Alan Poseners Kolumne: Der Untergang der doitschen Sozialdemokratie

September 30, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener kommentiert wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Unter den vielen Wrackteilen, die der Untergang des Tankers SPD an die Oberfläche spült, fand ich folgende Bemerkung von Wolfgang Thierse interessant: „Wir sind keine Wendehälse“, sagte er nach der Wahl des Verlierers Steinmeier zum vorläufigen Fraktionsvorsitzenden, „die heute ‚Hosianna!’ rufen und morgen ‚Kreuziget ihn!’“

Thierse spielt auf das Evangelium des Johannes an, dem zufolge (Joh. 12,12-19) „die Volksmenge“ Jesus von Nazareth beim Einzug in Jerusalem mit dem ruf „Hosanna!“ begrüßt hätten, und auf das Evangelium des Matthäus (Mat. 27,11-26), demzufolge „das Volk“, „die Menge“, das „ganze Volk“ wenige Tage später vom römischen Statthalter forderte: „Ans Kreuz mit ihm!“ Es folgt bei Matthäus jene berüchtigte Stelle, in der „das ganze Volk“ ruft: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Was sich die Christen nicht zweimal sagen ließen, sooft sie die Gelegenheit dazu hatten.

Nur nebenbei sei erwähnt, dass – vermutlich wahrheitsgemäß – bei Markus, Matthäus und Lukas durchscheint, nur die Jünger beim Einzug Jesu in Jerusalem „Hosianna!“ gerufen haben (vgl. Mat. 19,28-40); und dass die Geschichte von Pilatus, der seine Hände in Unschuld wächst, während die blutdürstigen Juden nach dem Tod des Messias rufen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit apokryph ist, eine Anbiederung der frühen Christen an die Besatzungsmacht, die den Wanderprediger aus dem Hause David hingerichtet haben, weil er den Anspruch erhob, „König der Juden“ zu sein. So schrieben sie es ja ans Kreuz, und es blieb den Christen vorbehalten, diesen Sachverhalt umzudeuten und zu behaupten, die Römer hätten den „Hohenpriestern“ die Drecksarbeit abgenommen, die Jesus wegen Blasphemie hingerichtet haben wollten.

Dass die jüdischen religiösen Autoritäten keine Probleme damit hatten, dieses dreckige und barbarische Geschäft selbst vollziehen zu lassen, zeigt sich an der Steinigung des Stephanus (Apostelgeschichte 7,54-8,1a), bei der ein gewisser Rabbiner namens Saul aus Tarsus teilnahm, und an der Hinrichtung von Jakobus, des Bruders Jesu, einige Jahrzehnte später, von dem uns Josephus Flavius berichtet.

Nun gut, aber was sagt der Katholik Wolfgang Thierse? 1943 geboren als Sohn eines Rechtsanwalts („Rechts“anwalts, sollte man zu allen sagen, die in jener Zeit „Recht“ sprachen), sagt der Mann, der als Literaturwissenschaftler in der DDR tätig war (Literatur„wissenschaftler“): wir SPDler sind nicht wie „die Juden“. Wir praktizieren doitsche Treue.

Dass in einem Volk, das 1933 dem Führer zujubelte und 1945 plötzlich entdeckte, das es immer schon antifaschistisch war, oder das am 1. Mai 40 Jahre lang brav mitjubelte, um dann 1989 zu entdecken, dass es immer schon antikommunistisch war (aber nach wie vor gern die SED wählt) – dass ausgerechnet in einem solchen Volk ein Politiker zur Illustration von Prinzipienlosigkeit, Verrat und Blindheit auf die Juden zurückgreifen muss, wäre ein Skandal, wenn es nicht das Erwartbare wäre.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Bundestagswahl 2009: Der liberale Herbst

September 27, 2009
 fdp

LEITGLOSSE ZUR SCHLIESSUNG DER JAGDSAISON BZW. BUNDESTAGSWAHL 2009

von Narcisse Caméléon, Ressortleiter Deppologie der HIRAM7 REVIEW

Wir alle sind Egoisten, aber nur wenige verstehen es, das Beste für sich daraus zu machen. Die meisten Menschen passen sich lieber der Mitwelt an. Sie tun alles, um geliebt, gelobt und anerkannt zu werden. Damit machen sie sich zu Marionetten allgemeiner Verhaltensklischees und verzichten darauf, ihr eigenes Leben zu leben. (Josef Kirschner, Die Kunst, ein Egoist zu sein)

Ein Egoist entscheidet für sich selbst, hängt keinen Moden nach und redet niemandem nach dem Mund. Klingt unbequem? Nur für die, die uns manipulieren wollen.

In dieser Hinsicht können wir uns  über den unumstritten Sieg der Liberalen sehr freuen, die ein hoffentlich endgültiges Ende der Rot-Grünen Bevormundung in Aussicht stellt. Endlich Schluß mit der Tyrannei der Besserwisser à la Rot-Grün, die die von Gott gegebene Freiheit des Menschen durch (Rat)Schläge und Verbote einschränken wollen, um ihre eigene willkürliche Macht zu sichern…

Der Clou dieses Wahlabends: Ausgerechnet der Erfinder von Agenda 2010 und von Hartz IV, der Spitzenkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, spricht von sozialem Ausgleich und warnt vor Schwarz-Gelb…zum Totlachen! So sprach die Stimme der Selbstgerechten und Heuchler der Prosecco-Fraktion.

Die SPD und die Kriegspartei Bündnis Verrat an den Wählern/Die Grünen bzw. die Toskana-Fraktion-Linke (sprich Wasser predigen, aber Prosecco trinken) sollen in der politischen Wüste für die nächsten 20 Jahre krepieren, das haben sie reichlich verdient, nachdem sie ihre Wählerschaft jahrelang betrogen haben. 

Sic transit gloria lupi.

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Alan Posener’s Column: German Election Blues – and Reds, Greens, and Yellows

September 24, 2009

by Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

With the German election drawing near, commentators have turned from castigating the politicians for the alleged lack of alternatives they present (bullshit, actually), to a more general wail of despair about an alleged crisis of democracy itself, as represented by the growth in the number of non-voters.

In the last election, we are told, non-voters were a bigger group than those who voted for Angela Merkel, and polls seem to indicate that the number of non-voters will be even higher this time around. Crisis! Bullshit again.

The point about democracy isn’t that everyone goes to vote. That’s what happens in dictatorships. The point about democracy is that I’m free to vote or not as I see fit. So if people don’t go to vote, that’s a sign that democracy is working.

The point about democracy isn’t that voting produces good governments. That’s patently not the case. The point about that democracy is that really bad governments can be voted out. (Good governments can be voted out, too.) Karl Popper once compared the democratic procedure to the procedure by which a scientific theory is defined. If a theory is scientific precisely because it can be falsified (J.B.S. Haldane’s famous “Precambrian rabbits” that would falsify Darwin’s theory of evolution), a government is democratic if it can be falsified – i.e. discarded – by the voters. If the voters choose not to – either by voting for the government or by not voting, i.e. not voting against it: well, that’s the way the democratic cookie crumbles.

As I said above, I don’t think the German election is boring at all. We have a clear choice: between Angela Merkel plus Walter Steinmeier and a continuation of the high-tax / high-spending CDU/CSU/SPD coalition, and Angela Merkel plus Guido Westerwelle and a CDU/CSU/FDP coalition dedicated to boosting growth through lower taxes. As a taxpayer, I know where I’m going to make my cross. It isn’t rocket science.

Ousting the Social Democrats from power will probably result in a putsch by the Left within the SPD, which will eventually lead to some form of rapprochement between the SPD and the “Linke”. This in turn will mean that in 2013 at the latest, probably much sooner, say 2011, a left-wing coalition will challenge Merkel’s right-of-centre government, and things will get really exciting again: How will the Greens react? Will they choose “Jamaica” in order to keep the extreme left out of power, or will they try to tame the left by joining a “Red-Red-Green” government?

And what will the electorate say? One good guess is: they won’t be staying at home.


Alan Poseners Kolumne: Dienstwagen und Diners

August 28, 2009

Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener startet heute eine neue Kolumne. Er wird  wöchentlich das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur für HIRAM7 REVIEW unter die Lupe nehmen.

Von Alan Posener
Die Welt / Welt am Sonntag  / HIRAM7 REVIEW

Es ist schon komisch: Milliarden und Abermilliarden gibt die Regierung aus, um Banken zu retten, Firmen vor den Folgen unternehmerischer Fehlentscheidungen zu schützen oder dem Volk vor der Wahl zu neuen Autos zu verhelfen. Und worüber regt sich der Wähler auf?

