustig gemacht hat. Er sei ein “höchst (ein)gebildeter FDP-naher Wichtigtuer, stolzer Zionist und einfältiger Pro-Amerikaner”, so der Tenor der letzten Anmerkung der Redaktion. Die Freiheit der Rede ist nicht schrankenlos. Bis eine neue und obrigkeitshörige Redaktion, die sich und sowohl den Pluralis majestatis als auch den Pluralis auctoris beherrscht, gewählt wird, wird die Rubrik “Anmerkung der Redaktion” nicht weitergeführt. Wir bitten um Nachsicht.

***

Zum guten (Jahresab)Schluss und zur künftigen Eröffnung der Jagdsaison bzw. Bundestagswahl 2009: ein ironisches und prophetisches Gedicht von Heinrich Heine.

Die Wahlesel

Die Freiheit hat man satt am End’,
Und die Republik der Tiere
Begehrte, dass ein einz’ger Regent
Sie absolut regiere.

Jedwede Tiergattung versammelte sich,
Wahlzettel wurden geschrieben;
Parteisucht wütete fürchterlich,
Intrigen wurden getrieben.

Das Komitee der Esel ward
Von Alt-Langohren regieret;
Sie hatten die Köpfe mit einer Kokard’,
Die schwarz-rot-gold, verzieret.

Es gab eine kleine Pferdepartei,
Doch wagte sie nicht zu stimmen;
Sie hatte Angst vor dem Geschrei
Der Alt-Langohren, der grimmen.

Als einer jedoch die Kandidatur
Des Rosses empfahl, mit Zeter
Ein Alt-Langohr in die Rede ihm fuhr,
Und schrie: “Du bist ein Verräter!

Du bist ein Verräter, es fließt in dir
Kein Tropfen vom Eselsblute;
Du bist kein Esel, ich glaube schier,
Dich warf eine welsche Stute.

Du stammst vom Zebra vielleicht, die Haut,
Sie ist gestreift zebräisch;
Auch deiner Stimme näselnder Laut
Klingt ziemlich ägyptisch-hebräisch.

Und wärst du kein Fremdling, so bist du doch nur
Verstandesesel, ein kalter;
Du kennst nicht die Tiefen der Eselsnatur,
Dir klingt nicht ihr mystischer Psalter.

Ich aber versenkte die Seele ganz
In jenes süße Gedösel;
Ich bin ein Esel, in meinem Schwanz
Ist jedes Haar ein Esel.

Ich bin kein Römling, ich bin kein Slaw’;
Ein deutscher Esel bin ich,
Gleich meinen Vätern. Sie waren so brav,
So pflanzenwüchsig, so sinnig.

Sie spielten nicht mit Galanterei
Frivole Lasterspiele;
Sie trabten täglich, frisch-fromm-fröhlich-frei,
Mit ihren Säcken zur Mühle.

Die Väter sind nicht tot! Im Grab
Nur ihre Häute liegen,
Die sterblichen Hüllen. Vom Himmel herab
Schaun sie auf uns mit Vergnügen.

Verklärte Esel im Glorialicht!
Wir wollen euch immer gleichen
Und niemals von dem Pfad der Pflicht
Nur einen Fingerbreit weichen.

O welche Wonne, ein Esel zu sein!
Ein Enkel von solchen Langohren!
Ich möcht es von allen Dächern schrein:
Ich bin als ein Esel geboren.

Der große Esel, der mich erzeugt,
Er war von deutschem Stamme;
Mit deutscher Eselsmilch gesäugt
Hat mich die Mutter, die Mamme.

Ich bin ein Esel, und will getreu,
Wie meine Väter, die Alten,
An der alten, lieben Eselei,
Am Eseltume halten.

Und weil ich ein Esel, so rat ich euch,
Den Esel zum König zu wählen;
Wir stiften das große Eselreich,
Wo nur die Esel befehlen.

Wir alle sind Esel! I-A! I-A!
Wir sind keine Pferdeknechte.
Fort mit den Rossen! Es lebe, hurra!
Der König vom Eselsgeschlechte!”

