Rechtsextreme erobern die Hamburger Innenstadt


Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen: Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus. Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig. Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent. Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi. (Kabarettist Gerhard Bronner, Rede anlässlich der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Gunskirchen, 7. Mai 2005)

Hamburg, 26.09.2008 – Die in der Nazi- und antisemitischen Szene begehrte Bekleidungsmarke Thor Steinar (die vom Verfassungsschutz als “identitätsstiftendes Erkennungszeichen unter Rechtsextremisten” eingestuft und in der Hamburger HSH Nordbank Fußball-Arena verboten ist) hat gestern in der HSH Nordbank Shopping Passage bzw. Landesbank-Galerie in der Hamburg Innenstadt ein Geschäft eröffnet.

Nazi-Laden unter Polizeischutz

Nazi-Laden unter Polizeischutz

Der Markenname Thor Steinar erinnert offensichtlich an den SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Felix Martin Julius Steiner. Inzwischen steht die Nazi-Textilkette (die in Ost-Deutschland floriert und jetzt versucht, in Westen Fuß zu fassen) unter aufwendigem Polizeischutz auf Grund von Protesten aus der Hamburger Bevölkerung, i.e nicht nur Antifas, sondern auch Anwohnern und Kaufleuten. Zudem sind Mieter der Landesbank-Galerie ziemlich verärgert über den Imageschaden für den beliebten Einkaufsbummel direkt an der Haupteinkaufsstrasse Mönckebergstraße gelegen, und fordern ein Eingreifen des Vermieters. Aus Sicht des Vermieters, der HSH Nordbank, liegt eine arglistige Täuschung vor. Die Bank habe versucht, die Eröffnung zu verhindern, was rechtlich nicht möglich gewesen sei. Von den Hintergründen zu dem faschistoiden Warensortiment habe man eine halbe Stunde vor der Eröffnung erfahren.

Die sonst friedliche bzw. nazifreie Hamburger Mönckebergstraße

Die sonst friedliche bzw. nazifreie Hamburger Mönckebergstraße

“Das ist eine sehr peinliche Panne”, räumte Banksprecher Christian Buchholz ein. Eine “Panne”, die allerdings teuer werden kann. In Leipzig wird eine Räumungsklage gegen Thor Steinar nicht vor Oktober entschieden. Von der HSH Nordbank wurde Thor Steinar mit einem Dreijahresvertrag mit Option auf Verlängerung ausgestattet. Die Bank verhandelt mit dem antisemitischen und rassistischen Mieter. Darüber, ob sie bereit ist, ihn abzufinden, um ihn außergerichtlich loszuwerden, wird offiziell geschwiegen.

Erfreulich ist, dass Norwegen Thor Steinar wegen Missbrauchs seiner Staatsflagge verklagt hat.

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