Über die paar tausend Euro Steuergelder, die Ulla Schmidt verpulvert hat, um ihr Dienstauto und ihren Chauffeur in den Urlaub zu nehmen. Oder über Angela Merkels Geburtstagsessen für Josef Ackermann.

Eine solche Personalisierung der Politik ist Ausdruck einer Infantilisierung. Einer Kapitulation vor der Komplexität. Wer kann aus dem Kopf sagen, worin die Gesundheitsreform eigentlich besteht? Aber es sagt einem doch der gesunde Menschenverstand – also der Neid, dieser verlässlichste aller Sozialinstinkte, dass die Ministerin in Spanien keinen gepanzerten Dienstwagen mitsamt Chauffeur braucht. Unsereiner fährt doch auch Fiat Panda.

Und wer vermag schon zu beurteilen, ob die Banken, die ihrerseits gnadenlos jeden vor die Hunde gehen lassen, der seine Raten nicht zahlen kann, wirklich so systemisch relevant sind, dass sie ihrerseits nicht pleite gehen dürfen?

Aber es sagt einem doch der gesunde Bürgerneid, dass die Kanzlerin unsere Steuergelder nicht verpulvern darf, um  Herrn Ackermann ein Geburtstagsessen auszurichten. Vielleicht schweigt aber auch der Neid. Denn wir mögen die Kanzlerin.

Die Gesundheitsministerin hingegen können wir nicht leiden. Neulich mussten wir für die Zahnfüllung zuzahlen, und der Zahnarzt sagte, das sei wegen der Gesundheitsreform. Und dann fährt sie auch noch mit dem Dienstauto in den Urlaub!

Zwei Drittel aller neu zugelassenen Autos in Deutschland sind Dienstwagen. Man darf annehmen, dass damit auch privat gefahren wird, und dass nicht jede private Fahrt abgerechnet wird. Und wer private Essen als Geschäftsessen abrechnen kann, tut es. Wir haben die Politiker, die wir verdienen. Und gerade das nervt uns.

Natürlich nervt auch die Patzigkeit, mit der die ehemalige Genossin des Kommunistischen Bundes Westdeutschland und heutige Sozialdemokratin Ulla Schmidt ihr Recht auf einen Dienstwagen verteidigt. Ein bisschen Zerknirschtheit wäre angebracht. Deutsche Politiker sollten wenigstens so tun, als gehörten sie zu uns.

Was man Ulla Schmidt vorwerfen kann, ja muss, ist dies: sie hat dieses Grundgesetz der deutschen Politik vergessen. Das ist eher ein intellektuelles als ein moralisches Versagen. Umso schlimmer übrigens. Wie konnte sie glauben, das käme nicht raus? Oder dass sie damit durchkäme? Es kommt immer raus.

Und man kommt damit nicht durch. Es sei denn, man ist französischer Präsident. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Die in HIRAM7 REVIEW veröffentlichten Essays und Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Redaktion wieder.


Lob der Unruhe

May 1, 2009

Im Aufmacher der Süddeutschen Zeitung am Wochenende zieht Dr. Heribert Prantl, gegenwärtiger Ressortleiter Innenpolitik der einzigen Qualitätszeitung der Bundesrepublik – Die Süddeutsche Zeitung – und einst Richter und Staatsanwalt in Bayern, eine nüchterne Bilanz über das Bürgerengagement in Deutschland und hält Ausschau nach einer sterbenden Spezies: die Unruhestifter.

“Unruhe hat einen schlechten Ruf in Deutschland. Zu Unrecht, denn Unruhestifter haben dieses Land verbessert, ihr Unruhegeist ist ein demokratisches Elixier. […] Nach dem Ende dessen, was Neoliberalismus genannt wurde, geht es gegenwärtig darum, die Finanzwirtschaft neu zu ordnen und zu regeln, wirtschaftliche und soziale Positionen neu zu justieren und auszuhandeln. Sollen die Leute dabei einfach ganz ruhig bleiben? Sollen sie ruhig sein, wenn der Staat mit Hunderten Milliarden Steuergeld für eine verantwortungslose Finanzwirtschaft einstehen muss? Sollen sie dankbar sein für die Sozialisierung der Verluste der Banken?”

Zum Artikel.


Einfallslose mediale Panikmache um die Finanzkrise

April 22, 2009

Nie wird soviel gelogen wie nach der Jagd, im Krieg und vor Wahlen. (Bismarck)

Eine Glosse von Narcisse Caméléon, Ressortleiter Deppologie der HIRAM7 REVIEW und engstirniger Gründer der A(E)del-Partei

Die andauernde Finanzkrise ist gewiss ein ernst zu nehmendes Thema. Panikmache in der Öffentlichkeit und die offensichtlich bewusste Erzeugung eines völlig unzutreffenden Bildes von der Gesamtlage sind aber ganz sicher nicht sehr hilfreich, wenn es darum geht, nachhaltige Konzepte zur Lösung dieser Krise zu erarbeiten und umzusetzen.

Die Presse – selbst von der Krise betroffen – braucht plakative Überschriften, um Leser zu gewinnen; das gilt auch für die Wochenzeitung Der Spiegel, der plötzlich zur Boulevard-Presse mutiert, in dem das Hamburger Blatt so titelt: “Wirtschafts-Absturz macht Merkels Krisenrunde ratlos“.

Die Protagonisten des öffentlichen Schmierentheaters haben einen gefährlichen Brandbeschleuniger für die Finanzkrise unterschätzt: Die Psychologie. Die Angst wird zum Massenphänomen, das uns kollektiv in Atem hält, und dazu beiträgt, dass die spaßlose Lethargie namens Finanzkrise sich verschlimmert, und Bevormunderer und Weltverbesserer uns mit noch mehr Ratschlägen tyrannisierendamit ein paar Milliardäre, auf Kosten der Steuerzahler und mittels einer Umverteilung nach oben, künstlich am Leben erhalten werden, entgegen jegliche marktwirtschaftliche Logik.

Eigentliches Ziel dieser billigen Panikmache ist nichts anderes als uns das nächste “Konjukturprogramm”, sprich Geldsegen für die  Verursacher der Finanzkrise, zu verkaufen.

Wollen die Medien und die Politik die Bürger für dumm verkaufen? Alle Jahre wieder schon, besonders im Superwahljahr 2009 (Europawahl, Bundestagswahl, Bundespräsidentenwahl, Landtagswahlen in Hessen, Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Saarland und Kommunalwahlen in acht Bundesländern)…


Cem Özdemir, der Möchtegern-Obama

November 15, 2008

LEITARTIKEL ZUR ERÖFFNUNG DER JAGDSAISON BZW. BUNDESTAGSWAHL 2009

von Narcisse Caméléon, Ressortleiter Deppologie der HIRAM7 REVIEW

“Man kann einen Mensch nur korrumpieren, wenn er korrumpierbar ist.” Graham Greene, aus Dr. Fischer aus Genf oder die Bomben-Party

Elvis Imitator Cem Özdemir beim Parteitag der Grünen

Elvis Imitator Cem Özdemir beim Parteitag der Grünen

 

Der wahre Elvis: sah besser aus, konnte singen, hatte keine Leiche im Keller, und hatte mehr als 2 Drittel der Mehrheit…

Kläglich gescheitert im eigenen schwäbischen Wahlkreis für den heiß begehrten Platz als Direktkandidat für die Bundestagswahl 2009 (Politikerdiäten machen bekanntlich Hunger auf mehr…nachdem er sich jahrelang im EU-Parlament aufgrund der peinlichen Miles-and-Moritz-Affäre verstecken musste), lässt sich Cem Özdemir nun als Parteivorsitzender der Grünen küren, während Amtsvorgänger Reinhard Bütikofer sich einen warmen Sessel im EU-Parlament sichert (End- oder Zwischenstation für gescheiterte Politiker bzw. Lebensversicherung, da ohnehin keine Kontrolle von den Bürgern vorhanden ist). Merkwürdiges Verständnis der Demokratie seitens einer Partei, die sich als bürgernah präsentieren will… und gleichzeitig das eindeutige Nein der Basis zur Özdemirs Kandidatur ignoriert. Ethik ist für die Grüne Parteiführung offensichtlich ein Fremdwort. Ist der Ruf erst ruiniert…

Die Grünen beabsichtigen vermutlich mit diesem vorweihnachtlichen Schmierentheater (Advent, Advent, der frisch umgeschulte Erlöser aus Ankara kommt…) die Minderheiten erneut zu instrumentalisieren – eine Konstante dieser “Partei” von Straßenkämpfern und Studienabbrechern, die Schwule, Ausländer und Frauen politisch missbraucht, um an die Macht zu kommen.