So sprach der Patriot. Im Saal
Die Esel Beifall rufen.
Sie waren alle national,
Und stampften mit den Hufen.

Sie haben des Redners Haupt geschmückt
Mit einem Eichenkranze.
Er dankte stumm, und hochbeglückt
Wedelt’ er mit dem Schwanze.


Voilà un homme: Napoléon und Goethe in Erfurt

September 27, 2008
Alea iacta est: Napoléon überquert die Alpen (Gemälde von J.-L. David)

Je näher die Leute bei Napoléon standen, desto mehr bewunderten sie ihn. Bei sonstigen Helden ist das Umgekehrte der Fall. Er war nicht von jenem Holz, woraus man die Könige macht – er war von jenem Marmor, woraus man Götter macht. (Heinrich Heine)

Napoléon war ein Naturereignis. Ihn einen großen Schlächter schmähen heißt nichts anderes, als ein Erdbeben groben Unfug schelten oder ein Gewitter öffentliche Ruhestörung. (Christian Morgenstern)

Goethe hatte kein größeres Erlebnis, als jenes ens realissimum (i.e. das allerwirklichste Sein), das Napoléon heißt. (Friedrich Nietzsche)

In der Neuen Zürcher Zeitung  wirft der Literaturwissenschaftler Adolf Muschg einen Blick auf das historische Treffen zwischen dem Retter der Französischen Revolution, Wiederhersteller der staatlichen Ordnung und schöpferischen Genie, dem Kaiser der Franzosen Napoléon Bonaparte (geboren Napoleone Buonaparte im damaligen italienischen Korsika…musste sein Geburtsdatum um ein Jahr fälschen, um in der französischen Armee aufgenommen zu werden, weil er ein Jahr vor dem Verkauf Korsikas an Frankreich geboren wurde; von solchen unbekannten Kleinigkeiten hängt die grosse Weltgeschichte ab) und dem Dichter der Deutschen Johann Wolfgang von Goethe am Rande des Erfurter Fürstenkongresses am 2. Oktober 1808, heute vor 200 Jahren.

Eine zweite Begegnung fand vier Tage später beim Hofball in Weimar statt. Nach der Aufführung von La mort de César, einer Tragödie von Voltaire, bat er Goethe, nach Paris zu kommen und eine Cäsar-Tragödie zu schreiben. Goethe fühlte sich durch diese Audienz und das am 14. Oktober 1808 verliehene Kreuz der Ehrenlegion sehr geehrt.

“Vous êtes un homme (oder Voilà un homme ): so Napoléon zu Goethe am Sonntag, dem 2. Oktober 1808, kurz nach 10 Uhr morgens bei ihrer ersten Begegnung in der Statthalterei zu Erfurt. Schlichter und grandioser kann man einen Menschen nicht begrüssen.”

Zum Artikel.


Peter Handke oder der Triumph eines Außenseiters

May 26, 2008

Ein jeder trägt eine produktive Einzigkeit in sich, als den Kern seines Wesens; und wenn er sich dieser Einzigkeit bewußt wird, erscheint um ihn ein fremdartiger Glanz, der des Ungewöhnlichen. (Friedrich Nietzsche)

Eigensinnig wie Heinrich Heine verfolgt Peter Handke in seinem Werk seinen Weg zu einer offenen Wahrheit. Den poetischen Blick auf die Welt setzt er rücksichtslos gegen die veröffentlichte Meinung und deren Rituale. (Die Jury zur Begründung ihrer Entscheidung, Peter Handke den Heinrich-Heine-Preis zu verleihen, den er auf Grund einer gegen ihn gerichtete Medienkampagne ablehnen musste.)

