Gespräch mit Israels Botschafter Yoram Ben-Zeev


Yoram Ben-Zeev, Israels neuer Botschafter in Berlin, hat der WELT sein erstes Interview seit seinem Amtsantritt gegeben, in dem er sich zum aktuellen Stand des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses, zur iranischen Bedrohung und zu seiner neuen Aufgabe in der Bundesrepublik äußert.

“Ich habe meine Akkreditierung zweimal abgegeben, einmal gegenüber Bundespräsident Köhler, und dann bin ich zu Gleis 17 gegangen, von wo die Juden Berlins in Konzentrationslager gebracht wurden. Von dort sind es ungefähr 5 Minuten mit dem Auto bis zur israelischen Botschaft, 5 Minuten für 65 Jahre. Ich konnte gar nicht anders als an den historischen Fehler zu denken, dass Israel bald seinen 60. und nicht seinen 70. Geburtstag feiert. Das hätte so viele Menschen retten können! Wie kann ich das dem Überlebenden erklären, der mir am Gleis 17 in die Arme fällt und sagt: ‚Zu spät, zu spät.’ Was soll ich ihm antworten? Wir sind hier, um den moralischen Code zu beschützen, der uns dazu zwingt, von der Geschichte zu lernen. Das ist meine Aufgabe. Und daran denke ich, wenn ich abends nach Hause komme und mit meiner Frau bespreche, was wir tagsüber getan haben, was wir gesehen und erfahren haben.”

„Ich kann verstehen, dass Jüngere ein wenig müde werden, sich immer mit der Vergangenheit auseinandersetzen zu sollen. Und dass sie sagen, das war nicht unsere Generation, nicht mal die unserer Eltern, sondern die unserer Großeltern, wir empfinden heute genauso wie ihr. Aber darum geht es nicht, es geht um die moralischen Fragen. Wie beschützt man die moralische Struktur und sorgt dafür, dass sie heil bleibt? Das moralische Diktat des Holocaust ist, zu versuchen, wie ‚a Mensch’ zu sein, aus den Geschichtsbüchern zu lernen. Deutschland setzt sich etwa mit dem Problem des Rassismus und des Antisemitismus auseinander, wir haben unsere eigenen Probleme und betreiben manchmal eine sehr schwierige Selbstbefragung, aber wir haben einen gemeinsamen Nenner, wir schätzen beide Freiheit und Demokratie sehr und das Recht der Menschen, zu leben.”

Vollständiges Gespräch lesen.

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