Roberto Blanco wäre eine bessere Wahl gewesen: wie der Kindergärtner Cem Özdemir, versteht der Schlagersänger aus Bayern wenig von Politik, aber er ist ja schwarz und zumindest witzig, das ist “cool”. Der PR-Coup wäre zudem erfolgreicher gewesen, weil die Grünen sich die Stimmen aller Schlagerfans sichern hätten können, und das macht in Deutschland mehr als zwei Drittel der Mehrheit aus, angesichts der von den Medien gefördeten Volksverblödung, die unserer Ansicht nach nicht weit genug geht: bitte gleich das Topmodel der Emanzen-Lobby Alice Schwarzer als Bundespräsidentin und den schwulen Aktivisten Volker Beck (der einst als rechtspolitischer Sprecher der Grünen – obwohl er nicht einmal ein Semester Jura studiert hat – die Freigabe der Pädophilie forderte) als Kinderbeauftragter der Bundesregierung vorschlagen.

Yes we can: die Wähler mit “Migrationshintergrund” (schreckliches Neuwort, klingt wie eine ansteckende Krankheit) und gleichzeitig das Volk für dumm verkaufen.

Der Vergleich mit Barack Obama ist allerdings für den neuen gewählten US-Präsidenten unsäglich, wenn man bedenkt, dass Cem Özdemir weder über Charisma noch über eine weiße Weste verfügt.

Der Opportunist Cem Özdemir ist und wird definitiv kein Barack Obama sein, sondern hoffentlich bald als Frührentner in die politische Wüste geschickt werden, von uns aus wieder ins EU-Parlament auf Kosten der Steuerzahlern, damit er zumindest sein überdimensionales Ego und seine Koteletten à la Elvis weiter aufpolieren, und seine Memoiren unbeschwert schreiben kann.

Ein letztes und ermunteres Wort an die gegenwärtige verzweifelte Jugend, die vergeblich nach Vorbildern sucht: Haste kein Abi und keine Skrupel? Wenn Du äußerlich zu hässlich fürs Fernsehen bist, mach Karriere bei den Grünen, schreib Deine Memoiren über Frankfurter Straßenschlachten oder Claudia Roths Frisur, und schnell endest Du als teurer Redner an einer amerikanischen Uni wie der schlaue Onkel Joschka oder Du verkaufst gleich Deine Seele an die Müllabfuhr, kannste Vorträge über Recycling halten oder selbsternannter Experte in Sachen Global Warming werden. Macht Spass und bringt Geld, und vor allem gutes Gewissen.

Anmerkung der Redaktion: HIRAM7 REVIEW distanziert sich ausdrücklich von diesem unverschämten Artikel, der natürlich nicht die Meinung des Herausgebers widerspiegelt. Cem Özdemir ist selbstverständlich ein großartiger Politiker mit Format und Anstand, der Deutschland, Europa, die Welt und das Universum grundlegend verändern wird. Durch seine gepflegte Koteletten, die er mutig zur Schau trägt, hat er bereits dazu beigetragen, dass auch in Zeiten von Wirtschaftsabschwung das Friseurgeschäft wieder floriert, und die Erinnerung an Elvis Aaron Presley aufrecht erhalten bleibt.


Volksrepublik Bayern wackelt

September 28, 2008

Von Bayern gehen die meisten politischen Dummheiten aus. Aber wenn die Bayern sie längst abgelegt haben, werden sie anderswo noch als der Weisheit letzter Schluss verkauft. (Franz Josef Strauß)

Ein politisches Erdbeben in Bayern hat den Mythos CSU endgültig zerstört. Nach 40 Jahren Alleinherrschaft muss die Partei angesichts schwer wiegender Verluste künftig die Macht teilen.

Der herausragende Volkstribun und brillante Querdenker Franz Josef Strauß war die Schlüsselfigur einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierung Bayerns, und schaffte es, die CSU als Alleinherrscher in der politschen Landschaft Bayerns zu etablieren. Sein plötzlicher Tod im Jahr 1988 ließ Zweifel an der zukünftigen Richtung der CSU aufkommen, jedoch gelang unter den Ministerpräsidenten Max Streibl und Edmund Stoiber eine erneute Stabilisierung des eingeschlagenen politischen Kurses.

Seit Stoibers Abgang steckt die CSU in einer tiefen Identitätskrise, wie Peter Fahrenholz, guter Kenner des CSU-Schmierentheaters (als solches geworden, seit Mittelmaß das Maß aller Dinge in der bundesrepublikanischen Politik gilt), in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung einst bemerkte.

Zum Artikel.


Kurt Becks Rausschmiß erster Klasse

September 7, 2008

Bei Triumviraten wird immer einer umgebracht. (Kurt Beck, zur Auseinandersetzung zwischen Erwin Huber, Günther Beckstein und Horst Seehofer um die Stoiber-Nachfolge, 21.02.2007, Der Spiegel)

Dr. Frank-Walter Steinmeier, Hoffnungsträger der SPD?

Dr. Frank-Walter Steinmeier, Hoffnungsträger der SPD?

Zur Nacht der langen Messer bei der SPD und wie die neue Parteiführung nun den Nacht-und-Nebel-Rausschmiß des Parteivorsitzenden Kurt Beck als freiwilligen Rücktritt an die Öffentlichkeit verkaufen will, äußert sich der stets brillante Dr. Heribert Prantl, Leiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung wie folgt:

“Was also soll, so mochte man fragen, die Aufregung? Sie war berechtigt. Seit Talleyrand weiß man: Hochverrat ist eine Frage des Datums. Man muss nicht ganz so drastisch werden, um zu beschreiben, was da in der SPD passiert ist. Steinmeier hat Beck nicht verraten – aber ihm das Heft aus der Hand genommen. Er ließ seinem Parteivorsitzenden nicht einmal zum Schein, was Sache des Vorsitzenden ist: die Kür des Kanzlerkandidaten.

Steinmeier hat überall verkünden lassen, dass er selbst den ‘Findungsprozess’ vorangetrieben habe. Er nahm damit Beck die Gelegenheit, die Kandidatenkür als seine souveräne Entscheidung darzustellen und seine Position als Parteichef irgendwie zu festigen. Beck, der demonstrieren wollte, dass er Kraft zum Verzicht hat, stand nun da als einer, der verzichtet, weil er keine Kraft hat.”

Zum Artikel.


Alle Menschen sind vor dem Gesetz (un)gleich

July 6, 2008
Bei einer Fahrerflucht (§ 142 StGB, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort) droht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe, die Beschlagnahme des Führerscheins, die Entziehung der Fahrerlaubnis sowie eine Sperre für die Neuerteilung der Fahrerlaubnis.

Eine bekannte deutsche “Volksvertreterin” muss aber dies nicht fürchten, und darf mit reinem Gewissen unbeschollt davon kommen. Politiker-Rabatt bei der Strafzumessung oder Verständnis dafür, dass Frauen ohnehin nicht ein- und ausparken können?

In den USA hätte sie wohl von allen Ämtern zurücktreten müssen, um der Vorbildfunktion der Politiker nicht zu schaden. Im alten obrigkeitshörigen Europa dagegen haben “Volksvertreter” Narrenfreiheit.

Zum Artikel.


Veranstaltung der CDU-Fraktion Berlin “Die NPD – Eine Gefahr für unsere Demokratie!”

April 21, 2008

EINLADUNG

Wir laden Sie herzlich zu unserer Veranstaltung ein:

Die NPD – Eine Gefahr für unsere Demokratie!

Dienstag, den 29. April 2008, von 13 bis 16 Uhr
Abgeordnetenhaus von Berlin
Preußischer Landtag – Raum 311
10111 Berlin (Nähe S- und U-Bhf Potsdamer Platz)

Es diskutieren:
 
– Dr. Rudolf van Hüllen, Verfasser des Buches “Das Rechtsextreme Bündnis: Aktionsformen und Inhalte” im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung,
– Michael Heinisch, Sozialdiakonische Jugendarbeit Lichtenberg,
– Frank Henkel MdA, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion,
– Dr. Viola Neu, Konrad-Adenauer-Stiftung.