Der Österreicher Peter Handke, der in Frankreich zuhause ist und dort als Dichter und Schriftsteller mit rarem Mut zum eigenen Standpunkt (sprich jenseits des bequemen und ungebildeten Mainstream-Denkens) gefeiert wird, gilt im deutschsprachigen Raum als sehr umstritten, wenn nicht verpönt (wegen seiner eigenwilligen Meinung zur Kosovo-Frage, wurde er von den deutschen Medien regelrecht ausgeschlachtet), wie einst Friedrich Nietzsche, als er gegen die geistige Plumpheit seiner Zeitgenossen schimpfte. Wie die Franzosen zu Recht sagen: “Nul n’est prophète en son pays”.

Für die 100. Sendung Gero von Boehm begegnet auf 3Sat besuchte der in Paris und Heidelberg lebende Journalist Gero von Boehm den österreichischen Steppenwolf Peter Handke in seiner französischen Zuflucht bei Paris.

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Der schwedische Chinese

May 24, 2008

Der schwedische Theaterregisseur und Schriftsteller Henning Mankell, dessen umstrittenen politischen Roman Der Chinese demnächst erscheint, nimmt im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kein Blatt vor den Mund.

“Es stimmt, dass die chinesische Regierung sich einen Dreck darum kümmert, was in Darfur oder Zimbabwe passiert. Manchmal sind sie gezwungen, Stellung zu beziehen, aber im Grunde kümmert es sie genauso wenig, wie sie wollen, dass der Westen sich um die Menschenrechte in China kümmert. Das ist natürlich nicht gut. Andererseits spüre ich auch viel Heuchelei. Wer würde denn auf die Idee kommen, Olympische Spiele in den Vereinigten Staaten zu boykottieren, weil die sich so wenig für Menschenrechte einsetzen? Wenn es einen terroristischen Staat auf der Welt gibt, ist das Amerika. Außerdem glaube ich, dass der Westen neidisch auf den Erfolg der Chinesen in Afrika ist. Also kritisieren wir die Chinesen hintenherum. Was für eine Heuchelei. Um mit der Bibel zu sprechen: Wir sollten uns erst um den Balken im eigenen Auge kümmern.”

Vollständiges Gespräch lesen.


Drei Wagners sind eine zu viel

April 14, 2008

In einem Brief an den Bayreuther Stiftungsrat verspricht Wolfgang Wagner, abzudanken, falls seine Töchter Eva und Katharina die Thronfolge gemeinsam übernehmen würden. Die sind bereit, und die Urenkelin Richard Wagners und Ur-Urenkelin von Franz Liszt, Nike, ist aus dem Feld geschlagen.

In der Tageszeitung Die Welt kommentiert Manuel Brug den Putsch des Halbschwestern-Duos Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier:

“Man kann sich wunderbar ausmalen, wie seifenopernähnlich es jetzt hinter den Wahnfried-Kulissen zugehen wird. Denn der bis auf das schwarze Schaf Gottfried plötzlich wiedervereinte Wolfgang-Stamm triumphiert wohlmöglich nun doch über die Linie Wielands in Gestalt von dessen zu spitzzüngiger Tochter Nike.” Zum Artikel.

Im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt kontert Nike Wagner:

“Um in der Führungskrise in Bayreuth weiterzukommen, sucht der Stiftungsrat nach einer Lösung des politischen ‘Durchwinkens’. Man beugt sich dabei weiterhin den Forderungen des greisen Wolfgang Wagner. Ohne Rücksicht auf künstlerische Erwägungen.”

Vollständiges Gespräch lesen.


Frankreich entdeckt(e) Kleist

March 15, 2008
Die Tageszeitung Die Welt bespricht Pariser Inszenierungen von Heinrich von Kleists Penthesilea und Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe, vergisst aber dabei zu erwähnen, dass die Franzosen den deutschen Dramatiker schon lange kennen.
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Theater-Legende Gérard Philipe in Der Prinz von Homburg

Bertolt Brecht über Kleists Stück “Der Prinz von Homburg”:

Oh Garten, künstlich in dem märkischen Sand!
Oh Geistersehn in preußisch blauer Nacht!
Oh Held, von Todesfurcht ins Knien gebracht!
Ausbund von Kriegerstolz und Knechtsverstand!

