Gastkommentar: das Schweigen Europas über die Grausamkeit der Islamo-Faschisten in Iran


Der Rettungs-Ritter  

von Nasrin Amirsedghi

Die Autorin ist in Mainz lebende deutsch-persische Publizistin, Philologin, Orientalistin, Literatur- und Filmwissenschaftlerin.

„Bei seinem Besuch forderte Stuart Levey (Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium) Gesprächspartner, darunter Finanzstaatssekretär Thomas Mirow und der außenpolitischen Berater der Kanzlerin, Christoph Heusgen, auf, die Hermes Bürgschaften zu streichen. Die Deutschen sollten zudem ihr wirtschaftliches Engagement (mit Iran) schrittweise zurückfahren – und zwar zügig. (…) Bei der deutschen Regierung stieß Levey auf Widerstand. Seine Forderungen seien verständlich aus der Sicht eines Landes, das keinen Handel mit Iran betreibt, entgegneten ihm seine Gesprächspartner. Deutschlands Exporte an den Persischen Golf hätten aber ein Volumen von über vier Milliarden Euro, daran hingen Tausende Arbeitsplätze.” (Der Spiegel, 30.07.2007)

Wie viele Menschen im Iran hingerichtet werden müssen, bis die Arbeitslosigkeit in Deutschland beseitigt sein wird, ist noch unklar!

Diese Frage hat noch keiner gestellt. Hermes Bürgschaften mögen sie schützen! Man muss aber aus Stein sein, um nicht verrückt zu werden oder sich umzubringen. Bloß nicht emotional werden; sei vernünftig, heißt die Devise! Wie wäre es aber, eine Weile mit Halbvernunft zu fühlen!

Das iranische Volk samt seinen Kindern wird bestialisch und in makabren öffentlichen Spektakeln regelrecht ausgerottet und vor den Augen gläubiger Schaulustiger hingerichtet, gesteinigt, verhüllt, geprügelt, gedemütigt, bevormundet; ganz simpel vernichtet. Pech gehabt! Ein traumhafter Traum der Mullahfaschisten. Ihre Lektion haben sie von den Nationalsozialisten und von Kommunisten sehr gut gelernt.

Und die Euro-Polit-Rettungs-Ritter wollen es nicht sehen, weil sie blind sind. Sie wollen es nicht hören, weil sie taub sind. Sie wollen es nicht fühlen, weil sie aus Stein sind. Wie die Steine, die auf die Köpfe und Körper von Frauen und Männern im Iran geworfen werden.

Faschismus kann nur Eines: Ausrotten, was ihm nicht passt. Sei es im Namen der Rasse, des Nationalismus, Kommunismus oder des Islam. Mal sind Juden an der Reihe, mal Imperialisten, mal Armenier, mal so genannte Ungläubige (Atheisten, Christen, Bahá’ís, Homosexuelle, Lesben, frei Liebende etc.). Und das Fußvolk schaut verblödet hin und schweigt.

Die Geschichte wiederholt sich IMMER: Grotesker Schauplatz im Iran und groteskes Schweigen in Deutschland und Europa. Eine europäische Tugend: Bloß nicht emotional werden; sei vernünftig, heißt die Devise! Wenn ein gesunder Mensch weniger von kühler Logik als vielmehr von Gefühlen geprägt ist, wie die Neurowissenschaftler neuerdings festgestellt haben wollen, dann muss ich wohl feststellen, dass die Welt von einem Haufen vernünftiger Irren regiert wird, um sie vor Pest oder Arbeitslosigkeit zu retten.

Bis zur iranischen Revolution 1979 waren alle Augen und Ohren der „Humanisten” zu Recht auf Iran gerichtet. Ganz gleich was der ehemalige Schah machte, er war verhasst und wurde verteufelt. Hustete er, waren alle internationalen Gefolgschaften der „Confederation der iranischen Studenten im Ausland” (CISNU) zusammen mit dem SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) auf der Stelle auf der Straße, lagen flach auf dem Boden in den Mensas der Universitäten zum Hungerstreik oder verbarrikadierten allerorts Botschaftsgebäude, um die Welt auf die „Misere” im Iran aufmerksam zu machen.

Sogar der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann (bis 1952 CDU, ab 1957 SPD) solidarisierte sich mit den ritterlichen Rettern der Weltgemeinschaft und sagte 1970 seine Teilnahme an den 2.500-Jahr-Feierlichkeiten der persischen Monarchie mit Rücksicht auf die „Anti-Schah-Stimmung” in der bundesdeutschen Bevölkerung ab. Das Fußvolk war wachsam beteiligt an den Kundgebungen und sang das Lied pfui, pfui, pfuipfuipfui im Chor!

Wo sind jetzt all diese Humanisten? Wo ist Günter Wallraff, der sich in Griechenland aus Protest gegen die Militärmacht an eine Säule kettete? Wo ist der Gigant Günter Grass, der mit Iranern und dem SDS auf der Straße marschierte? Wo ist Hans-Magnus Enzensberger, der mit Ayatollah Bahman Nirumand im Iran herumreiste, um sich hautnah ein Bild des Grauens zu machen, damit er später ein historisches Buch schreiben könnte?

Wo sind die iranischen Oppositionellen? Wo sind Ruprecht Polenz (CDU), Werner Hoyer (FDP), Gregor Gysi (PDS) und Martin Schulz (SPD-Europapolitiker), die sich in Empörung babbelten, als der irakische Massenmörder Saddam Hussein im vergangenen Dezember hingerichtet wurde?

Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir kann man nichts mehr unterstellen, sie sind längst tot. Aber wo sind die anderen? Mit Sicherheit sind sie im Sommerloch, in der Türkei, Iran oder sonstwo… Bloß nicht emotional werden und den Urlaub zu versauen…

Ich will euch euren Urlaub nicht versauen, deshalb verweise ich nur auf einen ausführlichen Bericht von Amir Taheri über die grausame Bilanz der Islamo-Faschisten in Iran seit der Machtübernahme 1979.

Das Einzige, was das deutsche Fußvolk vorgesetzt bekommt, ist die bebilderte Meldung der Bild-Zeitung vom 6. August 2007: Während der Verurteilte tot am Teheraner Galgen baumelt, hält einer der Henker eine deutsche MP 5 (9 mm, 800 Schuss/Minute).

Und am selben Tag ist bei www.islam.de zu lesen: Die Sozialistische Partei Europas (PES) wolle entschiedener gegen Islamfeindlichkeit vorgehen – und Europa in der Kultur eines „jüdisch-christlich-islamischen” Erbes sehen.

Na dann hier eine Widmung an den Rettungs-Ritter:

Große Gestalt
hoch zu Ross
Sonnenglühend reitet
für die Erdenwürmer
der Ritter

Schreit zu den Sternen
in den Himmel:
Ich der Ritter
will Euch retten vor den Ratten

Verhetzt reitet der Ritter
stolpert über die Hölle
fällt hinein
rief tief:
ich der Ritter
du der Erdenwurm
hier und da
Stadt oder Land
zieh mich raus

Der Erdenwurm
starrt hinunter
starrt hinab
blind, geblendet von düsterer Sonne
flüstert:
Wo ist der Ritter?

Kommt raus aus der Hölle
kochend vor Wonne
die Ritterstimme:
Ich der Ritter
will Euch retten vor den Ratten!

Mainz, 09.08.2007

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