Moderation:

Prof. Dr. Manfred Wilke, stv. Landesvorsitzender und Leiter des Forums für Demokratie, Geschichte und Extremismus der CDU Berlin.

Wir würden uns freuen, wenn wir Sie auf unserer Veranstaltung begrüßen könnten.

Zur Anmeldung nutzen Sie bitte dieses Antwortformular.

Mit freundlichen Grüßen
Gina Schmelter – Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses von Berlin
Preußischer Landtag
10111 Berlin
Telefon: (030) 23 25-21 20
Telefax: (030) 23 25-27 52
E-Mail: schmelter@cdu-fraktion.berlin.de
Internet: www.cdu-fraktion.berlin.de


Everybody’s Darling, Everybody’s Depp – Unzeitgemäße Betrachtungen zur Notwendigkeit einer Streitkultur jenseits von Mainstream

April 4, 2008

von Narcisse Caméléon, Ressortleiter Deppologie der HIRAM7 REVIEW

Kultur ist vor allem Einheit des künstlerischen Stiles in allen Lebensäusserungen eines Volkes. Vieles Wissen und Gelernthaben ist aber weder ein notwendiges Mittel der Kultur, noch ein Zeichen derselben und verträgt sich nötigenfalls auf das beste mit dem Gegensatz der Kultur, der Barbarei, das heisst: der Stillosigkeit. (Friedrich Nietzsche)

Diese Glosse ist dem tapferen Franz-Josef Strauß gewidmet.

“Everybody’s Darling is Everybody’s Depp”, sagte zu Recht der brillante Politiker und begnadete Polemiker Franz-Josef Strauß. Und tritt grandiös schlagfertig nach: “Ich halte viel von Bescheidenheit, doch manchmal halte ich es auch mit Goethe: Nur Lumpen sind bescheiden … Heute bin ich erstaunlicherweise von Kritik verschont geblieben. Darum übe ich sie selbst an mir, damit ich sie widerlegen kann”.

Nachfolgend eine kleine Auswahl (un)bequemer (Un- oder Halb)Wahrheiten auf den Punkt gebracht, allerdings nur für Leser, die nicht fromm und brav gesund in der Konsensgesellschaft sein wollen… oder wie der zweite Alte Fritz der deutschen Geschichte, Friedrich Nietzsche, seinen idealen Leser einst beschrieb:

Ein gut Gebiss und einen guten Magen
Dies wünsch’ ich dir!
Und hast du erst mein Buch vertragen,
Verträgst du dich gewiss mit mir!

Davor ein kurzes Intermezzo von Glenn Gould zur Verdauung des Tages.

Die Tyrannei der Weltverbesserer

China und der Westen: Wie man Feindbilder erzeugt

Der Dalai Lama – ein Wolf im Schafspelz

Die Anerkennung des Kosovos ist ein Fehler

Falsche Vorbilder

Offener Brief von Ralph Giordano

Provinzfürst stürzt ab, Bürgerschreck XY triumphiert

Die Spießer-Frage

Ein Wort an die deutsche Jugend gegen den Radikalismus von rechts und links

Kein Wort zuviel

Der Tod von Jürgen Möllemann, ein deutsches Fiasko

Ralf Dahrendorfs Anmerkungen zur Diskussion über Freiheit und Sicherheit

Das Schweigen Europas über die Grausamkeit der Islamo-Faschisten in Iran

Walter Kempowski: “Ich bin vergiftet worden”


Die Leistungslegende der Elite

February 23, 2008

Man hat das Gefühl, dass gewisse Spielregeln für die da oben nicht mehr gelten und dass das, was zur Elite gehört, sich eben nicht mehr so benimmt, als dass man darauf schließen kann, dass sie auch eine gewisse Vorbildfunktion haben, ohne die unsere Gesellschaft nicht auskommt. (Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks)

Anlässlich des Falles Zumwinkel und im Zusammenhang mit dem generellen Werteverfall druckt Der Tagesspiegel ein Gespräch mit dem Soziologen Michael Hartmann ab:

“Zehn Prozent der Deutschen zahlen 50 Prozent der Steuern, aber sie verdienen auch rund 40 Prozent der Einkommen. Entscheidend ist der Unterschied zwischen den versteuerten Vermögenserträgen und den tatsächlichen Vermögenserträgen. Da wird einem ganz schwindlig. Die reichsten zehn Prozent haben Einnahmen von rund 100 Milliarden Euro, versteuern aber nur Erträge von 20 Milliarden. Die Steuerprüfung operiert da nur auf bescheidenem Niveau. […] Schon Ende der neunziger Jahre verdiente das obere Promille der Deutschen soviel, dass nur die reichen Amerikaner noch mehr hatten. Zu dieser Entwicklung hat die Politik der letzten 15 Jahre mit ihren Steuergeschenken entscheidend beigetragen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in keinem anderem Land Westeuropas so tief aufgerissen wie in Deutschland.”

Vollständiges Gespräch lesen.


Falsche Vorbilder

February 20, 2008

“Daher muss ein kluger Mann stets Wegen folgen, die von großen Männern beschritten wurden, und die hehrsten Vorbilder nachahmen, damit ein gewisser Abglanz auf ihn fällt, wenn er auch nicht an sie heranreicht.” – Niccolò Machiavelli (Der Fürst)

In dem Spiegel hat sich auch Reinhard Mohr Gedanken über die Vorbildfunktion der Eliten gemacht und ist zum Ergebnis gekommen, dass hysterische Verehrung der Promis und grenzenlose Gier nach Ruhm und Reichtum das neue Opium des Volkes seien:

“Du sollst Dir kein falsches Vorbild machen. Und trotzdem tun wir es immer wieder: Millionen Deutsche gieren nach Glanz und Glamour von Fußballstars, Managern, Adel und anderen Prominenten – so korrumpiert diese auch sein mögen. Denn das Publikum verwechselt hartnäckig Glück mit Geld.”

Zum Artikel.


Öko-Fanatiker und grüne Ideologen auf dem Vormarsch

February 8, 2008

In einem Essay erschienen in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitzung kritisiert der britische Philosoph John N. Gray, Professor an der London School of Economics, die Maßlosigkeit grüner Ideologen in Sachen Klimaschutz:

“Es gibt nur einen vernünftigen Weg: Wir müssen den Bedarf an fossilen Brennstoffen einschränken und, da niemand auf sie verzichten wird, sie sauberer machen. Also müssen wir Technologien einsetzen, die viele Umweltschützer mit abergläubischem Horror betrachten. Bei der Atomenergie gibt es bekanntlich Probleme mit der Sicherheit und der Müllentsorgung. Sie ist keineswegs das Allheilmittel, doch sie zu verteufeln ist schlimmste grüne Ideologie.”

Zum Artikel.


Police raid headquarters of the German neo-Nazi party NPD

February 8, 2008

Prosecutors in Germany have raided the national headquarters of the extreme-right National Democratic Party (NPD) in Berlin.

Supporters of the NPD, during a march in Berlin, 2005.

Supporters of the NPD, during a march in Berlin, 2005.

According to media reports, the raid was carried out in relation to a case of suspected embezzlement by the party’s treasurer, Erwin Kenna, who has reportedly been arrested.

Meanwhile, the president of the Central Council of Jews in Germany, Charlotte Knobloch, has called for a fresh attempt to get the NPD banned by the Constitutional Court. Knobloch said that the enemies of democracy should not receive annual state funding of € 1.2 million, referring to a German law that awards funding to all parties that compete in regional or federal elections and obtain a minimum number of votes.

A previous attempt to have the NPD banned in 2004 failed. Knobloch said that society was often “ignorant” regarding “criminal groups disguised a political parties”, such as the NPD. Many NPD leaders repeatedly deny the Holocaust and are linked to neo-Nazi and skinhead groups.

The party is represented in two regional parliaments. Germany’s federal intelligence agency classifies the NPD as a “threat to the constitutional order” because of its platform and philosophy. A ban of the party by the Constitutional Court would allow the seizure of all party assets.


Europe’s Philosophy of Failure

February 6, 2008

A Foreign Policy article analyzes the way economic subjects are taught in French and German schools, arguing that it is creating citizens who believe that free enterprise and entrepreneurship are immoral.

“Both the French and German cases show the limits of trying to run against the grain of deeply held economic ideology. Yet, training the next generation of citizens to be prejudiced against being enterprising and productive is equally foolhardy. Fortunately, such widespread attitudes and the political outcomes they foster aren’t only determined by tradition and history. They are, to a great extent, the product of education. If countries like France and Germany hope to get their nations on a new economic track, they might start paying more attention to what their kids are learning in the classroom.”