Rückgrat, zerbrochen mit dem Lorbeerstock!
Du hast gesiegt, doch wars dir nicht befohlen.
Ach, da umhalst nicht Nike dich! Dich holen
Des Fürsten Büttel feixend in den Block.

So sehen wir ihn denn, der da gemeutert,
Mit Todesfurcht gereinigt und geläutert,
Mit Todesschweiß kalt unterm Siegeslaub.

Sein Degen ist noch neben ihm: in Stücken.
Tot ist er nicht, doch liegt er auf dem Rücken
Mit allen Feinden Brandenburgs in Staub.

Paris, 15. Juni 1939

Bereits 1966 wurde Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe im Pariser Théâtre Montparnasse aufgeführt (nach einer Inszenierung des Avantgarde-Klassikers Jean Anouilh, u.a. Autor einer herausragenden Fassung des Theaterstücks Antigone, das eine bedeutende Rolle für die französische Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg spielte). Datum der ersten Aufführung war der 30. September 1966, Todestag von André Breton, der ein großer Bewunderer des Stücks war: “Das Wunderbare, der mittelalterliche Mythos der wahnsinnigen Leidenschaft, das verfluchte Schicksal Kleists, gibt es etwas Surrealistischeres?” schwärmte er. Ferner hatte Jean Vilar 1951 den Prinz von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin mit dem Wunderkind des französischen Theaters Gérard Philipe (ironischerweise oder tragischerweise war sein Vater Kollaborateur des antisemitischen Vichy-Regime im besetzten Frankreich, und er überzeugter Widerständler) in der Hauptrolle auf dem Festival von Avignon inszeniert.

Daher kann von Entdeckung keine Rede sein, allerhöchstens eine Wiederentdeckung Kleists. Der Artikel ist trotzdem lesenswert.

“Frankreich und die Romantik, das passte eigentlich nie zusammen. Hier glaubt das Theater nicht an Mythen und Mysterien, sondern an Denksysteme, an den Körper, an das Liebesleben im Hier und Jetzt. Eine Dramatik wie die Heinrich von Kleists hat sich in Frankreich nicht heraus bilden können. Schon vor der Revolution war hier das Theater laizistisch. Das Verhalten der Theaterfiguren erklärt sich rational.

Heute indes ist man fasziniert von der Romantik, traut ihr aber nicht über den Weg. Zwar schlägt Gérard de Nerval eine Brücke zu Hölderlin, zwar wird ein revolutionärer Geist wie Büchner für seinen Woyzeck geliebt, aber weder Goethe noch Lessing oder Kleist und Schiller sind Stammgäste auf Frankreichs Bühnen.”

Zum Artikel.


Tod eines Handlungsreisenden

December 21, 2007

Schauspiel von Arthur Miller (1915-2005)

Bereits 1947 geschrieben, wurde das Stück 1949 in New York am Morosco Theater von Elia Kazan uraufgeführt und 1984 von Volker Schlöndorff mit Dustin Hoffman verfilmt. 1992 inszenierte Arthur Miller selbst noch einmal eine Aufführung seines Dramas in Stockholm.

Der Handlungsreisende Willy Loman, ein Selfmademan, glaubt, dass er es bis nach ganz oben schaffen kann, wenn er nur tüchtig genug ist. Und wenn nicht, dann seine beiden Söhne, in die er alle seine Hoffnungen und Wünsche legt. Ein Leben lang hat Loman für die Familie gearbeitet, damit sie es einmal besser hat als er. Doch der Traum von der Familienidylle in einer heilen Welt zerplatzt. Denn Lomans Söhne sind nicht so erfolgreich, wie der Vater sie immer sieht. Im Gegenteil, sie verweigern sich dem Erfolgsdruck und den Lebenslügen des Vaters: Biff ist auf die schiefe Bahn geraten, und Happy läuft nur noch den Frauen nach.

Als Loman auch noch seinen Job verliert, bricht für ihn die Welt zusammen. Er fühlt sich beruflich und privat als Versager und sieht nur noch im Selbstmord einen Ausweg. Sein letztes Geschäft macht Loman mit dem eigenen Tod.

