Dubai, Teheran und Frau Amirpur


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

als ich Dr. Peter Göpfrich, den Geschäftsführer der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer in Dubai vor wenigen Tagen anrief, reagierte dieser nicht nur freundlich, sondern geradezu dankbar. Dabei hatte ich kurz zuvor im Wall Street Journal seine Entlassung gefordert, weil er für die Einrichtung einer “Iran-Arbeitsgruppe” seiner Kammer verantwortlich war – einer Arbeitsgruppe, die laut Protokoll der Gründungssitzung den deutschen Handel mit Iran via Dubai ausweiten sollte.

In unserem Telefonat bezeichnete er das “Durchsickern” dieses Protokolls als “sehr ärgerlich” und “sehr peinlich” und freute sich, mir mitteilen zu können, dass die “Iran-Arbeitsgruppe” ihre Arbeit vorläufig eingestellt habe und die Protokollantin der Gründungssitzung entlassen worden sei.

Es ist zwar schön, wenn die Waffe des Worts auch mal Wirkung zeigt, doch ist das Problem damit nicht aus der Welt. Dies zeigt mein Beitrag zu dieser Affäre, den die WELT letzten Sonnabend veröffentlichte. Siehe hier.

Die Iran-Schlagzeilen der letzten Wochen erwecken den Eindruck, als gäbe es hierzulande nur noch Befürworter von harten Sanktionen gegen Iran.

Die Festlegung der Bundeskanzlerin –  “Wir wollen als Europäer alle [sanktionspolitischen] Schritte gemeinsam unternehmen.” (FAZ, 25. 02.2010)  – fiel hingegen unter den Tisch. Demnach sollen die “unwilligsten” Länder der EU über das Tempo und die Reichweite von Sanktionen entscheiden. Teheran wird dieses Signal zur Kenntnis genommen haben; auch deshalb ist mein Berliner Vortrag vom 29. November 2009 leider noch aktuell. Es steht seit gestern im Netz:    

http://www.matthiaskuentzel.de/contents/deutschland-die-mullahs-und-das-atom

Über meine Auseinandersetzung mit der Islamwissenschaftlerin und Publizistin Katajun Amirpur hatte ich vor einigen Wochen berichtet.

Wie ich erst jetzt erfuhr, stellte sie einen langen Brief, in dem sie ihre Attacken gegen mein Buch “Die Deutschen und der Iran” begründet, ins Netz. Hierzu mein Postskriptum auf:

http://www.matthiaskuentzel.de/contents/sachlich-hintergruendig-kritisch-und-nahe-am-menschen

Weshalb wurde Die Deutschen und der Iran nicht bereits Ende 2009 verboten???” fragt Nils von der Heyde, der einige Jahrzehnte als Reporter u.a. für das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt und die BILD tätig war. Hier ein Auszug aus seinem Brief:

“Ich habe während meiner 30 Jahre als politischer Journalist so manches erfahren und erlebt, über das ich nur andeutungsweise schreiben/publizieren konnte (durfte). Desto mehr hat mich Ihr Buch erschüttert.

Denke ich an das im Gesetz verankerte Widerspruchsrecht hinsichtlich öffentlich gemachter Texte, so frage ich mich: Weshalb wurde ,Die Deutschen und der Iran’ nicht bereits Ende 2009 verboten??? Die darin enthaltenen Anklagen sind so gravierend, dass ein Sturm der Entrüstung und ein von Anwälten entfachtes Feuerwerk an Gegendarstellungsanträgen die Folgen hätten sein müssen.

So kann ich nur sagen: Berlin sitzt aus. Nach der Devise: Wer liest das schon?

Ich hoffe, dass Tausende es lesen werden, und ich gebe Ihnen inhaltlich in ALLEN Punkten recht.”

Herzlich grüßt

Euer Dr. Matthias Küntzel

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