Read full story.


Gespräch mit FDP-Kulturpolitiker Hans-Joachim Otto

February 4, 2008

Im Gespräch mit der Berliner Zeitung prangert der FDP-Kulturpolitiker Hans-Joachim Otto, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages, die “Reformunfähigkeit der deutschen Medienpolitik” an, die sich nicht nur in der Frage der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) zeige (“den Schnüffelapparat GEZ gibt es weiter”), sondern auch in der Internet-Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen:

“Weil uns weisgemacht werden soll, dass es qualitätsvollen Journalismus im Internet nur gebe, wenn sich die Öffentlich-Rechtlichen dort als Anbieter betätigen. Das ist kompletter Unsinn, schließlich existieren auch hervorragende Zeitungen in Deutschland ohne Gebühren. Es spricht nichts dagegen, programmbegleitend im Internet aktiv zu sein. Aber eigens für das Internet produzierte öffentlich-rechtliche Inhalte zwingen privaten Anbietern einen Verdrängungswettbewerb auf. Das ist unfair.”

Vollständiges Gespräch lesen.


Die Väter der 68er

February 2, 2008

In einem Essay erschienen in der Frankfurter Rundschau zieht der Historiker Götz Aly Parallelen zwischen den 68ern und ihren Eltern, den 33ern.

“Die Kinder der 33er waren Getriebene, konfrontiert mit einer Last, die sie nicht zu verantworten hatten, der sie jedoch nicht ausweichen konnten. Chinesisch, kubanisch, sowjetisch oder trotzkistisch verfremdet veranstalteten sie nach den in Deutschland gebräuchlichen Regievorlagen eine Farce, die der Tragödie von 1933 folgte. Sie inszenierten eine Variante des politisch eindimensionalen Utopismus, auf dessen Trümmern sie groß geworden waren.”

Zum Artikel.


Setback for Angela Merkel’s Party

January 28, 2008

The party of Germany’s Chancellor Angela Merkel suffered heavy losses in regional elections in the German state of Hesse. German broadcaster Deutsche Welle says the party has suffered from a polarizing strategy.

Read full story.


Hessen-Wahl 2008: Provinzfürst stürzt ab, Bürgerschreck XY triumphiert

January 27, 2008

Roland Koch, als Kanzlerkandidat nun definitiv erledigt, wird wohl bei der Bundestagswahl 2009 den Weg für seinen innerparteilichen Kontrahenten und  konsensfähigeren Hoffnungsträger der Union Christian Wulff frei machen müssen. Von Niedersachsen lernen, heisst für die CDU siegen lernen.

Die veritable Sensation  der Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen bleibt jedoch das schlechte Abschneiden der Grünen, das das Ende dieser Partei auf Bundesebene bedeutet, da der politische Raum der Grünen schon längst von der FDP und der Linkspartei erorbert worden ist und die Themen der Grünen für die Wähler irrelevant geworden sind, auf Grund der Tatsache, dass Umweltschutz überall angekommen ist. FDP und Linkspartei, die als Protestparteien enttäuschte Konservative, geprellte Arbeitnehmer (“die mehr Netto vom Brutto”-Kampagne der FDP) und Globalisierungsverlierer politisch resozialisieren, werden sicherlich in Zukunft als Koalitionsmacher oder Spaßverderber im bundesrepublikanischen Schlachtfeld für Spannung sorgen.

Dazu ein brillanter Kommentar von Dr. Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung:

“Die Öffentlichkeit schaut dem Machiavellisten, solange er Erfolg hat, zwar nicht mit Bewunderung zu, aber doch mit Respekt vor seiner Unverfrorenheit. Wenn aber der Zweck auch mit unanständigen Mitteln nicht erreicht wird, wird der Machiavellist zur tragischen Figur. Das widerfährt nun dem Ministerpräsidenten Koch, zumal sein innerparteilicher Konkurrent Christian Wulff mit einem Kontrastprogramm die Wahl in Niedersachsen ordentlich gewonnen hat. Wulff hat den Polarisierungs-Wahlkampf à la Koch vermieden. Er hat die Wählerschaft, die Koch mit Brachialrhetorik teilte, mit Konsensrhetorik zusammengeführt. […] Die bundespolitischen Auswirkungen des Wahltages können kaum überschätzt werden. Der SPD ergeht es so wie einst dem biblischen Lazarus: Sie erlebt ihre Wiederauferstehung – per Linksruck. Für die CDU gehen die schönen Zeiten zu Ende. […] Die SPD rückt nach links. Die Linkspartei beginnt sich im Westen zu etablieren. Dieser Wahltag verändert das Mobile der deutschen Politik.”

Zum Leitartikel.


Die Spießer-Frage

January 22, 2008

Entsetzt von den Reaktionen auf Jens Jessens Kommentar über den Münchner U-Bahn-Überfall zeigt sich die Süddeutsche Zeitung.

Angefeuert durch BILD und FAZ, tobt nun eine Welle der Empörung in Internetforen, Blogs, und Userkommentaren. Was dort zu lesen ist, ist zuweilen justiziabel: Man solle dem ‘Deutschland-Hasser’, diesem ‘hinterhältigen und verdorbenen Gesellen’, dem ‘charakterlosen Wurm’ auf die ‘Fresse hauen’, den ‘ekelhaften Rotfaschisten’ auf den ‘Müllhaufen der Geschichte’ werfen, das ‘widerliche linke Schwein’ in der U-Bahn so verprügeln, ‘dass er sich für den Rest seines Lebens von Flüssignahrung ernähren muss’. (…)

Auch das ist Gewalt. Sie drohen, sie beleidigen, sie hetzen und sie rüpeln. Das Ganze ist längst kein Spaß mehr. Zwei Verlierergruppen der Gesellschaft, die chancenlosen Jugendlichen und die Alten, sind aufeinander losgelassen. Dazu gesellt sich eine Gruppe offenbar gewaltbereiter Spießer, die nichts unversucht lässt, die Diskussion bis aufs Blut zu führen.”

Zum Artikel.


Die (typisch) deutsche Streitkultur am Beispiel der Münchner-U-Bahn-Überfall-Debatte

January 20, 2008

Jens Jessen, Feuilleton-Chef der Hamburger Zeitschrift DIE ZEIT, kommentiert die sehr ausländerfreundliche Stimmung nach dem Überfall auf einen pensionierten Schulleiter in der Münchner U-Bahn: “Ich würde dagegen gerne mal die Frage stellen, ob es nicht ‘zu viele’ besserwisserische deutsche Rentner gibt, die den Ausländern hier das Leben zur Hölle machen und vielen anderen Deutschen auch.”

BILD kontert wie gewohnt mit einer sehr differenzierten und aufklärenden Serie über kriminelle Ausländer. Anschliessend stellte der hessische Ministerpräsident Roland Koch die sehr berechtigte Frage, ob es nicht ‘zu viele’ kriminelle ausländische Jugendliche in Deutschland gäbe.

Um zum guten Letzt dieser sehr niveauvollen Debatte antwortet Jens Jessen auf Leserzuschriften zu seiner Videokolumne “Atmosphäre der Intoleranz”.


Ein Wort an die deutsche Jugend gegen den Radikalismus von rechts und links

January 13, 2008

Aus gegebenem Anlass: Die immer noch aktuelle politische Flugschrift von Hermann Hesse, 1919 im Schweizer Verlag Stämpfli anonym erschienen.

Zarathustras Wiederkehr: Ein Wort an die deutsche Jugend gegen den Herdengeist von rechts und links

von Hermann Hesse (1877-1962), Literaturnobelpreisträger

***

Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel. (Friedrich Nietzsche)

Es gab einmal einen deutschen Geist, einen deutschen Mut, eine deutsche Mannhaftigkeit, welche sich nicht nur im Herdenlärm und der Massenbegeisterung äußerte. Der letzte große Geist dieser Art ist Nietzsche gewesen, und er ist, inmitten des damaligen Gründertums und der damaligen Herdengesinnung in Deutschland, zum Anti-Patrioten und Anti-Deutschen geworden.

An ihn will mein Ruf erinnern, an seinen Mut, an seine Einsamkeit.

Statt des Herdengeschreis, dessen weinerliche jetzige Note um nichts lieblicher ist, als während der “großen Zeit” seine großmäulige und brutale es war, will dieser Ruf die Geistigen unter der deutschen Jugend an einige einfache, unerschütterte Tatsachen und Erfahrungen der Seele erinnern.