Arthur Millers 60 Jahre altes Stück hat nichts von seiner Aktualität verloren. Die Phänomene sind sich gleich geblieben: Die Schwierigkeiten, sich in einem zunehmend als inhuman empfundenen Wirtschaftssystem, in dem es nur noch Gewinner oder Verlierer gibt, zu behaupten, den damit verbundenen Druck auf die Familie – all das sind längst keine Einzelphänomene mehr.

Arthur Miller wurde 1915 als Sohn jüdischer Einwanderer in New York geboren. Die Weltwirtschaftskrise 1929 hat ihn entscheidend geprägt, und so ist der Verlust aller wirtschaftlichen und sozialen Sicherheiten, das Ausgeliefertsein des Einzelnen in der Gesellschaft, zentrales Thema seiner Stücke. Der Tod eines Handlungsreisenden wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und brachte ihm Weltruhm.

Termine:
Theater Magdeburg: 29.12.2007, 13.01.2008 und 07.02.2008, jeweils um 19 Uhr 30

Kontakt:
Theater Magdeburg / Kathrin Singer, Pressestelle
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg
www.theater-magdeburg.de
Telefon: (0391) 540 64 05


Gespräch mit der Schauspielerin Anica Dobra

October 16, 2007

Eine oscarverdächtige Rolle spielt die bildhübsche serbische Schauspielerin Anica Dobra in der anspruchsvollen deutsch-serbisch-ungarischen Kinoproduktion Klopka – Die Falle.

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Im Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt spricht sie über ihr Leben zwischen Deutschland und Ihrer Heimat Serbien.

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“Wenn man in einem Land lebt, als Gast, oder für immer, egal, wo auf der Welt, sollte man natürlich authentisch bleiben. Aber man muss sich auch assimilieren und die Sprache beherrschen. Das finde ich zivilisiert und fair. Und dann wird man auch in seinem Anderssein akzeptiert. Später habe ich dann davon profitiert, als ich 1988 in Deutschland meinen ersten Film gemacht habe.”

Vollständiges Gespräch lesen.

Bildmaterial: Mit freundlicher Genehmigung von David Cuenca.


Disparition de Michel Serrault

July 30, 2007

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Talent de comique hors-pair, mais aussi acteur dramatique impressionnant, Michel Serrault est décédé le 29 juillet 2007 d’un cancer dans sa résidence secondaire de Honfleur, à l’âge de 79 ans.

En plus de cinquante ans de carrière, il avait tourné dans quelque 135 longs métrages sous la direction des plus grands réalisateurs, parmi lesquels Michel Audiard, Henri-Georges Clouzot, Claude Chabrol, Georges Lautner, Bertrand Blier, Claude Zidi et Jean-Pierre Mocky. Cinq fois nominé, il a obtenu trois Césars du cinéma: en 1979 pour son plus grand succès, “La cage aux folles“, 1982 pour “Garde à vue” et 1996 pour “Nelly et Monsieur Arnaud“.

Jean-Pierre Mocky a réagi ce matin au décès de Michel Serrault en regrettant une “perte immense”. “Michel, je croyais qu’il était immortel (…) Je pensais qu’il irait jusqu’à l’âge de Charles Vanel qui est mort à 97 ans et qui tournait encore avec moi à 97 ans”, a souligné sur RTL le réalisateur pour lequel Michel Serrault avait notamment tourné les deux films “Le Miraculé” et “A mort l’arbitre“.

“Ca a été mon acteur fétiche après Bourvil. Quand Bourvil est mort, il a remplacé Bourvil dans les rôles que j’avait prévus pour Bourvil. Il est devenu mon ami dès 1966. C’est pour moi quelque chose d’immense sa perte. Aujourd’hui, il y a tout un tas de rôles que je ne sais pas à qui donner. Déjà à la mort de Bourvil, je me demandais qui allait le remplacer et j’avais trouvé Serrault mais maintenant, je ne sais vraiment pas qui va remplacer Serrault. Je ne le vois pas”, a ajouté Jean-Pierre Mocky.

