Krupp-Manager und Lebensretter Berthold Beitz: “Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut”


Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet. (Talmud Torah)

Berthold Beitz

Berthold Beitz

Von der Schindler-Liste weiß inzwischen jeder. Von der Liste des Berthold Beitz (heute 94, Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates der ThyssenKrupp AG) auf der die Namen von Juden standen, die er während des Zweiten Weltkriegs vor den Gaskammern der Nazis gerettet hat, weiß die Öffentlichkeit nur wenig.

Nach dem Krieg wurde er mit dem Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern” in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem ausgezeichnet.

Auszug eines Briefes von Ignatz Bubis an Professor Dr. h.c. mult. Berthold Beitz:

 Ignatz (Yitzchak) Bubis (1927-1999), ehem. Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland (1992-1999) - Foto: Túrelio - Dezember 1997

Ignatz (Yitzchak) Bubis (1927-1999), ehem. Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland (1992-1999) - Foto: Túrelio - Dezember 1997

“27.01.1997

Liebe Frau Beitz, lieber Herr Beitz,

ich habe mir erlaubt, die Titel wegzulassen, da ich mich Ihnen freundschaftlich verbunden fühle. Ich habe mich sehr gefreut, daß Sie mich durch Ihre Anwesenheit bei meinem Geburtstag geehrt haben. Natürlich haben Sie in mir Assoziationen geweckt, wie es vor 55 Jahren war, und Sie haben bestätigt, daß es auch noch andere Deutsche gab – zwar wenige -, aber es gab sie in Ihnen und Ihrer Frau. Sie haben in dieser grausamen Zeit sehr vielen Juden das Leben gerettet; darunter auch Mitgliedern meiner Familie. Sie sind beide nach den nochaidischen Gesetzen Gerechte der Völker.

In freundschaftlicher Verbundenheit
Ignatz Bubis”

Die gestrige Ausgbabe der Süddeutschen Zeitung druckt ein Interview mit Professor Dr. h.c. mult. Berthold Beitz ab:

“Ich durfte keine Angst haben. Das feste Auftreten hat mir im Umgang mit der SS sehr geholfen: Die waren überzeugt, ich hätte beste Verbindungen nach Berlin, zum OKH, vielleicht gar zu Himmler, wenn ich durch den Ort gelaufen bin und Forderungen gestellt habe, wirkliche und angebliche Mitarbeiter meiner Ölfirma nicht zu deportieren.[…]

Ich kenne die Deutschen. Wenn man fest, klar und bestimmt auftritt, dann respektieren sie das. Wenn man weich ist oder verzweifelt, bringen sie einen um.[…]

Man muss im richtigen Moment einfach handeln. Wenn ich viel nachgedacht hätte, hätte ich es vielleicht gar nicht gewagt. Ich bin vom Typ her immer ein Einzelgänger gewesen. Es kam darauf an, den Mut zu haben und zu entscheiden. Perikles, der vor 2500 Jahren Athen führte, hat gesagt: Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.”

Vollständiges Gespräch lesen.

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