Möge jeder sich zum Volk und der Allgemeinheit verhalten, wie Bedürfnis und Gewissen es ihm eingibt – wenn er darüber sich selbst, seine eigene Seele versäumt, so wird es wertlos sein. Erst wenige im verarmten und besiegten Deutschland haben begonnen, das Weinen und Schimpfen als unfruchtbar zu erkennen und sich tüchtig und mannhaft zu machen für das, was kommen soll. Erst wenige haben eine Ahnung von dem Verfall des deutschen Geistes, in dem wir lang vor dem Kriege schon lebten.

Wir müssen nicht hinten beginnen, bei den Regierungsformen und politischen Methoden, sondern wir müssen vorn anfangen, beim Bau der Persönlichkeit, wenn wir wieder Geister und Männer haben wollen, die uns Zukunft verbürgen. Davon spricht meine kleine Schrift. Sie ist anfänglich anonym in der Schweiz erschienen und in dieser Form in mehreren Auflagen verbreitet worden, weil ich die Jugend nicht durch einen bekannten Namen mißtrauisch machen wollte. Sie sollte unbefangen prüfen, und hat es getan. Dadurch ist mein Beweggrund zur Anonymität hinfällig geworden.

Als unter den jungen Menschen in der Hauptstadt sich das Gerücht herumflüsterte, Zarathustra sei wieder erschienen und werde da und dort auf Gassen und Plätzen gesehen, machten einige Jünglinge sich auf, ihn zu suchen. Es waren Jünglinge, welche vom Kriege heimgekehrt und in der veränderten und umgestürzten Heimat voll rastloser Besorgnis waren, denn sie sahen wohl, daß große Dinge geschahen, aber der Sinn war dunkel, und vielen schien er ein Unsinn zu sein.

Diese jungen Männer hatten alle im Beginn ihrer Jugendzeit in Zarathustra den Propheten und ihren Führer gesehen, sie hatten mit dem Eifer der Jugend gelesen, was über ihn geschrieben steht, und hatten darüber gesprochen und nachgedacht, auf ihren Wanderungen in Heide und Gebirg, und in nächtlichen Zimmern bei Lampenschein.

Und Zarathustra war ihnen heilig gewesen, wie einem jeden diejenige Stimme zum Heiligtume wird, welche ihn zuerst und zustärkst an sein eigenes Ich und an sein eigenes Schicksal gemahnte. Als diese Jünglinge Zarathustra fanden, da stand er in einer breiten Straße voll dichten Menschengewühls an eine Mauer gedrückt und hörte der Rede zu, welche ein Volksführer von der Höhe eines Wagens herab an die gedrängte Menge hielt.

Er hörte zu, lächelte und blickte in die Gesichter der vielen Menschen. Er blickte in diese Gesichter, wie ein alter Einsiedler in die Wellen des Meeres und in die Morgenwolken blickt. Er sah ihre Angst, er sah ihre Ungeduld und ihre ratlose weinerliche Kinderbangigkeit, er sah auch den Mut und den Haß in den Augen der Entschlossenen und Verzweifelten, und er wurde nicht müde, hinzusehen und dabei der Rede des Redners zuzuhören. Woran ihn die Jünglinge erkannten, das war sein Lächeln. Er war weder alt noch jung, er sah nicht wie ein Lehrer noch wie ein Soldat aus, er sah aus wie ein Mensch – der Mensch, als wäre er soeben aus der Dunkelheit des Werdens gestiegen, der erste von seiner Art.

An seinem Lächeln aber erkannten sie ihn, nachdem sie eine Weile gezweifelt hatten, ob er es sei. Sein Lächeln war hell, doch nicht gütig; es war arglos, doch ohne Gutmütigkeit. Es war das Lächeln eines Kriegers, und noch mehr das Lächeln eines Alten, der viel gesehen hat und der vom Weinen nichts mehr hält. Daran erkannten sie ihn. Als die Rede zu Ende war und das Volk unter Brüllen auseinanderzulaufen an-fing, näherten sich die Jünglinge Zarathustra und begrüßten ihn mit Ehrfurcht. “Du bist da, Meister”, sagten sie mit Stammeln, “endlich bist du wiedergekommen, da die Not am größten ist.

Sei uns willkommen, Zarathustra! Du wirst uns sagen, was wir tun sollen, du wirst uns vorangehen. Du wirst uns aus dieser größten aller Gefahren erretten. ” Lächelnd lud er sie ein, ihn zu begleiten, und sagte im Weitergehen den Lauschenden: “Ich bin sehr guter Laune, meine Freunde. Ja, ich bin wiedergekommen, vielleicht für einen Tag, vielleicht für eine Stunde, und ich sehe zu, wie ihr Theater spielt. Stets ist es mir ein Vergnügen gewesen dabeizustehen und zuzuschauen, wenn Theater gespielt wird. Bei nichts anderem sind die Menschen so ehrlich.”

Die Jünglinge hörten und sahen einander an; es war nach ihrer Meinung zuviel Spott, zuviel Heiterkeit, zuviel Unbekümmertheit in Zarathustras Worten. Wie konnte er von Theater sprechen, wo sein Volk im Elend lag? Wie konnte er lächeln und Vergnügen haben, wo sein Vaterland besiegt und in Zerrüttung war? Wie konnte ihm dies alles, das Volk und der Volksredner, die ernste Stunde, die Feierlichkeit und Ehrfurcht ihrer selbst, der Jünglinge – wie konnte ihm dies alles bloße Augen- und Ohrenweide sein, bloßer Gegenstand der Beobachtung und des Lächelns? War es jetzt nicht Zeit, blutig zu weinen, Weh zu schreien und seine Kleider zu zerreißen? Und, vor allem, war es jetzt nicht Zeit, höchste Zeit, zu handeln? Taten zu tun? Ein Beispiel zu geben? Land und Volk vom sichern Untergang zu retten?

“Ich sehe”, sagte Zarathustra, der ihre Gedanken fühlte, noch ehe sie über ihre Lippen gekommen waren, “daß ihr mit mir nicht zu zufrieden seid, junge Freunde. Ich habe es erwartet, und dennoch setzt es mich nun in Erstaunen. Wenn man etwas von dieser Art erwartet, da ist neben der Erwartung immer auch das Gegenteil vorbanden; etwas in uns erwartet, und etwas andres in uns hofft das Gegenteil. So geht es mir nun mit euch, ihr Freunde.

Aber saget, wolltet ihr nicht mit Zarathustra reden?” “Ja, das wollen wir”, riefen sie alle begierig. Da lächelte Zarathustra und fuhr fort: “Nun denn, meine Lieben, so redet mit Zarathustra, höret Zarathustra! Der vor euch steht, ist nicht ein Volksredner noch ein Soldat, kein König noch Heerführer, es ist Zarathustra, der alte Einsiedler und Spaßmacher, der Erfinder des letzten Lachens, der Erfinder so vieler letzter Traurigkeiten. Von mir, ihr Freunde, könnet ihr nicht lernen, wie man Völker regiert und Niederlagen wiedergutmacht. Ich weiß euch nicht zu lehren, wie man Herden befehligt und wie man Hungernde beschwichtigt. Das sind nicht Zarathustras Künste. Das sind nicht Zarathustras Sorgen.”

Die Jünglinge schwiegen, und Enttäuschung zog ihre Gesichter lang. Sie gingen neben dem Propheten einher, betreten und unwillig, und fanden lange Zeit keine Worte, ihm zu erwidern. Endlich sagte einer von ihnen, der Jüngste, und indem er sprach, begann sein Blick zu sprühen, und Zarathustras Auge ruhte auf ihm mit Wohlgefallen.

“Nun denn”, so hob der Jüngste unter den Jünglingen an, “so sage uns also, was du zu sagen hast. Denn wenn du nur gekommen bist, um dich über uns und die Not dieses Volkes lustig zu machen, so wissen wir Besseres zu tun, als mit dir spazierenzugehen und deine vortrefflichen Witze anzuhören. Sieh uns an, Zarathustra, wir alle, so jung wir sind, haben Kriegsdienste getan und dem Tod ins Gesicht gesehen, und wir sind nicht mehr gesonnen, uns mit Spielereien und hübschem Zeitvertreib abzugeben. Wir haben dich verehrt, o Meister, und haben dich liebgehabt, aber größer als die Liebe zu dir ist in uns die Liebe zu uns selbst und zu unserem Volke. Das sollst du wissen.” Zarathustras Gesicht erhellte sich, da er den Jungen so reden hörte, und er blickte ihm mit Güte, ja mit Zärtlichkeit in die zornigen Augen.