Voir également l’article du Figaro: Michel Serrault, le plus mélancolique des comiques quitte la scène.


Bayreuther Festspiele 2007: Tradition, Revolution und Reaktion

July 27, 2007

Katharina Wagners Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg bei den Bayreuther Festspielen war eine sehr schwache Leistung, meint Marianne Zelger-Vogt in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ):

“Sachs dankt ab, Stolzing passt sich an, Beckmesser wird zum Bilderstürmer, der die Kunstszene neu aufmischt – ein Kommentar zum heutigen Opernbetrieb im Allgemeinen und zu den Bayreuther Festspielen im Besonderen? So mag es gemeint sein. Doch das Ganze bleibt zu sehr Kopfgeburt, einerseits überfrachtet mit Einfällen und Requisiten, anderseits mit großen Leerstellen – die ganze ideologische Rezeptionsgeschichte der ‘Nazi-Oper’ ‘Meistersinger’ bleibt ausgeblendet.”

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Ebenfalls spießig und banal urteilt Peter Uehling in der Berliner Zeitung Katharina Wagners Interpretation der Meistersinger:

“Dass vom Schuhemachen und von der Liebe nicht unprominent die Rede, auf der Bühne jedoch nichts davon zu sehen ist, lässt weite Teile der Musik sinnlos vorüberziehen. Vor allem werden auf diese Weise Ambivalenzen kassiert. Lösen die Schuhe und das Schustertum im Stück weitverzweigte Anspielungen aus, so stehen sie hier lediglich für Anpassung, zudem in einer dramaturgisch unvermittelten Symbolhaftigkeit. Katharina Wagner setzt negative Vorzeichen vor Momente, die bei ihrem Urgroßvater gar nicht so eindeutig positiv gemeint waren, jetzt aber jede Mehrdeutigkeit eingebüßt haben. Ihre schlichte Lösung des Kunstdiskurses ist sauberer und damit spießiger als die des Stücks: Hier der dumme Mainstream, dort der gute Avantgardist. Der Klamauk, den sie statt einer Komödie inszeniert, ist dabei selbst der grässlichste Mainstream.”

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Bayreuther Festspiele: das hohe W

July 21, 2007

Am 26.07.2007 gibt Katharina, Urenkelin des deutschen Komponisten Richard Wagner, ihr Regiedebüt in Bayreuth. Christine Lemke-Matwey fürchtet inzwischen in dem Tagesspiegel die drohende Normalität bei den Bayreuther Festspielen:

“Bayreuth Wolfgang Wagner muss in seinem Leben viel Angst gehabt haben. Davor, den Festspielschatz eines Tages an irgendeinen Familien-Alberich, irgendeine dahergelaufene Alberichine wieder abtreten zu müssen. Angst vor Sabotage, Intrigen, Schlupflöchern im System. Angst vor seiner Mutter Winifred auch, die bis zu ihrem Tod 1980 (da war er 61) im Hintergrund viele Fäden zog. Und Angst vor Gudrun, seiner zweiten Frau, die längst selbst das Zepter schwingt. An all das hatte man sich gewöhnt. Mehr noch: Man liebte es, gegen die Festungsmauern Sturm zu laufen, sich Jahr für Jahr neu zu erregen. Über die Egomanie des Regiments und den Niedergang der Kunst. Man liebte es, wie man Bayreuth liebte, heiß, hingebungsvoll, sehnsüchtig, mit all seinen idyllischen Lauschigkeiten und Spießigkeiten. Noch die Hunde auf dem Grünen Hügel werden ermahnt, ihr Geschäft aus hygienischen Gründen nicht in den umliegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen zu verrichten (es dankt der Bezirk Oberfranken). Und mit all dem soll jetzt Schluss sein, nur weil eine 29-Jährige, die zufällig die Tochter des greisen Festspielleiters ist und dessen Nachfolge antreten will, gnadenlos ihr eigenes Ding durchzieht?”

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