“Mein Freund”, sagte er mit seinem besten Lächeln, “wie recht hast du, daß du den alten Zarathustra nicht unbesehen hinnimmst, daß du ihm auf den Zahn fühlst und ihn dort kitzelst, wo du ihn für verwundbar hältst! Wie sehr recht hast du, Lieber, mit deinem Mißtrauen! Und weißt du auch, daß du da eben ein sehr gutes Wort gesagt hast, eines von denen, die Zarathustra gerne hört? Sagtest du nicht: ‘Wir lieben uns selber mehr als wir Zarathustra lieben?’ Wie liebe ich solche Aufrichtigkeiten! Damit hast du mich geködert, mich alten Fisch, den schlüpfrigen, bald werde ich an deiner Angel hängen!”

Von einer entfernten Straße her hörte man in diesem Augenblicke Schüsse, großes Geschrei und Kampflärm hallen; sonderbar und töricht klang es durch den stillen Abend. Und wie Zarathustra sah, daß die Blicke und Gedanken seiner jungen Begleiter dort hinüberliefen wie junge Hasen, da änderte er den Ton seiner Stimme. Sie klang plötzlich wie aus einer großen Fremde her – und klang genauso, wie sie einst, beim ersten Kennenlernen, den Jünglingen getönt hatte -, wie eine Stimme, die nicht von Menschen kommt, sondern von Sternen oder Göttern her, oder, noch mehr, wie eine Stimme, die jeder heimlich in der eigenen Brust vernimmt, zu Stunden, wo Gott in ihm ist.

Die Freunde horchten auf, und sie kehrten mit allen Gedanken und Sinnen zu Zarathustra zurück, denn nun erkannten sie die Stimme jeder, die einst, wie aus heiligen Gebirgen her, in ihre erste Jugend getönt und der Stimme eines unbekannten Gottes geglichen hatte. “Höret mich, Kinder”, sagte er ernst und wandte sich besonders zu dem Jüngsten.

“Wenn ihr einen Glockenton hören wollet, so müsset ihr nicht an ein Blech schlagen. Und wenn ihr die Flöte blasen wollet, so dürfet ihr den Mund nicht an einen Weinschlauch legen. Verstehet ihr mich, o Freunde? Und besinnet euch, ihr Guten, besinnet euch wohl: Was war es doch, das ihr einst, in jenen trunkenen Stunden, von eurem Zarathustra gelernt habt? Was war es doch? War es etwa Weisheit für den Kaufladen, oder für die Gasse, oder für das Schlachtfeld? Gab ich euch Ratschläge für Könige, habe ich königlich, oder bürgerlich, oder politisch, oder händlerisch zu euch gesprochen?

Nein, ihr erinnert euch, ich sprach Zarathustrisch, ich sprach meine Sprache, ich tat mich vor euch auf wie ein Spiegel, damit ihr in ihm euch selbst zu sehen bekämet. Habt ihr je von mir ‘etwas gelernt’ ? Bin ich je ein Sprachlehrer oder ein Sachlehrer gewesen? Sehet, Zarathustra ist kein Lehrer, man kann ihn nicht fragen und von ihm lernen und ihm gute kleine und große Rezepte für nötige Fälle nachschreiben.

Zarathustra ist der Mensch, er ist Ich und Du. Zarathustra ist der Mensch, nach dem ihr in euch selber auf der Suche seid, der Aufrichtige, der Unverführte – wie sollte er an euch zum Verführer werden wollen? Vieles hat Zarathustra gesehen, vieles hat er gelitten, an vielen Nüssen hat er geknackt und ist von vielen Schlangen gebissen worden.

Aber nur eines hat er gelernt, nur eines ist seine Weisheit, nur eines ist sein Stolz. Er hat gelernt, Zarathustra zu sein. Das ist es, was auch ihr von ihm lernen wollet, und wozu doch so oft euch der Mut gebricht.

Ihr sollet lernen, ihr selbst zu sein, so wie ich Zarathustra zu sein gelernt habe. Ihr sollet verlernen, andere zu sein, gar nichts zu sein, fremde Stimmen nachzuahmen und fremde Gesichter für die euern zu halten.

Und darum, ihr Freunde, wenn Zarathustra zu euch spricht, so suchet in seinen Worten keine Weisheit, keine Künste, keine Rezepte und Rattenfängerkniffe, sondern suchet ihn selbst! Vom Stein könnet ihr lernen, was Härte ist, und vom Vogel, was Singen ist. Von mir aber könnet ihr lernen, was Mensch und Schicksal ist.” Sie waren unter ihren Reden bis zum Rande der Stadt gekommen und gingen da unter Bäumen, die im Abend rauschten, noch lange miteinander. Vieles fragten sie ihn, oft lachten sie mit ihm, oft verzweifelten sie an ihm. Einer von ihnen aber hat das, wovon Zarathustra an jenem Abend zu ihnen sprach, oder einiges davon, für seine Freunde aufgeschrieben und bewahrt. Was er in der Erinnerung an Zarathustra und seine Worte aufgeschrieben hat, ist aber dieses:

So sprach zu uns Zarathustra:

Eines ist dem Menschen gegeben, das ihn zum Gotte macht, das ihn erinnert, daß er Gott ist: Das Schicksal zu erkennen.

Darin bin ich Zarathustra, daß ich Zarathustras Schicksal erkannt habe. Darin, daß ich sein Leben gelebt habe. Wenige erkennen ihr Schicksal. Wenige leben ihr Leben. Lernet euer Leben zu leben! Lernet euer Schicksal erkennen! Ihr klaget so sehr über das Schicksal eures Volkes. Schicksal aber, über das man klagt, ist noch nicht das unsre, ist ein uns Fremdes und Feindliches, ist ein fremder Gott und böser Götze, der uns aus dem Dunkel mit Schicksal bewirft wie mit vergifteten Pfeilen.

Lernet, daß Schicksal nicht von Götzen kommt, so werdet ihr auch endlich lernen, daß es keine Götzen und Götter gibt! Wie im Leibe eines Weibes das Kind, so wächst Schicksal in eines jeden Menschen Leib, oder wenn ihr wollt, könnt ihr auch sagen: in seinem Geist oder in seiner Seele. Es ist dasselbe.

Und wie das Weib eins ist mit seinem Kinde und sein Kind liebt und nichts Besseres in der Welt kennt als sein Kind – so sollt ihr euer Schicksal lieben lernen und nichts Besseres auf der Welt kennen als euer Schicksal. Es soll euer Gott sein, denn ihr selbst sollt eure Götter sein. Wem Schicksal von außen kommt, den erlegt es, wie der Pfeil das Wild erlegt. Wem Schicksal von innen und aus seinem Eigensten kommt, den stärkt es und macht ihn zum Gott. Es machte Zarathustra zu Zarathustra – es soll dich zu dir machen! Wer das Schicksal erkannt hat, der will niemals Schicksal ändern. Schicksal ändern wollen, das ist so recht ein Kinderbemühen, wobei man einander in die Haare gerät und einander totschlägt. Schicksal ändern wollen, das war das Tun und Bemühen eurer Kaiser und Feldherren, es war euer eigenes Bemühen.

Nun ihr das Schicksal nicht habt ändern können, schmeckt es bitter, und ihr meint, es sei Gift. Hättet ihr es nicht ändern wollen, hättet ihr es zu eurem Kind und Herzen, hättet ihr es ganz und gar zu euch selbst gemacht – wie süß würde es alsdann schmecken!

Erlittenes, fremd gebliebenes Schicksal ist jeder Schmerz, ist jedes Gift, ist jeder Tod. Jede Tat aber und jedes Gute und Frohe und Zeugende auf Erden ist erlebtes Schicksal, ist zu Ich gewordenes Schicksal. Ihr seid vor eurem langen Kriege zu reich gewesen, o Freunde, ihr seid zu reich und dick und vollgegessen gewesen, ihr und eure Väter, und als ihr Schmerzen im Bauche verspürtet, wäre es Zeit für euch gewesen, in diesen Schmerzen das Schicksal zu erkennen und seine gute Stimme zu hören. Ihr aber, ihr Kinder, seid über die Bauchschmerzen böse geworden und habt euch erklügelt, es sei Hunger und Mangel, welcher diese Schmerzen in eurem Bauche mache. Und da habt ihr losgeschlagen, um zu erobern, um mehr Raum auf Erden, um mehr Speise in eurem Bauch zu haben.

Und jetzt, wo ihr heimgekehrt seid und nicht erreicht habt, was ihr wolltet, jetzt wehklagt ihr wieder, fühlet wieder allerlei Weh und Schmerzen, und wieder sucht ihr nach dem bösen, bösen Feinde, der die Schmerzen geschickt hat, und seid bereit, auf ihn zu schießen, sei er auch euer Bruder.

Liebe Freunde, wäre es nicht gut, ihr besännet euch?

Wäre es nicht gut, ihr würdet, wenigstens diesmal, eure Schmerzen mit mehr Ehrfurcht behandeln, mit mehr Neugierde, mit mehr Männlichkeit, mit weniger Kleinkinderangst und Kleinkindergeschrei?

Könnte es nicht sein, daß die bittern Schmerzen Stimme des Schicksals sind, und daß sie süß werden, wenn ihr die Stimme verstehet? Könnte es nicht so sein? Auch höre ich euch, Freunde, immerzu so laut über böse Schmerzen und böse Schicksale klagen, die euer Volk und euer Land betroffen haben. Verzeihet, junge Freunde, wenn ich auch gegen diese Schmerzen ein wenig mißtrauisch, ein wenig langsam und unwillig im Glauben bin! Du und du, und du dort, ihr alle, leidet ihr denn nur Schmerzen um euer Volk? Leidet ihr nur um euer Vaterland?

Wo ist denn dies Vaterland, wo ist sein Haupt, wo sein Herz, wo wollt ihr die Kur und Pflege an ihm beginnen? Wie? Gestern war es noch der Kaiser, und war es das Weltreich, um das ihr bangtet, auf das ihr stolz waret, das ihr heilig hieltet. Wo ist das alles heute hin? Es war nicht der Kaiser, von dem die Schmerzen kamen – wären sie sonst noch da und wären so bitter, da doch kein Kaiser mehr da ist? Es war nicht das Heer und nicht die Flotte, und nicht die und die Provinzen und Beutestücke, das sehet ihr jetzt. – Aber warum sprechet ihr, wenn ihr Schmerzen habt, auch heute noch immer gleich vom Vaterland, und vom Volk, und von irgend solchen großen, ehrwürdigen Dingen, von denen gut reden ist, und welche oft so unvermutet sich auflösen und nicht mehr da sind?

Wer ist das Volk? Ist es der Redner, oder die ihm zuhören, sind es die, die ihm zustimmen, oder die, die nach ihm ausspeien und die Stöcke schwingen? Hört ihr das Schießen drüben? Wo ist das Volk, euer Volk – auf welcher Seite? Schießt es, oder wird es beschossen? Greift es an, oder wird es angegriffen? Seht, es ist schwierig, einander zu verstehen, und gar sich selbst zu verstehen, wenn man immer so große Worte braucht. Wenn ihr nun, du und du dort, Schmer-zen fühlet, wenn euch nicht wohl im Leibe oder in der Seele ist, wenn ihr Angst empfindet, Gefahr ahnet – warum wollet ihr nicht, und sei es nur zum Spaß und aus Neugierde, aus guter gesunder Neugierde, einmal den Versuch machen, die Frage anders zu stellen? Warum wollt ihr nicht einmal suchen, ob der Schmerz nicht in euch selber sitzt?

Es gab eine gewisse Zeit, da waret ihr alle eine kleine Weile überzeugt und eurer Sache sicher, daß der Russe euer Feind und der Ausgang alles Bösen sei. Und gleich darauf war es der Franzose, und dann der Engländer, und dann andere, und immer waret ihr überzeugt und sicher, und immer war es eine traurige Komödie und endete mit Elend. Da ihr nun gesehen habt, daß die Schmerzen in uns drinnen nicht damit zu heilen sind, daß wir sie einem Feinde in die Schuhe schieben – warum suchet ihr nicht auch jetzt eure Schmerzen dort auf, wo sie sind: In euch innen?

Vielleicht ist es nicht das Volk, das dir weh tut, und nicht das Vaterland, und nicht die Weltmacht, und auch nicht die Demokratie – vielleicht ist es einfach du selbst, dein Magen oder deine Leber, eine Geschwulst oder ein Krebs in dir – und es ist nichts als Kleinkinderfurcht vor der Wahrheit und vor dem Arzte, wenn du dich stellst, als seiest zwar du selbst ganz und gar gesund, aber leider bedrücke dich ein Leiden deines Volkes so sehr? Ist das nicht möglich? Seid ihr nach dieser Seite hin gar nicht neugierig? Wäre es nicht für jeden von euch im Grunde eine gute lustige Übung, seinem Leide einmal nachzugehen und zu suchen, wo es sitzt und wen es angeht? Es könnte sein, es stellte sich dann heraus, daß ein Drittel und eine Hälfte, und weit mehr als die Hälfte deines Schmerzes wirklich und wahrlich dein eigener, eigenster Schmerz ist, und daß du gut tätest, kalte Bäder zu nehmen oder weniger Wein zu trinken, oder sonst eine Kur an dir vorzunehmen, statt am Vaterlande herumzudrücken und herumzukurieren. Es könnte sein, meine ich – und wäre es nicht sehr gut, wenn es so wäre? Wäre da nicht zu helfen? Wäre da nicht Zukunft? Wäre da nicht Aussicht, Schmerz in Wohltat zu erwandeln, und Gift in Schicksal? Aber ihr findet das selbstsüchtig und kleinlich, das Vaterland liegen lassen und sich selber zu kurieren. Nun, vielleicht habt ihr auch darin nicht so ganz und völlig recht, wie es euch erscheinen will, ihr Freunde!

Glaubt ihr nicht, daß am Ende ein Vaterland gesunder und besser gedeiht, in das nicht ein jeder Kranke seine eigenen Gebrechen hineindeutet, an dem nicht jeder Leidende herumkuriert? Ach, ihr jungen Freunde, ihr habt so viel gelernt in eurem jungen Leben! Ihr seid Krieger gewesen, ihr habt hundertmal dem Tod ins Gesicht gesehen.

Ihr seid Helden. Ihr seid Säulen des Vaterlandes. Ich bitte euch nur: begnügt euch nicht damit! Lernet noch mehr! Strebet noch weiter!

Und denket zuzeiten daran, welch eine hübsche Sache die Ehrlichkeit ist!


Politiker Frank-Walter Steinmeier und Philosoph Jürgen Habermas zum Projekt Europa

November 24, 2007

Im Rahmen der 9. Veranstaltung der Reihe “philosophy meets politics” des SPD-Kulturforums  haben Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der Philosoph Jürgen Habermas über Europa diskutiert. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, waren Habermas’ Überlegungen nicht besonders von Optimismus geprägt:

“In einem mit gewohnter Verve und zugleich beeindruckender Klarheit vorgetragenen Rede gab er seiner tiefen Europa-Skepsis Ausdruck… Zum einen nannte er einen sich immer deutlicher abzeichnenden Elitarismus, der sich zunehmend von den Bürgern entfernt. Das zweite große Problem, das das europäische Projekt behindere, sei das unausgewogene Verhältnis von Kern und Peripherie. Eine Politik des Nichtentscheidens führe dazu, dass die Gemeinschaft der 27 allzu bereitwillig in nationalstaatliche Muster zurückfalle.”

Zum Artikel.


German chancellor Angela Merkel shaken by labor minister’s resignation

November 14, 2007

The International Herald Tribune reports that Germany’s ruling coalition has been shaken by the sudden resignation of the labor minister.

Read full story.


Das Fernmeldegeheimnis ist verletzlich

November 10, 2007

todestag2007.jpg

Die Pressefreiheit wird mit der gestern beschlossenen Vorratsdatenspeicherung von Telefon- und Internetspuren “deutlich eingeschränkt”, warnt Michael Hanfeld in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

“Es hat schon seinen Grund, dass sich unsere Branche zu Wort meldet, nicht um der eigenen Bequemlichkeit wegen, sondern weil es darum geht, die Zeugen zu schützen, ohne deren Hinweise Skandale nie aufgeklärt würden, schon gar nicht solche, die den Missbrauch staatlicher Macht betreffen. Das ist ein nicht unerheblicher Kollateralschaden im Kampf gegen den Terrorismus und die organisierte Kriminalität. Die massenhafte Vorratshaltung zum Zwecke der Überwachung zerstört, was sie zu bewahren vorgibt, indem sie die Aufklärung verhindert, die der Staat mit seinen Organen selbst nicht leistet.”

Zum Artikel.